Manuel Neuer auf der Pressekonferenz am Mittwoch in Düsseldorf.
Manuel Neuer auf der Pressekonferenz am Mittwoch in Düsseldorf.Bild: imago images/Revierfoto
Analyse

Manuel Neuer deutet mit einem Satz an, wie wichtig Klub fürs DFB-Team ist

14.11.2019, 07:3714.11.2019, 07:39

Die zwei letzten EM-Qualifikationsspiele stehen an. Die deutsche Nationalmannschaft tritt gegen Weißrussland und Nordirland an. Mit zwei Siegen wäre die Qualifikation für das Turnier im kommenden Jahr gesichert. Am Mittwoch stellten sich Oliver Bierhoff, Leon Goretzka und Kapitän Manuel Neuer auf der Pressekonferenz des DFB-Teams in Düsseldorf den Fragen der Journalisten.

Vor allem ein paar Aussagen von der Nummer eins im Kasten, Manuel Neuer, ließen aufhorchen. Was der 33-jährige Profi vom FC Bayern auf der PK sagte, machte deutlich: Er ist Meinungsführer und wichtiger Stratege der Nationalelf, vor allem, was die EM 2020 betrifft.

Neuer bezieht Stellung, wenn es nicht läuft

Vor dem Kovac-Aus beim FC Bayern war Neuer einer der wenigen Profis, der öffentlich immer mal wieder den Spielstil des Rekordmeisters kritisierte: "Das war nicht das, was man vom FC Bayern erwarten kann. Das war enttäuschend und traurig", sagte der Kapitän nach dem Pokalspiel gegen Bochum, dem vorletzten Auftritt von Kovac. Darauf angesprochen, ob er seinen Kommunikationsstil verändert habe, erklärte Neuer am Mittwoch: "Ich spreche momentan nicht kritischer, ich habe mich immer schon gestellt. Ich beziehe immer Stellung – im positiven und im negativen Fall. Ich habe nichts verändert."

Der Nationaltorwart ließ mit dieser Aussage durchscheinen, dass er Verantwortung übernimmt und vorneweg geht, wenn es im Team nicht läuft – und das auch schon immer tat. Auch wenn dafür manchmal der unbequeme Gang an die Öffentlichkeit und auch Kritik an Mitspielern nötig ist.

Neuer erinnert bei den Bayern und der Nationalmannschaft immer mehr an Ex-Kapitän Philipp Lahm, der sich mit seinen öffentlichen, kritischen Analysen ebenfalls nicht immer Freunde an der Säbener Straße und im DFB-Team machte.

Neuer lässt auch durchscheinen: Er ist ein Stratege

Neuer schwärmte anschließend von Bayern Interimstrainer Hansi Flick, der nach zwei Siegen in zwei Spielen vorerst im Amt bleiben darf. Neuer ließ durchscheinen, dass er von Flick als Bayern-Trainer überzeugt ist. Zudem offenbarte Neuer, dass er schon weit in die EM-Zukunft schaut und in Flick als Bayern-Coach auch Vorteile für die Nationalmannschaft erkennt: "Der Austausch zwischen Hansi Flick und Jogi Löw wird natürlich sehr gut sein, davon gehe ich aus." Flick war von 2006 bis 2014 Assistent von Bundestrainer Löw, stand ihm in 111 Länderspielen als Co-Trainer beiseite.

Damals Kollegen bei der Nationalmannschaft: Hansi Flick (l.) und Jogi Löw.
Damals Kollegen bei der Nationalmannschaft: Hansi Flick (l.) und Jogi Löw.Bild: imago/Jan Huebner/hufnagel

Außerdem sagte Neuer: "Es waren in den vergangenen beiden Spielen sehr viele deutsche Spieler bei Bayern auf dem Platz, das ähnelt dem deutschen Fußball etwas mehr." Neuer weiß offenbar ganz genau, wie wichtig, die zuletzt eigentlich nicht vorhandene Münchener Achse im DFB-Team ist. Beim WM-Sieg 2014 standen im Finale gegen Argentinien fünf Bayern-Spieler im Finale auf dem Platz, bildeten von Torwart Neuer über Jérôme Boateng und Philipp Lahm in der Abwehr sowie Bastian Schweinsteiger im Zentrum bis in die Offensive um Thomas Müller einen eingespielten Bayern-Block. Das FCB-Quintett hatte im Vorjahr bereits gemeinsam das Triple geholt.

Im vergangenen EM-Qualispiel gegen Estland im Oktober standen mit Neuer, Niklas Süle und Joshua Kimmich lediglich drei FCB-Stars in der Startelf der Nationalmannschaft. Es scheint so, als wisse Neuer, an welchen Stellschrauben die derzeit eher mittelmäßig auftretende Nationalelf drehen muss, damit sie wenigstens ein kleines Wörtchen um den EM-Titel mitreden kann. Wenn der Bayern-Block in Form, eingespielt und erfolgreich ist, hilft das auch immer der Nationalmannschaft.

Lahm (l.) und Schweinsteiger mit Henkelpott: Erfolgreiche Bayern = Erfolgreiche Nationalmannschaft.
Lahm (l.) und Schweinsteiger mit Henkelpott: Erfolgreiche Bayern = Erfolgreiche Nationalmannschaft.Bild: imago images/Sven Simon

Die Kombination aus Bayern-Trainer Flick und Bundestrainer Löw scheint Neuer zu gefallen. Der zuletzt in der Öffentlichkeit von Fans und Experten angezählte Neuer – viele wollen, dass er endlich seinen Platz zugunsten Marc-André ter Stegen räumt – zeigte auf der Pressekonferenz in Düsseldorf, wie wichtig er als erfahrener Führungsspieler auf und neben dem Platz immer noch ist. Sein Wort hat Gewicht.

Ob er selbst spielt, wusste er allerdings noch nicht: "Ich hatte noch keinen Austausch mit dem Bundestrainer deswegen. Ich bereite mich aber so vor, dass ich in beiden Partien spielen werde."

(as)

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