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Saarland: Rassismus-Eklat um Karnevalsverein – Bürgermeister reagiert

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Bunt: So stellen sich die meisten Leute Karneval vor.Bild: imago images / Political-Moments
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Rassismus-Eklat um Karnevalsverein im Saarland: Bürgermeister schaltet sich ein

06.02.2024, 16:2307.02.2024, 08:12
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Karneval ist eigentlich dafür bekannt, eine der inklusivsten traditionellen Großveranstaltungen in Deutschland zu sein. Es geht ums Zusammensein und Lachen. Darum, sich nicht zu ernst zu nehmen. Und wenn es doch mal politisch wird, dann geht es gegen die Reichen und Mächtigen – getreten wird nach oben.

Die Realität ist gerade in den letzten Jahren dann doch etwas komplizierter: Lange Zeit waren etwa Verkleidungen als "Indianer" oder "Eskimo" üblich. Auch Blackfacing gehört noch heute zum Repertoire vieler Karnevalsbemalungen.

Besonders ältere Generationen an Jecken stören sich an heutigen Normen für politisch korrekte Sprache oder korrektes Benehmen. Das führt mitunter zu Fällen wie zuletzt in einer saarländischen Gemeinde. Dort hat sich nach einem Rassismus-Eklat mittlerweile der örtliche Bürgermeister für einen in der Kritik stehenden Verein eingesetzt.

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Rassismus-Vorwürfe gegen Karnevalsverein

Auf einer Einladung zur Kappensitzung des Vereins Narrekäpp Helau Mildau aus dem saarländischen Tholey war unter Informationen zu den Eckdaten und dem Programm der Karnevalsveranstaltung vermerkt: "Motto: Z ..., M ... und Winnetou". (Anmerkung der Redaktion: Wir haben die als rassistisch eingeordneten Worte bewusst nicht reproduziert, sondern durch drei Punkte nur angedeutet.) Das brachte dem Karnevalsverein große Kritik ein. Sowohl der Begriff für Sinti und Roma als auch der Begriff für Schaumkuss gelten wegen ihrer Geschichte als rassistisch.

Laut dem Zentralrat der Sinti und Roma ist "Z ..." eine abzulehnende Fremdbezeichnung, welche "mit rassistischen Zuschreibungen" verbunden ist. Ähnliches wird von vielen Personen der schwarzen Community über das M-Wort empfunden. Und Karl Mays Kultfigur Winnetou gilt unter Kritiker:innen als Stereotyp für Vorurteile des Westens gegenüber indigenen Völkern Nordamerikas – sogenannten "Indianern".

Laut Vereinsvorstand Peter Groß war das Motto für die Sitzung am 10. Februar nicht rassistisch gemeint. Gegenüber der "Saarbrücker Zeitung" betonte er die Weltoffenheit des Vereins: "Wir wollen genau das Gegenteil damit bezwecken. Niemand wird ausgeschlossen." Doch mittlerweile hat auch der Verein selbst eingesehen, dass die Formulierung auf der Einladung ein Fehlgriff war und das Plakat überarbeitet.

Das Design wurde leicht angeglichen und die kritisierten Formulierungen wurden durch den farbenfroh unterlegten Schriftzug "Motto: Bunte Vielfalt" ersetzt. Mitverantwortlich war dafür sogar der Bürgermeister.

Saarland: Bürgermeister nimmt Verein in Schutz

Tholeys Bürgermeister Andreas Maldener (CDU) meldete sich zuletzt über Instagram zu Wort. In einer Story schrieb er am Montag, dass er selbst die Änderung des Mottos beim Verein angeregt hatte. Vor allem nimmt Maldener die Verantwortlichen der Narrekäpp jedoch in Schutz:

"Ich kenne alle Verantwortlichen der Narrekäpp von vielen Begegnungen und weiß, dass niemand dort Rassismus oder menschenverachtende Gedanken teilt."
Auf Instagram verteidigte der Bürgermeister den Karnevalsverein.
Auf Instagram verteidigte der Bürgermeister den Karnevalsverein.bild: screenshot / instagram / andreasmaldener

Überprüfen lassen sich Maldeners Aussagen natürlich nicht. Für sein Urteil, dass der Verein weltoffen ist, spricht aber etwa, dass er während der Session 2015/16 ein schwules Prinzenpaar hatte – laut Peter Groß waren die Narrenkäpps damit "saarlandweit die Ersten".

Nach all dem Trubel hat der Verein nun für Mittwoch, den 7. Februar, einen klärenden Pressetermin angekündigt. Laut Saarbrücker Zeitung könnte dort auch Bürgermeister Maldener anwesend sein.

Milliardär-Chef zahlt seinen Angestellten 70.000 Euro pro Kind

Leider traurige Wahrheit: Unternehmen haben eigentlich eher weniger Interesse daran, dass ihre Angestellten Kinder bekommen. Denn Mütter und Väter sind dann eine Zeit lang nicht arbeitsfähig, in Elternzeit, Mutterschutz oder Vaterschaftsurlaub. Die Arbeitsrechte von Eltern sind in Deutschland und der EU glücklicherweise ein wohl geschütztes Gut. Doch die Arbeitgeber stellen sie vor Herausforderungen.

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