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Zum Rückrundenauftakt gewann der FC Bayern bei Hertha BSC und Jürgen Klinsmann souverän mit 4:0. Die Roten zeigten dabei aber auch altbekannte Probleme. Die betreffen vor allem das Spiel mit dem Ball.

Robert Lewandowski verzweifelt, Thomas Müller hadert: Gegen Hertha BSC lief trotz des klaren 4:0-Siegs noch nicht alles rund beim FC Bayern. Bild: imago images / Jan Huebner

Analyse

3 große Probleme: Was der FC Bayern gegen Schalke besser machen muss

Der FC Bayern gewann seinen Rückrundenauftakt bei Hertha BSC souverän mit 4:0, zeigte dabei aber auch altbekannte Probleme. Die betreffen vor allem das Spiel mit dem Ball. Für watson analysiert Justin Kraft vom größten deutschsprachigen Bayern-Blog "Miasanrot.de" die drei wichtigsten Baustellen, die bereits gegen Schalke geschlossen werden sollten.

justin kraft

Vier Tore, kein Gegentor, eine mehr als souveräne zweite Halbzeit – es scheint, als sei der FC Bayern hervorragend aus der Winterpause gekommen. Trainer Hansi Flick zeigte sich ebenfalls hoch zufrieden, bemängelte für den ersten Durchgang lediglich die fehlende Entschlossenheit.

Doch das dürfte nur eine Umschreibung der eigentlichen Baustellen gewesen sein, die am Samstagabend zum Bundesliga-Topspiel gegen den FC Schalke (18.30 Uhr/Sky) behoben werden müssen.

FC Bayern muss U-Form durch die Achter aufbrechen

In Berlin hatten die Bayern nämlich rund 50 Minuten lang Probleme damit, ein druckvolles Pass- und Ballbesitzspiel aufzuziehen. Der Ball wanderte stupide in einer U-Form über das Spielfeld, und dem Rekordmeister fehlte jede Idee, um das eigene Mittelfeld stärker einzubinden. Wenn mal etwas ging, dann über den starken Thiago.

Die Ursache dieser Probleme ist die häufig mangelhafte Einbindung der eigenen Achter. Gegnern gelingt es dadurch zu oft, das Mittelfeld der Münchner zuzustellen und ihnen damit den Zahn zu ziehen. Gegen Hertha standen hier vor allem Leon Goretzka und Philippe Coutinho in der Hauptverantwortung.

Sie verpassten es, die Zwischenlinienräume vernünftig zu besetzen und Verbindungen zu den Aufbauspielern herzustellen. Dadurch fehlten den Außenverteidigern Benjamin Pavard und Alphonso Davies meistens die Anspielstationen im Zentrum, wodurch der Ball vertikal die Linie entlanglief. Diese Pässe sind aber zu vorhersehbar und lassen sich von den meisten Bundesligisten einfach antizipieren und verteidigen. Diagonale Bälle ins Zentrum sind dagegen erheblich schwerer vorherzusehen.

In Berlin hatte der FC Bayern rund 50 Minuten lang Probleme damit, ein druckvolles Pass- und Ballbesitzspiel aufzuziehen. Der Ball wanderte stupide in einer U-Form über das Spielfeld, und dem Rekordmeister fehlte jede Idee, um das eigene Mittelfeld stärker einzubinden. Wenn mal etwas ging, dann über den starken Thiago.

Den Bayern fehlten die Verbindungen ins Zentrum, wo Coutinho und Goretzka zu wenig Präsenz zeigten. Deshalb spielten sie häufig in einer U-Form, ohne aber Druck nach vorn zu entwickeln. Bild: miasanrot

Ob dieses Problem nun taktischer Natur ist, oder ob Coutinho und Goretzka als Spielertypen einfach Probleme mit dem Spiel der Bayern haben, bleibt weiterhin offen. Fakt ist aber, dass der amtierende Meister aktive und gut eingebundene Achter benötigt – gerade ohne Serge Gnabry und Kingsley Coman.

Bayern braucht mehr Variation im Angriffsspiel

Eine schwerwiegende Folge, die aus der Problematik resultiert, dass Coutinho und Goretzka lange kaum präsent waren: Die Bayern haben gegen Hertha insgesamt 38 Flanken geschlagen, 23 davon in den ersten 50 Minuten. Gerade gegen die Berliner schienen vor allem jene Flanken Sinn zu ergeben, die Ivan Perisic am zweiten Pfosten ins Duell mit Lukas Klünter schickten. Der Kroate gewann jedes seiner Duelle in der Luft mit dem Herthaner, erzielte so sogar ein Tor selbst und bereitete ein weiteres vor.

Doch gerade in der ersten Halbzeit waren es zu viele Flanken, die auf gut Glück in den Strafraum geholzt wurden. Meist resultierten sie eher aus Drucksituationen, weil es keine andere Option mehr gab. Auf Dauer ist dieses Mittel zu wenig, um wirklich Gefahr auszustrahlen.

Der zweite Durchgang deutete aber an, dass die Mannschaft mehr kann. Mit einem dann aktiveren Coutinho zeigten die Bayern mehr Flexibilität im Angriff. Die U-Form wurde mehrfach mit diagonalen Pässen und Seitenverlagerungen durchbrochen, und im Angriff gab es mehrere sehenswerte Kombinationen zu bestaunen.

Vor allem mit

Robert Lewandowski (l.) jubelt über seinen Treffer zum 2:0 in Berlin mit Philippe Coutinho. Bild: imago images / photoarena/Eisenhuth

Vor allem mit "Steil-Klatsch-Spielzügen" setzten die Bayern dann mal andere Akzente. Ein Beispiel: Boateng spielt einen Pass zu Lewandowski, der mit dem Rücken zur gegnerischen Abwehr steht. Er lässt den Ball klatschen, legt ihn also in den Zwischenraum vor sich ab, wo Coutinho steht und das Spiel anschließend vor sich hat. Das erspart eine aufwendige Drehung und bringt der Mannschaft einen schnellen Raumgewinn mit guten Anschlussoptionen.

Oft gelangen den Bayern solche Szenen auch in kleineren Räumen, wenn beispielsweise Coutinho den ersten Pass auf Lewandowski spielte und gleich weiter startete, um den Rückpass mit dann mehr Raum zu empfangen.

Konterabsicherung des FC Bayern

Was auch eine perfekte Überleitung zur dritten großen Baustelle der Bayern ist: Die Absicherung des eigenen Offensivspiels. Da die Münchener Mannschaft noch Schwächen im eigenen Positionsspiel hat, kommt es hin und wieder zu unnötigen und leichtfertigen Ballverlusten.

So verlor David Alaba in der 35. Spielminute ohne Not den Ball, als er das Spiel diagonal durch die Mitte eröffnen wollte. Hertha fing den Pass an der Mittellinie ab, verpasste es aber, aus dieser Gelegenheit mehr zu machen. Das lag größtenteils daran, dass die Berliner nicht mutig genug nach vorn spielten. Nach Ballgewinnen kamen selten mehr als drei oder vier Blaue über die Mittellinie und so reichte die Restverteidigung der Bayern aus, um die Angriffe abzufangen.

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Alle Augen auf Hansi Flick: Mit dem FC Schalke wartet der erste größere Gradmesser im Jahr 2020. Bild: imago images / Sven Simon

Die hohe Positionierung der Spieler verlangt ein vorausschauendes Denken aller Beteiligten. Verliert ein Bayernspieler den Ball, müssen alle anderen schnell reagieren können. Auch dafür ist das eigene Positionsspiel so wichtig. Kommen die Bayern nicht gut ins Gegenpressing, ergeben sich automatisch Räume für den Gegner.

Hertha konnte diese nicht nutzen. Aber Schalke wird umso mehr darauf lauern. Und so könnte das Duell mit den Königsblauen der erste größere Gradmesser im Jahr 2020 für den FC Bayern werden. Unter Trainer David Wagner verteidigt die Mannschaft aggressiv, aber gleichzeitig kompakt. Insbesondere bei Kontern sind die Schalker viel gefährlicher und mutiger als Hertha es am vergangenen Wochenende war. Mit fünf Toren aus Umschaltsituation stehen sie hinter Leipzig (sechs) auf dem zweiten Platz der Bundesliga.

Was gegen Schalke für den FC Bayern wichtig wird:

Für Hansi Flick und seine Zukunft in München wird es wichtig sein, dass die Mannschaft sich ab jetzt fußballerisch weiterentwickelt. Die ersten Schritte unter dem Interimscoach waren vielversprechend. Es ist wieder ein klares Ziel im Spiel der Bayern zu erkennen. Um es zu erreichen, muss die Wegbeschreibung aber um einige Details ergänzt werden.

Vor allen Dingen, das Spiel mit dem Ball weiter zu stabilisieren und die beschriebene U-Form nachhaltig aufzubrechen. Flanken sind hin und wieder ein probates Mittel, um schnell in den Strafraum des Gegners zu kommen. Auf Dauer wird das allein aber nicht reichen. Flick – und vor allem auch die Spieler – müssen hier Handlungsalternativen entwickeln. Gerade die zweite Halbzeit in Berlin zeigte einige Ansätze, auf die der FC Bayern aufbauen kann. Schaffen es die Münchner, ihr Ballbesitz- und Positionsspiel zu verbessern, wird auch die dritte Baustelle bald geschlossen sein: Die Konterabsicherung.

(bn)

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