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Kölner Karneval: Frau muss Hilfsaktion wegen unerwarteter Folgen stoppen

Während Karneval gibt es im Rheinland einige Traditionen, die anderswo nur schwer zu verstehen sind.
Während Karneval gibt es im Rheinland einige Traditionen, die anderswo nur schwer zu verstehen sind. Bild: imago images / Wunderl
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Kölner Karneval: Frau muss Hilfsaktion wegen unerwarteter Folgen stoppen

20.02.2024, 11:5820.02.2024, 12:00
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Wer nicht im Rheinland aufgewachsen ist, muss sich zumeist erstmal an das besondere Vokabular gewöhnen, das alle Jahre wieder in dieser einen Februarwoche an den Tag gelegt wird: Die Begriffe Bützen (Küsschen), Jeck (Karnevelsteilnehmer:in) und Kamelle haben es mittlerweile aber sogar in den Duden geschafft.

Für alle Nicht-Rheinländer:innen sei erklärt: Mit letzteren sind die Tonnen an Süßigkeiten gemeint, die jährlich von den bunten Wagen der Rosenmontagszüge gepfeffert werden. Genau diese werden einer Buchhändlerin aus Köln nun aber offenbar noch Tage nach Aschermittwoch zum Verhängnis.

Buchhändlerin entdeckt nach Karneval ungewöhnliche Facebook-Gruppe

Dorothee Junck besitzt seit Jahren einen Buchladen im Norden von Köln. Auch sie zeigte sich über die Karnevalstage jeck und teilte auf Social Media Eindrücke der Kostüme ihres gesamten Teams. Dort fielen ihr nach den "Feiertagen" dann aber auch etliche Gruppen ins Auge, in denen überschüssige Kamelle gezeigt und entsprechend zum Verschenken angeboten wurden.

Aus diesem Überfluss heraus entschied Junck, eine Hilfsaktion zu starten. Gemeinsam mit der Willkommensinitiative Nippes und Cologne Cares rief die Buchhändlerin dazu auf, alle Kamelle-Reste zu spenden. Das Ziel sollte ein Kinderheim in der Ostukraine sein.

Doch nach nur drei Tagen musste Junck das Ganze schon wieder stoppen. "Ich habe hier säckeweise Kamelle stehen. Das sind bestimmt 900 Kilogramm", resümiert sie gegenüber dem "Express". Ursprünglich wollte sie in ihrem Lager noch bis zum 24. Februar Süßigkeiten sammeln.

Auch Junck hatte offenbar nicht damit gerechnet, wie viele Menschen einen Überschuss an Kamellen zu Hause liegen haben und dem Aufruf entsprechend folgen würden. Aus dem gesamten Stadtgebiet haben Kölner:innen ihr demnach Bonbons, Schokolade und Chips vorbeigebracht.

Hilfsaktion offenbart dringende Problematik beim Karneval

Die Buchhändlerin erkennt in dem Andrang auf ihre Sammelaktion auch ein grundlegendes Problem des Karnevals. Vor allem die vorbeifahrenden Wagen würden die Süßigkeiten wahllos in die Menge werfen, vieles bleibe als Müll einfach auf den Straßen liegen.

Kamelle am Rande des Kölner Rosenmontagszug 2024 unter dem Motto Wat e Theater - wat e Jeckespill zu sehen auf der Severinstraße in der Kölner Südtstadt. Themenbild, Symbolbild Köln, 12.02.2024 NRW De ...
Ein Großteil der Kamelle bleibt nach dem Rosenmontagszug als Müll zurück. Bild: imago images / Panama Pictures

Allein beim Rosenmontagszug in Köln sollen dieses Jahr 300 Tonnen Kamelle verteilt worden sein, hinzu kommt das "Wurfmaterial" der kleineren Veedelszüge in den einzelnen Stadtteilen. Bei allen Veranstaltungen laufen außerdem Fußgruppen herum, die nochmal Süßigkeiten verteilen.

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Junck merkt auch an, dass viele der geworfenen Süßwaren nicht mehr zeitgemäß wären und von den Umzügen verbannt werden sollten. Vieles werde heute von den Kindern verschmäht oder sei wegen der aufwändigen Plastikverpackung eine doppelte Verschwendung.

Die knappe Tonne Süßigkeiten aus Nippes wird nun immerhin noch Verwertung finden, die Initiative "Willkommen in Nippes" soll sich in den nächsten Tagen um den Transport in die Ukraine kümmern. Dorothee Junck hat indes einen Wunsch, dem wohl vor allem der Rest Deutschlands zustimmen dürfte: ein bisschen mehr Nachhaltigkeit im Karneval.

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Israels Armee zieht Soldaten aus Süden Gazas ab
Dinge, über die Deutschland jetzt spricht: Jeden Tag findest du bei watson, natürlich laufend aktualisiert, die kompakten Top-News – in wenigen Minuten weißt du, was abgeht.

Israel hat am Sonntag alle Soldaten aus dem südlichen Gazastreifen abgezogen. Die 98. Kommandodivision der israelischen Armee habe "am 7. April ihren Einsatz in Chan Yunis beendet" und den Gazastreifen "verlassen, um sich zu erholen und sich auf zukünftige Operationen vorzubereiten", sagte ein Armeevertreter der Nachrichtenagentur AFP. Auf die Frage, ob dies bedeute, dass alle Soldaten den südlichen Gazastreifen verlassen hätten, antwortete er: "Ja."

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