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Robert Lewandowski will den FC Bayern im Sommer unbedingt verlassen. Bild: Revierfoto / Revierfoto
Bundesliga

"Können machen, was sie wollen": Berater kritisiert Bayern-Provokationen von Robert Lewandowski

01.06.2022, 14:26

Robert Lewandowski hat keinen Bock mehr auf den FC Bayern. Das machte er auf der Pressekonferenz der polnischen Nationalmannschaft am Montag noch einmal mehr als deutlich.

"Meine Ära bei Bayern ist vorbei. Eine weitere gute Zusammenarbeit kann ich mir nicht vorstellen. Bayern ist ein seriöser Klub und ich hoffe, sie werden mich nicht behalten, nur weil sie es können."

Für Jürgen Knappenberger ist die ganze Situation nur noch ein "Kasperletheater". Er hat vor allem kein Verständnis für die Äußerungen des Polen. "Das ist ein unterirdisches Verhalten", sagt er im Gespräch mit watson. Er ist seit vielen Jahren Berater und Kommunikationsexperte und betreut zahlreiche aktuelle und ehemalige Bundesliga-Stars und Trainer wie Leipzig-Coach Domenico Tedesco über seine Agentur "Spirit Kommunikation".

"Die können machen, was sie wollen, wenn sie ein gewisses Niveau haben."
Spielerberater Jürgen Knappenberger zum Verhalten von Robert Lewandowski

Aktuell lassen der polnische Star und sein Berater Pini Zahavi keine Möglichkeit aus, um über Lewandowskis Abschied vom deutschen Rekordmeister zu sprechen und provokant zu betonen, wie schön es in Spanien sei. Selbst seine Frau Anna heizte die Gerüchte weiter an, als sie bei Instagram postete, dass sie Spanisch lerne. Schließlich buhlt seit Monaten der FC Barcelona um den 33-Jährigen. Auf der anderen Seite pochen die Münchner-Bosse auf den bis 2023 laufenden Vertrag.

Lewandowski Teil einer schlechten Entwicklung im Fußball

Eine Reaktion des FC Bayern auf die Lewandowski ließ natürlich nicht lang auf sich warten. "Warum Robert diesen Weg gewählt hat, kann ich Ihnen nicht sagen. Solche Äußerungen in der Öffentlichkeit bringen keinen weiter", kommentierte Vorstandsboss Oliver Kahn gegenüber Sport1. "Wertschätzung ist keine Einbahnstraße", fügte er hinzu.

Dem stimmt auch Berater und Kommunikationsexperte Knappenberger zu: "Er hätte seine Titel und persönliche Auszeichnungen auch nicht ohne den Verein gewonnen."

Bislang galt der Pole als absoluter Musterprofi, doch mittlerweile gehört es im europäischen Top-Fußball dazu, dass Spieler mit ihrem Verhalten selbstständig einen Wechsel erzwingen. Davon hat sich der Pole nun wohl auch anstecken lassen.

Dabei ärgert den erfahrenen Berater Knappenberger vor allem eine Sache: "Die Spieler haben keine Nachteile durch dieses Auftreten. Ihnen haftet dadurch kein Ruf an, durch den andere Vereine sagen: 'Den will ich nicht'. Die können machen, was sie wollen, wenn sie ein gewisses Niveau haben." Knappenberger befürchtet sogar, dass dieses Verhalten nun immer häufiger zu beobachten sein wird.

"Es ist eine neue Tonart, die salonfähig gemacht wird und das wird man nicht zurückdrehen können."

Lewandowski und die Probleme mit seinen Beratern

Auffällig ist vor allem, dass nicht nur sein aktueller Berater Pini Zahavi, der schon David Alabas Bayern-Abgang zu Real Madrid einfädelte und daraufhin von Ex-Präsident Uli Hoeneß als "geldgieriger Piranha" beschimpft wurde, sich ständig äußert.

Auch seine ehemaligen Berater Maik Barthel und Cezary Kucharski, die den Wechsel nach München forcierten, sagen ständig etwas zum Stürmerstar. Nachdem bekannt wurde, dass Lewandowski zum FC Barcelona will, schrieb Barthel bei Twitter: "Dein ganzes Leben willst du zu Real Madrid, um später vielleicht beim FC Barcelona zu landen? Ok".

Das zeigt für Knappenberger, dass sich Lewandowski mit Beratern umgab und umgibt, die "sich unglaublich wichtig nehmen und meinen, ständig was sagen zu müssen."

Insider kritisiert Phrase von "mangelnder Wertschätzung"

Aktuell muss der FC Bayern viel Kritik für seinen Umgang mit dem Polen einstecken. Das Verhalten des Stürmers stößt hingegen besonders bei Ex-Spielern wie zum Beispiel Franck Ribéry auf viel Verständnis.

Offiziell spricht die Lewandowski-Seite davon, dass er nochmal eine neue Herausforderung suche. Laut der "Bild"-Zeitung soll er sich jedoch nicht von den Bossen wertgeschätzt gefühlt haben. Zudem sei ihm das Interesse der Münchner an Dortmunds Erling Haaland sauer aufgestoßen.

"Ich finde es problematisch, wenn jeder zweite Spieler immer von mangelnder Wertschätzung spricht. Sie verdienen beim FC Bayern richtig gutes Geld, aber es gibt immer einen, der sich nicht wertgeschätzt fühlt, wenn er wegwill. Das ist wenig glaubhaft."

Zudem sei es ganz normal für einen Verein wie den FC Bayern, auch die Zeit nach dem 33-Jährigen im Auge zu haben. "Das sind kleine Ich-AGs und da denkt er nur an sich", kommentiert Knappenberger.

FC Bayern kann im Hickhack um Lewandowski nur verlieren

Schon lange hatte der FC Bayern keinen Spieler, der sich so ins sehr vom Klub loseisen wollte und das auch in aller Öffentlichkeit dauerhaft wiederholte.

So forderte Lewandowski am Montag klar: "Ein Transfer ist für alle Seiten die beste Lösung. Ich hoffe, sie stoppen mich dabei nicht."

Die Bayern-Bosse um Kahn, Sportvorstand Hasan Salihamidžić und Präsident Herbert Hainer machen jedoch immer wieder deutlich, dass Lewandowski seinen Vertrag in München bis zum 30. Juni 2023 erfüllen wird.

Doch durch die gegensätzlichen Aussagen des Star-Stürmers und des Vereins stecken die Münchner in einem Dilemma. "Entweder, sie lassen sich auf der Nase herumtanzen und er kann sich frei erpressen oder sie behalten einen Spieler, den sie zwar sportlich gebrauchen können, aber auf den sie menschlich keine Lust mehr haben."

WM 2022: Marokko wechselt nach Hymne den Torwart aus – Ausschreitungen in Brüssel nach der Partie

Einen solchen Wechsel sieht man selten. Yassine "Bono" Bounou, der Torhüter Marokkos, machte sich vor der Partie gegen Belgien warm, ging zurück in die Kabine, betrat mit seiner Mannschaft das Feld und stand zur Hymne auf dem Feld.

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