Ramona Hofmeister schied bei Olympia im Parallel-Riesenslalom in Peking im Viertelfinale aus.
Ramona Hofmeister schied bei Olympia im Parallel-Riesenslalom in Peking im Viertelfinale aus.Bild: www.imago-images.de / Gian Mattia D Alberto - LaPresse
Analyse

Trotz Viertelfinal-Aus – Lob von Weltmeisterin Selina Jörg: Ramona Hofmeister kann "beim Snowboarden noch einiges erreichen"

08.02.2022, 09:1408.02.2022, 12:55

Eigentlich wollte Ramona Hofmeister bei den Olympischen Winterspielen in Peking erneut eine Medaille holen. Jetzt schied sich im Parallel-Riesenslalom schon im Viertelfinale gegen die Österreicherin Daniela Ulbing aus. Die zweite Medaille nach Bronze 2018 in Pyeongchang ist damit nicht mehr möglich.

Die Enttäuschung danach war groß niedergeschlagen und mit Tränen in den Augen sagte sie im Interview bei der ARD: "Es war alles turbulent und nicht mein Tag, es hat einfach nicht gepasst. Es ist irgendwie alles sehr verrückt heute." Verrückt war es besonders, weil im Achtelfinale schon das Aus drohte. Hofmeister war gestürzt, weil sie Tomoka Takeuchi (Japan) ausweichen wollte, die in die Bahn von Hofmeister kam. Hofmeister stürzte und Takeuchi kam deshalb als erste über die Linie.

Die Japanerin wurde anschließend disqualifiziert. Hofmeister schied allerdings in der nächsten Runde aus, ohne ihren Medaillentraum zu erfüllen.

Dabei hatte Selina Jörg schon vor den Spielen Hofmeister eine Medaille zugetraut. Die Snowboard-Weltmeisterin von 2021 hatte schon vor dem Start von Olympia gegenüber watson gesagt: "Ramona ist für dieses Jahr eine der Mitfavoriten." Mit ihrer Einschätzung lag Jörg allerdings falsch.

Besondere Beziehung zu Hofmeister

Insgesamt dürfte sich Jörg für Hofmeister extrem freuen. Jörg ist zwar 2021 nach ihrem Weltmeistertitel zurückgetreten, hat aber dennoch eine enge Beziehung zu Hofmeister. "Weil wir so viele Erfolge gemeinsam feiern konnten und wir zusammen bei Olympia auf dem Podium standen. Das war etwas ganz Besonderes." 2018 holte Jörg in Pyeongchang die Silbermedaille, Hofmeister wurde Bronzegewinnerin.

Auch nach den Olympischen Spielen traut Jörg der erst 25-Jährigen Hofmeister einiges zu: "Eigentlich hat Ramona noch so viel Potenzial nach oben und so viel Zeit, um beim Snowboarden noch einiges zu erreichen." Gleichzeitig schränkt Jörg allerdings auch ein und betont die körperlichen Probleme, die Hofmeister immer wieder habe. Der Sport fördere die Knochen sehr. "Man muss sehen, wie ihr Körper alles wegsteckt", warnt sie.

Ramon Hofmeister (l.) und Selina Jörg bei den Olympischen Spielen 2018. Hofmeister bezeichnete Jörg mal als "große Schwester".
Ramon Hofmeister (l.) und Selina Jörg bei den Olympischen Spielen 2018. Hofmeister bezeichnete Jörg mal als "große Schwester".Bild: imago sportfotodienst / ZUMA Wire

Wenn der Körper durchhält, traut Jörg ihrer ehemaligen Kollegin allerdings eine besondere Rolle zu. Hofmeister könnte zu einer sportlichen Persönlichkeit werden, die dem alpinen Snowboard-Sport zu noch mehr Aufmerksamkeit verhelfen könnte. "Durch ihre konstant guten Leistungen ist es auch schon wieder ein bisschen mehr geworden und ich hoffe, dass der Trend anhält."

Denn gerade die alpinen Snowboard-Wettbewerbe gehen in Jörgs Wahrnehmung etwas unter, "weil die Freestyle-Wettbewerbe oft im Fokus stehen oder für die jungen Menschen cooler sind. Als ich angefangen habe, war das Medieninteresse bei den alpinen Wettbewerben noch viel, viel größer."

"Aus sportlicher Sicht zwickt es wirklich gar nicht mehr. Da habe ich komplett abgeschlossen."
Selina Jörg darüber, ob sie noch gerne an Wettkämpfen teilnehmen würde

Aktuell kämpfe man um mehr Fernsehzeiten. "Das ist schade, weil wir ja auch immer unsere Ergebnisse bringen und dennoch eine Randnotiz bleiben und wir nicht zu den Stammsportarten wie Skifahren oder Skispringen gehören."

Mit den Fernsehzeiten stehe und falle "alles". Beispielsweise auch die Sponsorensuche. Gerade auch deshalb wäre eine erfolgreiche Zukunft von Hofmeister für eine ganze Sportart enorm wichtig. Jörg verfolgt trotz ihres Rücktritts im vergangenen Jahr den Snowboard-Sport intensiv. Bereuen tut sie ihn allerdings nicht.

Mehr Freiheiten nach Rücktritt

"Aus sportlicher Sicht zwickt es wirklich gar nicht mehr. Da habe ich komplett abgeschlossen. Ich wäre aber manchmal einfach gerne bei dem Team dabei", lässt sie watson wissen. Das gemeinsame Reisen, die Unterhaltungen zwischen den Rennen und die gemeinsame Zeit würde sie noch vermissen.

Allerdings nicht den Aufwand, den der Leistungssport mit sich bringt. "Ich habe es lange genug gemacht und beim Wintersport bringt man ja nicht nur im Winter seine Leistung, sondern man opfert auch den ganzen Sommer, um Krafttraining zu machen. Das sehen die Zuschauer natürlich nicht."

Selina Jörg mit ihrer Silbermedaille von den Olympischen Spielen 2018.
Selina Jörg mit ihrer Silbermedaille von den Olympischen Spielen 2018.Bild: imago sportfotodienst / GEPA pictures

Gleichzeitig hätte sie seit ihrem Rücktritt einige Freiheiten gewonnen, da sie nicht unter Druck des Leistungssport stünde. "Ich konnte auf einmal Bergtouren machen, radeln und vor allem nicht mehr nach dem Trainingsplan trainieren. Das war ein tolles Gefühl." Dazu bekam sie auch Nachwuchs, brachte ihr erstes Kind zur Welt, was in der Zeit während des Leistungssport nicht möglich gewesen wäre.

Gegegebenheiten in Peking passen nicht

Aufgrund ihres Rücktritts 2021 ist Jörg zwar nicht bei Olympia in Peking dabei. Erfahrungen auf der Olympia-Piste hat sie dennoch schon gesammelt. "Wir waren vor drei Jahren schon am Hang, an dem die Olympia-Wettkämpfe stattfinden werden. Das wurde alles komplett aus dem Boden gestampft, vorher stand da nichts. Das ist ein Aspekt dieser fragwürdigen Sache, wenn man Winterspiele an einen Ort vergibt, bei dem die Gegebenheiten überhaupt nicht passen."

Durch die künstliche Beschneiung, die nötig ist, damit die Wettkämpfe in Peking stattfinden können, seien die Verhältnisse auf der Piste anders als sonst. Jörg bemängelt: "Es war viel Sand mit im Schnee, dadurch wurde man nicht schneller." Zusätzlich sei es auch ökologisch bedenklich, merkt sie an.

Insgesamt sieht Jörg die Vergabe an Peking kritisch, ist aber auch der Meinung, dass die Diskussionen nicht auf den Schultern der Sportler und Sportlerinnen ausgetragen werden sollten. "Sie haben mit der Vergabe nichts zu tun", verteidigt Jörg ihre Kollegen und Kolleginnen. Letztlich seien die Olympischen Spiele für die Sportler etwas Besonderes.

"Auf diesen Höhepunkt arbeitet man seine ganze Karriere hin", erinnert Jörg. Genauso, wie auch Ramona Hofmeister, die es nun nicht geschafft hat, diesen Höhepunkt erneut mit einer Medaille zu krönen. Aber bereits kurz nach dem Ausscheiden kündigte sie im ARD-Interview an: "Dann eben in vier Jahren wieder."

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