Im Zuge der geplanten Krankenhausreform von Karl Lauterbach offenbarten zuletzt viele Ärzt:innen kuriose Fälle von lapidaren Beschwerden in deutschen Notaufnahmen. Ob ein Schnitt mit dem Küchenmesser oder leichte Bauchschmerzen durch das falsche Essen: Viele Menschen nehmen die wertvolle Zeit der Rettungskräfte demnach ohne dringenden Grund in Anspruch.
Mitunter können jedoch auch scheinbar nebensächliche Symptome ein Anzeichen für heftige Erkrankungen sein. Ein Fall aus Schweden zeigt nun erneut, dass Beschwerden dringend mit ärztlicher Hilfe abgeklärt werden sollten, wenn sie nach mehreren Tagen nicht abklingen.
Konkret geht es bei dem Fall um einen 56-jährigen Schweden, der über mehrere Wochen hinweg von heftigen Kopfschmerzen und Sehbeschwerden geplagt wurde. Nach einer Vorstellung bei seinem Hausarzt schickte dieser ihn alarmiert in die Notaufnahme.
Vor Ort wurde bei dem Betroffenen eine enorm erhöhte Kaliumkonzentration im Blut gemessen. Mit einem Wert, der fast doppelt so hoch wie der Normalwert war, drohte dem Patienten laut seinen Ärzt:innen akute Lebensgefahr.
Erst am nächsten Morgen gelang einem zuständigen Arzt laut Informationen der "Bild" eine Aufklärung der mysteriösen Symptomatik. Die Lösung fand sich demnach in der Ernährungsweise des Patienten. "Ich war regelrecht süchtig nach Lakritze", bestätigte dieser auf Nachfrage in der Klinik.
Lakritz ist nicht wie andere Süßigkeiten nur wegen gewöhnlichem Haushaltszucker ungesund. Auch durch die Grundzutat der Süßholzwurzel drohen gesundheitliche Beschwerden. Der darin enthaltene Stoff Glycyrrhizin kann bei einer Überdosis zu Bluthochdruck führen.
Glycyrrhizin wird im Darm in eine Säure umgewandelt, die dann ein bestimmtes Enzym im Körper hemmt. In der Folge kommt es zu starkem Kaliumverlust über den Urin, der sich wie beim Betroffenen aus Schweden über Bluthochdruck und Muskelschwäche äußert.
Die Weltgesundheitsorganisation rät in diesem Zusammenhang zu einem Verzehr von maximal 100 Milligramm Glycyrrhizin pro Tag. Allein in einer 100-Gramm-Packung "Erwachsenenlakritz" sind bereits 200 Milligramm des Stoffes enthalten. Für Kinder gibt es mittlerweile Produkte mit geringerer Konzentration des Stoffes.
"Das ist so gefährlich! Man sollte unbedingt aufpassen", warnt auch der Patient aus Schweden alle Lakritz-Liebhaber:innen. Er selbst will die Süßigkeit laut eigener Aussage nie wieder anrühren. Auch ohne weiteren Verzehr waren die Kaliumwerte des Betroffenen zuletzt erneut gestiegen, die Enzymhemmung im Darm hält mitunter mehrere Wochen an.
Besonders vorsichtig sollten übrigens auch Schwangere mit einer Vorliebe für Lakritze sein. In einer Langzeitstudie des "American Journal of Epidemiology" wurden Entwicklungsstörungen bei Kindern von Frauen festgestellt, die während der Schwangerschaft mehr als 500 Milligramm Glycyrrhizin zu sich genommen hatten. Wer Risiken vermeiden will, sollte auf die schwarze Leckerei also besser ganz verzichten.