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Bundestrainer-Suche beim DFB: Wer die großen Verlierer des Nagelsmann-Deals sind

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Julian Nagelsmann soll die deutsche Nationalmannschaft bei der EM 2024 betreuen.Bild: IMAGO / MIS
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Bundestrainer-Suche: Der Nagelsmann-Deal hätte zwei Verlierer

19.09.2023, 15:53
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Tagelang beschäftigte ganz Fußball-Deutschland die Frage, wer denn nach dem Aus von Hansi Flick neuer Bundestrainer wird. Jürgen Klopp, Louis van Gaal, Oliver Glasner – es schwirrten zahlreiche Namen durch die Medienlandschaft. Laut "Bild" wird es nun aber der Mann, der von Anfang an als wahrscheinlichste Lösung galt: Julian Nagelsmann.

Eine Einigung sei am Dienstag erzielt worden, der 36-Jährige komme demnach ablösefrei vom FC Bayern, wo er nach seiner Beurlaubung im März noch einen Vertrag bis 2026 besessen hatte. Der DFB zahlt demnach ein stolzes Monatsgehalt in Höhe von 400.000 Euro, Nagelsmann soll bis zum Sommer 2024 unterschreiben.

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Der Verband hat die Meldung noch nicht bestätigt, es dürfte aber lediglich eine Frage der Zeit sein. Schon vor der offiziellen Verkündung ist indes klar, dass dieser Deal lediglich einen klaren Gewinner mit sich bringt.

Bundestrainer Nagelsmann: Bayern würde dank DFB Mega-Summe sparen

Gemeint ist damit weder der neue Bundestrainer Nagelsmann noch der DFB. Die Rede ist vom FC Bayern, der seinen ehemaligen Übungsleiter deutlich schneller als erwartet von der Gehaltsliste bekommt. Bis zum ursprünglichen Vertragsende hätte Nagelsmann die Bayern andernfalls noch bis zu 20 Millionen Euro gekostet.

Diese stolze Summe sparen sich die Münchener nun – und halten den Schaden, der rund um die Nagelsmann-Entlassung im März entstanden war, damit zumindest finanziell einigermaßen im Rahmen. Neben dem fürstlichen Gehalt hatte der Rekordmeister schließlich auch eine beträchtliche Ablösesumme in Höhe von rund 25 Millionen Euro für den Coach bezahlt.

GER, DFB, FC Bayern Muenchen vs. VfB Stuttgart / 08.05.2022, Allianz Arena, Muenchen, GER, DFB, FC Bayern Muenchen vs. VfB Stuttgart , im Bild Hasan Salihamidzic Sportvorstand FCB mit Julian Nagelsman ...
Mit dem FC Bayern gewann Julian Nagelsmann eine deutsche Meisterschaft, in seiner zweiten Saison wurde er dann aber entlassen.Bild: IMAGO / nordphoto GmbH

Der 36-Jährige selbst würde sich mit der Vertragsunterzeichnung beim DFB allerdings in eine ungewisse Aufgabe stürzen. Seit über fünf Jahren liest sich der Kader der deutschen Nationalmannschaft stets deutlich besser, als die Leistungen tatsächlich sind. Weder Joachim Löw noch Hansi Flick fanden den richtigen Zugang, um das Team nachhaltig zurück in die Spur zu führen.

Viele Fans und Expert:innen haben sich einen frischen, unvorbelasteten Blick auf die DFB-Elf gewünscht. Es ist zumindest fraglich, ob Nagelsmann, der bei Bayern mit Manuel Neuer, Niklas Süle, Joshua Kimmich, Leon Goretzka, Jamal Musiala, Leroy Sané, Serge Gnabry und Thomas Müller bereits zusammengearbeitet hat, für diesen Ansatz der Richtige ist.

Zumal die Amtszeit in München bereits gezeigt hat, dass Nagelsmanns fußballerischer Ansatz nicht binnen weniger Wochen vollständig in eine Mannschaft implementiert werden kann. Bis zur EM bleiben aber nur neun Monate – und in diese Zeit fallen lediglich vier Länderspielpausen, eine davon steht unmittelbar vor der Europameisterschaft an.

DFB-Team: Nagelsmann ist der Gegenentwurf zu Völler

Trotz seines jugendlichen Auftretens gilt Nagelsmann zudem nicht gerade als Fanliebling. Die Stationen Hoffenheim und RB Leipzig haben viele Traditionalisten gestört, in München wurde sein Auftreten teilweise als gezwungen rebellisch interpretiert. Die Anhänger:innen dürfte er allein somit kaum für das DFB-Team begeistern.

Damit wäre der neue Bundestrainer der komplette Gegenentwurf zu Rudi Völler, der in einer Partie als Interimscoach eine positive Stimmung entfacht hat, wie es sie seit dem WM-Finale 2014 nicht mehr gegeben hatte.

Unterm Strich ist die Gefahr, dass sich Nagelsmann an dieser sicherlich reizvollen Aufgabe verbrennt, deutlich größer, als dass er als jubelnder Triumphator hervorgeht, der den deutschen Fußball zurück in die Erfolgsspur geführt hat.

Der DFB bekäme nicht, wonach er gesucht hat

Damit steht automatisch auch der DFB als Verlierer da. Zumal der Verband eigentlich nach einer langfristigen Lösung gesucht hatte, die über das Turnierende hinaus bleibt. Die hat er nicht bekommen, stattdessen gönnt sich der Verband eine Übergangslösung, die noch etwas teurer ist als Vorgänger Flick.

Eine solche Lösung auf Zeit hätte es mit Kandidaten wie van Gaal oder Stefan Kuntz, der in der Türkei vor dem Aus steht, sicherlich auch für kleineres Geld gegeben. Mit mehr Akzeptanz unter den Fans. Und mit einem frischeren Blick auf eine Mannschaft, die seit fünf Jahren eine Enttäuschung an die nächste reiht.

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Für den FC Bayern läuft es diese Saison sportlich überhaupt nicht. Also für die Männer des FCB. Im nationalen Supercup haben sie mit 0:3 gegen RB Leipzig verloren, aus dem DFB-Pokal sind die Herren früh ausgeschieden, in der Bundesliga rangieren sie mit zehn Punkten Rückstand auf Platz zwei. Dazu kommt die Pleite im Achtelfinalhinspiel der Champions League gegen Lazio Rom. Vor dem Rückspiel steht besonders auch Trainer Thomas Tuchel unter Druck.

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