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FC Bayern: So gut lief die erste Transferphase von Christoph Freund beim FCB

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Christoph Freund (r.) holte in diesem Winter unter anderem Eric Dier zum FC Bayern.Bild: dpa / Christian Kunz
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FC Bayern: So gut lief Christoph Freunds erste Transferperiode in München

02.02.2024, 12:3402.02.2024, 12:35
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Als die Uhren am Donnerstagabend auf 18 Uhr sprangen, dürften Christoph Freund und Thomas Tuchel erstmal kräftig durchgeatmet haben. Das Wintertransferfenster war in Deutschland offiziell geschlossen, die für Klubverantwortliche womöglich nervigste Zeit des Jahres endlich vorbei.

Gerade rund um den FC Bayern kursieren zu Jahresbeginn immer besonders viele Gerüchte, mit denen Sportdirektor und Trainer tagein, tagaus konfrontiert werden. Seit dem 1. Februar dominieren nun Tatsachen über Spekulationen. Die Antworten müssen jetzt wieder primär die Spieler auf dem Platz geben.

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Bevor es wieder ums rein Sportliche geht, lohnt sich aber ein Blick zurück. Der Januar war für die Bayern schließlich nicht nur wegen der anhaltenden Gerüchte speziell, sondern auch aufgrund der internen Zuständigkeiten. Max Eberl ist zwar als designierter Sportvorstand noch nicht da, im Vergleich zum vergangenen Sommer gab es aber dennoch eine große Veränderung.

Vor einem halben Jahr noch formierte sich ob des Ausscheidens des damaligen Sportvorstands Hasan Salihamidžić eine Transfer-Taskforce. Uli Hoeneß, Karl-Heinz Rummenigge, Vorstandschef Jan-Christian Dreesen, Präsident Herbert Hainer, Tuchel, der damalige Technische Direktor Marco Neppe und Finanzvorstand Michael Diederich gehörten dem siebenköpfigen Gremium an. Im Januar war nun Freund federführend für die Transfers.

Der Österreicher ist seit September FCB-Sportdirektor und war gleich in seiner ersten Transferperiode mächtig gefordert. "Es ist ein guter Kader, aber auf manchen Positionen ein bisschen mutig", hatte sich Tuchel schon im September über die Zusammenstellung seines Teams öffentlich beschwert.

Christoph Freund und Thomas Tuchel waren sich schnell einig

Dass der Übungsleiter mit dieser drastischen Ansage recht hat, realisierten die Bayern-Bosse im Laufe der Hinrunde. Spätestens als Leon Goretzka aufgrund diverser Ausfälle in der Innenverteidigung aushelfen musste und eine Rückkehr von Jérôme Boateng zur Debatte stand, war die Problematik nicht mehr zu übersehen.

Freund positionierte sich dabei schon frühzeitig als Unterstützer Tuchels, über die konkreten Baustellen bestand entsprechend schnell Einigkeit: Im Winter sollte die Defensive gestärkt werden. Entweder mit einem Allrounder, der rechts und innen verteidigen kann, oder mit zwei Spezialisten für jene beiden Rollen.

12.11.2023, Bayern, München: Fußball: Bundesliga, Jahreshauptversammlung des FC Bayern München. Trainer Thomas Tuchel (l) und Sportdirektor Christoph Freund verfolgen die Jahreshauptversammlung. Foto: ...
Thomas Tuchel (l.) und Christoph Freund waren sich schnell einig, auf welchen Positionen sie nachlegen wollen.Bild: dpa / Angelika Warmuth

Ein Selbstläufer sollte die Wintertransferperiode dennoch nicht werden, zu unvorhersehbar, zu kostspielig ist der Markt im Januar. So galt Ronald Araújo als Wunschkandidat, mit einer festgeschriebenen Ablösesumme von einer Milliarde Euro war er aber deutlich zu teuer. Nordi Mukiele und Kieran Trippier wären deutlich günstiger gewesen.

Der Franzose erhielt von PSG aber keine Freigabe, weil die Pariser selbst keinen Ersatzmann bekamen. Mit dem Engländer wiederum war sich der FC Bayern einig, mit dessen Klub Newcastle hingegen nicht.

Sacha Boey soll dem FC Bayern mit seiner Energie weiterhelfen

Überzeugt war Freund dafür umso mehr von Sacha Boey. 30 Millionen Euro überwiesen die Münchener für den 23-jährigen Rechtsverteidiger an Galatasaray Istanbul. "Er hat sich in den letzten Jahren sehr gut entwickelt, sprüht vor Energie und ist sehr zweikampfstark", schwärmte Freund bei der Präsentation des Neuzugangs.

"Er ist auf jeden Fall eine Verstärkung", legte sich Lothar Matthäus bei Sky fest und hob dabei Boeys "Energie, Offensivgeist, Geschwindigkeit, Bissigkeit und Überzeugung" hervor: "Er tut Bayern gut. Obwohl man sehr viel Geld hingelegt hat für einen Spieler von Galatasaray Istanbul, ist es ein Transfer, der für mich Sinn ergibt."

30.01.2024, Bayern, M�nchen: Fu�ball: �ffentliches Training FC Bayern M�nchen auf dem Trainingsgel�nde an der S�bener Stra�e. Bayern M�nchens Neuzugang Sacha Boey (r) macht nach dem Training Fotos mit ...
Sacha Boey (r.) ist schon jetzt bei den Fans des FC Bayern beliebt.Bild: dpa / Sven Hoppe

Anders als etwa der 33-jährige Trippier verspricht der Franzose nun mehr Perspektive. Gerade offensiv und beim Vorwärtsverteidigen bringt Boey die Anlagen mit, um für den FC Bayern eine langfristige Lösung zu werden. Dazu passt auch sein eigener Anspruch: "Ich will so gut wie Philipp Lahm werden."

Eine solche Entwicklung ist bei Eric Dier nicht mehr zu erwarten. Der FCB hat den 30-Jährigen bis zum Sommer von den Tottenham Hotspur ausgeliehen, besitzt zudem eine Kaufoption.

Eric Dier überzeugt mit Erfahrung und Leaderqualitäten

In Anbetracht der gehandelten Alternativen – Araújo, Fikayo Tomori oder Giorgio Scalvini – mag der Engländer etwas bieder erscheinen, bei den Spurs spielte er in den vergangenen Monaten schließlich fast keine Rolle mehr. Aus FCB-Sicht aber ergibt der Deal Sinn.

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Eric Dier (l.) hat bereits beim FC Bayern debütiert.Bild: IMAGO images / Eibner

Denn die Münchener haben kurzfristig vor allem einen Spieler gesucht, der dank seiner Erfahrung direkt weiterhelfen kann, ohne Murren aber auch auf der Bank Platz nimmt. Dort dürfte Dier spätestens nach Min-jae Kims Rückkehr von der Asienmeisterschaft wieder landen.

Ob der Routinier nun draußen sitzt oder auf dem Rasen steht, als Leader kann er dem Team in jedem Fall weiterhelfen. Dier hat schon bei den Spurs, aber auch bei der englischen Nationalmannschaft die Binde am Arm getragen. Er kann vorangehen, weiß aber auch um die Bedeutung vermeintlich kleinerer Rollen für den Erfolg als Mannschaft.

Bryan Zaragoza schließt die Coman-Lücke

Leichte Fragezeichen gibt es indes um Bryan Zaragoza, der bis dato nur für Granada gespielt hat. Ab dem Sommer sollte er eigentlich vorsichtig an die deutlich größeren Erwartungen beim FC Bayern herangeführt werden, die schwere Verletzung von Kingsley Coman machte diesen Plan nun aber kurzfristig zunichte.

Freund musste reagieren und tat dies blitzschnell, indem er mit Granada eine Leihe für die Rückrunde aushandelte. Knapp 17 Millionen Euro kostet der Wirbelwind damit insgesamt. Eine günstigere Option dürfte in der Kürze der Zeit nicht mehr verfügbar gewesen sein. Grundsätzlich bringt der dribbelstarke 22-Jährige zudem die Anlagen mit, um den Bayern nachhaltig weiterzuhelfen.

"Ich wechsle zum FC Bayern, um hier in einem der größten Klubs der Welt weiterzuwachsen", erklärte Zaragoza seinen Wechsel. "Dass das jetzt gelungen ist, hat ganz viel mit dem Namen Christoph Freund zu tun", nutzte Vorstandschef Dreesen indes die Wechselverkündung, um den Sportdirektor zu loben: "Er hat einen super Job gemacht."

Das lässt sich sogar auf die komplette Wintertransferperiode ausweiten. Freund ist die gemeinsam mit Tuchel ausgemachten Baustellen effektiv angegangen. Dier und Boey verleihen der Defensive mehr Tiefe, bringen einen guten Mix aus Perspektive und Sofortverstärkung mit.

Beide sorgen zudem für eine Entspannung der Lage im Mittelfeldzentrum. So müssen Joshua Kimmich, Goretzka, Konrad Laimer und Raphaël Guerreiro nicht mehr regelmäßig eine Position nach hinten rutschen. Zugleich erscheint es sinnvoll, Eigengewächs Aleksandar Pavlović keinen weiteren Sechser vor die Nase gestellt zu haben, zu überzeugend waren seine bisherigen Auftritte.

Sogar Didi Hamann lobt Christoph Freunds Arbeit beim FC Bayern

Mit dem vorgezogenen Transfer von Zaragoza hat Freund zudem blitzschnell auf ein sich anbahnendes Problem in der Offensive reagiert. Die Verpflichtung von Perspektivspieler Kusi-Asare rundet den positiven Gesamteindruck ab. Der 46-Jährige hat sich damit einen kräftigen Schulterklopfer verdient.

Selbst vom sonst so kritischen Didi Hamann. "Im Winter ist es immer unglaublich schwer, einen Topspieler zu bekommen. Mit dem Transferfenster, auch wenn es etwas teuer war, können die Bayern, glaube ich, ganz gut leben", sagte er bei Sky.

Ausruhen darf sich Freund auf diesen ersten, zarten Lorbeeren allerdings nicht. 2025 laufen unter anderem die Verträge von Kimmich, Leroy Sané und Alphonso Davies aus, der Klub muss in allen drei Fällen bis zum Sommer Entscheidungen fällen und sich gegebenenfalls um Nachfolger bemühen. Der Österreicher dürfte dann aber nicht mehr auf sich alleine gestellt sein, sondern im Gespann mit Eberl agieren.

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