Der DFB und Adidas stellen das gemeinsame Trikot für die Nationalmannschaft vor.
Der DFB und Adidas stellen das gemeinsame Trikot für die Nationalmannschaft vor.bild: adidas
WM 2022

WM 2022: Wirbel um Deutschland-Trikot von Adidas

25.11.2022, 11:12

Adidas versucht seit Jahren, sein Image aufzupolieren und grüner zu wirken. Der Sportartikelhersteller setzt auch bei der Herstellung des WM-Nationaltrikots auf Nachhaltigkeit. Doch nun gibt es Zweifel daran, wie nachhaltig die Produktion der Shirts wirklich ist: Einer Recherche der Wochenzeitung "Die Zeit" und des Hamburger Magazins "Flip" zufolge ist das Trikot nicht so umweltfreundlich wie von Adidas beworben.

Das Trikot in der "Performance-Version", das auch die Nationalspieler tragen, kostet 140 Euro. Eingenäht im Ticket befindet sich ein QR-Code, den man mit dem Handy scannen kann. Tut man das, erscheint eine Nachricht: "End Plastic Waste", also "Beendet die Plastikverschmutzung".

Adidas will dieses Ziel erreichen, indem der Konzern bis zum Jahr 2024 nahezu vollständig auf recyceltes Polyester umsteigt – zum Beispiel aus PET-Flaschen, die in Kooperation mit der Umweltschutzorganisation "Parley for the Oceans" aus dem Meer gefischt wurden. Auch das WM-Trikot soll aus Ozeanplastik bestehen. Aber ist es dadurch automatisch nachhaltig?

Ergebnisse des Waschtests sind "beeindruckend schlecht"

Um zu testen, wie umweltfreundlich die Trikots wirklich sind, wurden sie von den Redaktionen an Elke Fischer, Leiterin der Forschungsgruppe Mikroplastik an der Universität Hamburg, geschickt. Sie unterzog den Trikots einen Waschtest. Dafür wurden sie, wie auf dem Etikett angegeben, einer Feinwäsche bei 30 Grad unterzogen, insgesamt 15 Mal. Das dabei entstehende Abwasser wurde unter die Lupe genommen.

Die Tests zeigen, dass ein neues Nationaltrikot bei den ersten fünf Wäschen im Schnitt 68.000 Fasern absondert. "Das ist wirklich beeindruckend schlecht", sagt Fischer gegenüber der Wochenzeitung "Die Zeit". "Diese Fasern landen mit dem Abwasser aus unseren Waschmaschinen in den Kläranlagen, die nicht in der Lage sind, das alles herauszufiltern. Damit geht es über die Flüsse direkt in unsere Meere."

Fischer zufolge liegt der erhöhte Abrieb vermutlich am Recycling. Studien hätten gezeigt, dass der Recyclingprozess die Fasern schwäche.

Die Recherche ergab außerdem, dass ein Großteil des Ozeanplastiks, das Adidas für seine Textilien verwendet, gar nicht von Sammelaktionen, die "Parley for the Oceans" organisiert und überwacht, kommt. Etwa 80 Prozent des verwendeten Plastiks stammt aus sogenannten "Volume Countries".

Auch diese Schuhe entstanden in Kooperation zwischen Adidas und "Parley for the Oceans".
Auch diese Schuhe entstanden in Kooperation zwischen Adidas und "Parley for the Oceans".bild: parley for the oceans

Adidas bestätigt diesen Befund. Das Ozeanplastik stamme aktuell von den Malediven, der Dominikanischen Republik, aus Thailand und von den Philippinen. Davon weiß Cyrill Gutsch, der Chef von "Parley for the Oceans", aber nichts. Gegenüber der Zeit erklärte er: "Wenn sich die Vorwürfe bewahrheiten, muss ich auf den Rücktritt der verantwortlichen Führungskräfte bei Adidas bestehen, um die Partnerschaft weiterzuführen. Ansonsten muss ich den Vertrag infrage stellen."

Adidas bezieht Stellung zum Thema Kinderarbeit

Zu den "Volume Countries", aus denen der Großteil des verwendeten Plastiks kommt, gehören auch Thailand und die Philippinen. Und dort – auf den Philippinen – sammeln der Recherche zufolge auch schulpflichtige Kinder Plastikmüll ein, den sie an Adidas verkaufen.

Der Sportartikelhersteller betont, davon nichts gewusst zu haben. Adidas dulde keine Kinderarbeit und überprüfe die Einhaltung der Vorgaben regelmäßig. Sie "konnten keine Anzeichen für die Beschäftigung Minderjähriger feststellen", erklärte der Konzern.

Südkorea produziert kaum noch Lebensmittel-Abfälle

Noch vor 30 Jahren hatte Südkorea ein enormes Müllproblem: Die Deponien der Hauptstadt Seoul galten als überfüllt – eine Lösung musste her. 2013 wurde dann ein landesweites Kompostier-Programm eingeführt. Heute recycelt das Land fast 100 Prozent der Lebensmittelabfälle.

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