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Analyse

4 Gründe, warum Draxler in der Startelf ein Fehler ist

17.06.2018, 13:5317.06.2018, 14:11
Dominik Sliskovic
Dominik Sliskovic
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"Soviel kann ich schon sagen, Julian wird von Anfang an spielen"

Das sagte Bundestrainer Jogi Löw vor dem ersten deutschen Gruppenspiel gegen Mexiko.

Mit Julian ist Julian Draxler gemeint, 24-jähriger Mittelfeldspieler vom französischen Meister Paris Saint-Germain – und seit Jahren einer der größten deutschen Hoffnungsträger des deutschen Fußballs. Im vergangenen Sommer führte er das B-Team des DFB als Kapitän zum Confed-Cup-Triumph und wurde bei der WM-Generalprobe zum Spieler des Turniers ausgezeichnet.

Scheinbar imponierte seine Leistung insbesondere Jogi Löw, der sich kurz vorm deutschen WM-Start zu für ihn unüblichen Lobeshymnen hinreißen ließ:

Er kann Entscheidendes bei dieser WM beisteuern, er kann unserer Mannschaft was geben. Darauf setze ich."
Jogi Löw
("zdf"/"kicker")
Draxler ist ein Liebling des Bundestrainers
Draxler ist ein Liebling des Bundestrainers
Bild: nordphoto/imago

Auch Kevin Kuranyi, der für die ARD als WM-Experte tätig ist, ist voll des Lobs für Draxler, auch wenn er dessen Profidebüt 2011 durch seinen Wechsel nach Russland 2010 knapp verpasste:

"Draxler kann der Star der WM werden."
Kevin Kuranyi

Doch es gibt mehr als nur einen Grund, Löws Draxler-Faible kritisch zu betrachten. Wir schlüsseln gleich vier davon auf und erklären, warum es ein Fehler ist, mit ihm auf Linksaußen zu starten.

Reus und Özil sind einfach besser

Draxler fehlen einige Prozentpunkte zum Niveau eines fitten Reus' oder Özils.

Dortmunds Kapitän sticht den Ex-Schalker mit seiner überragenden Spielintelligenz aus. Reus antizipiert wie kaum ein Spieler Laufwege von Freund und Feind, positioniert sich auf dem Flügel stets so, dass er anspielbar ist und sich durch kurze Sprints in die Offensive einbinden kann. Draxlers Fähigkeiten im Spielverständnis sind im Vergleich zum BVB-Stars beschränkt: Draxler verruht zu oft positionsgetreu und verbraucht deshalb in Umschaltmomenten zu viel Energie, um wieder den Anschluss ans Match zu kriegen.

Özils große Stärke ist seine Übersicht – an die der Kurzpassspieler Draxler nicht anknüpfen kann. 

Draxler versucht sich zu oft, mit dem Kopf durch die Wand aus brenzligen Situationen zu retten. Zwar ist der PSG-Profi ein feiner Dribbler, doch Übersteiger können nicht das Patentrezept sein, um sich aus Defensivklammern zu lösen. Ganz verstehen will Draxler das scheinbar jedoch noch nicht.

Draxler ist kein Teamplayer im eigentlichen Sinne

Er könne der Mannschaft etwas geben, ist sich Löw also sicher. Was genau er ihr geben kann, kann der Bundestrainer jedoch nicht so recht artikulieren – wohl auch, weil Draxler bisher nirgends als Malocher im Dienste der Mannschaft aufgefallen ist. Schalke-Fans, die den fußballerischen Kampf wie keine anderen Anhänger Deutschlands von ihren Kickern einforden, schauten über Draxlers Schwäche noch hinweg, weil er in der chaotischen Post-Magath-Phase mit seinem unbestreitbaren Talent oft genug den Unterschied zugunsten der Königsblauen machte. 

Anders sah das schon in Wolfsburg aus: Draxler kam in eine funktionierende Mannschaft, die nach Pokalsieg und Champions-League-Einzug große Träume hatte – Draxler sollte den Platz des zu Manchester City abgewanderten Zulieferers und Vorbereiters Kevin de Bruyne ausfüllen. 

Julian Draxler hat vor allem seine eigene Karriere im Blick
Julian Draxler hat vor allem seine eigene Karriere im Blick
Bild: revierfoto/imago

Doch wo der stille, nahezu phlegmatisch wirkende de Bruyne den Teamerfolg immer über die eigenen Lorbeeren stellte, ging es Draxler in Wolfsburg vor allem darum, seine eigene Karriere wieder in gefestigte Bahnen zu lenken. Das Etikett des dem Druck nicht standhaltenden Jahrhunderttalent sollte abgelegt werden, der Welt bewiesen werden, dass er ein Star ist.

Ähnlich dürfte Draxler an die WM in Russland herangehen. In Paris wird er hinter Neymar und Mbappe unter "ferner liefen" gelistet, das DFB-Team ist sein großes Schaufenster. Doch in einer Mannschaft, die als solche auftritt und deren Stärke der Zusammenhalt ist, kann ein um seine eigene Reputation besorgter Möchtegern-Star wie Draxler ein Problem für diese Gemeinschaft sein.

Auch wenn er es selber anders sieht – Draxler fehlt es an Spielpraxis

Draxler verwehrt sich immer wieder trotzig gegen den Vorwurf, bei PSG ein besserer Bankdrücker zu sein. Er habe mehr als 40 Spiele in der abgelaufenen Saison gemacht, betont der gebürtige Gladbecker erst kürzlich bei einer DFB-Pressekonferenz. Dass er bei den wichtigsten Partien der Saison, den Champions-League-Achtelfinals gegen Real Madrid und dem Pokalfinale gegen den Drittligisten Les Herbiers nicht berücksichtigt wurde, blendet Draxler gekonnt aus. 

Draxler sitzt neben Trapp.
Draxler sitzt neben Trapp.
imago

Darüber hinaus durfte er in der französischen Ligue 1, die PSG in der abgelaufenen Saison wieder einmal dominierte, nur sechs Mal über die volle Distanz spielen. Abgesehen vom lange verletzten Marco Reus haben alle Spieler, mit denen Draxler auf Linksaußen konkurriert, in dieser Kategorie bessere Werte vorzuweisen. Doch selbst ein Reus wusste seine Zeit auf dem Platz besser zu nutzen als der Confed-Cup-Sieger: In nur elf Spielen netzte er starke sieben Mal ein.

Draxlers Ego kann zum Problem werden

"Ich war fest davon überzeugt, dass ich mit zur WM fahre."
Julian Draxler

Eine gewagte Aussage von einem, der mit Englands Young Player Of The Year, Leroy Sané, einen extrem starken, direkten Konkurrenten hatte, der auf mehr als 30 Torbeteiligungen in der abgelaufenen Saison blickt. Man kann Draxler das als Selbstbewusstsein und Glauben in sein eigenes Können auslegen – oder als Hybris.

Denn Draxler hat noch nirgends die in ihn gesteckten Erwartungen erfüllt: weder auf Schalke noch im Parc des Princes. Vielmehr brach er unter dem Druck zusammen und rückte sich selbst in die Opferrolle, wenn er sagte, auf Schalke habe man von ihm erwartet, Spiele im Alleingang zu entscheiden. ("Westfälische Rundschau")

Die Frage lautet: Warum sollte er in Russland nun damit beginnen, den Erwartungen gerecht zu werden?

Draxler scheint momentan mehr damit beschäftigt zu sein, sich eine Marke zu schaffen, die mit CR7 und NJR10 konkurrieren kann: Fotoshoots für die russische Vogue, Werbekampagnen für Herrenausstatter und absurde Interviews mit Klatschblättern, in denen er davon spricht, dass Parfüm auf seinem Trikot ihm "Glücksgefühle" gebe, er bis kurz vor Anpfiff sich die Zeit im Gruppenchat mit seinen Kumpels vertreibe und er froh sei, dass es im Mannschaftshotel Einzelzimmer gibt. ("ok!")

Draxler ist ein Fußballer, der immer den Weg des geringsten Widerstands geht. Und wenn ihm jemand oder etwas querkommt, keilt er zurück, um seine eigene Haut zu retten.

Als Wolfsburgs damaliger Trainer Dieter Hecking ihn zu Zusatzeinheiten verdonnerte, weil seine Fitness nach dem Weihnachtsurlaub 2015/2016 zu wünschen ließ, schob Draxler die Schuld indirekt auf seinen Ex-Arbeitgeber: Auf Schalke habe man es mit Trainingssteuerung und dem dazugehörigen Ein- und Auslaufen nicht so genau genommen. Eine eigene Schuld an seinem Zustand blockte Draxler mit dem Hinweis ab, er sei ja schließlich nicht faul. ("Kicker"/"Dorstener Zeitung")

Sollte er im Spiel gegen Mexiko die in ihn gesteckten Erwartungen nicht erfüllen können, darf man sich also auf eine neue Folge "Herauswinden und -reden – mit Julian Draxler" einstellen. 

Wie findet ihr es, dass Julian Draxler gegen Mexiko in der Startelf steht?

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