Michael Schumacher ist mit sieben Titeln Rekord-Weltmeister der Formel 1.
Michael Schumacher ist mit sieben Titeln Rekord-Weltmeister der Formel 1.
Bild: imago / imago
Analyse

Schumacher-Dokumentation auf Netflix: Ein Leben zwischen kompromisslosem Rennfahrer und Barcardi-Cola trinkendem Privatmann

15.09.2021, 09:1215.09.2021, 11:43

Am 29. Dezember 2013 änderte sich alles für Michael Schumacher und seine Familie. An jenem Sonntag hatte der siebenmalige Formel-1-Weltmeister seinen folgenschweren Ski-Unfall in den französischen Alpen, schwebte danach in Lebensgefahr und verschwand von der Bild-Fläche.

Viele Schumacher-Fans werden aber ab 15. September ihr ehemaliges Idol aber noch einmal bewundern dürfen. In einer 112-minütigen Netflix-Dokumentation wird die Karriere von Schumacher beleuchtet. Auch die Zeit nach dem Unfall wird thematisiert, allerdings taucht der heute 52-Jährige selbst nicht auf. Jedoch spricht seine Frau Corinna erstmals darüber, wie das Leben für sie heute aussieht: "Wir leben zu Hause zusammen. Wir therapieren, wir machen alles, damit es Michael besser geht. Und gut geht. Und damit er auch unseren Zusammenhalt spürt."

Auch Sohn Mick Schumacher kommt zu Wort. Seit dieser Saison fährt er – wie sein Vater vor ihm – in der Formel 1. Im Haas-Team sammelt er seine ersten Erfahrungen und erzählt, was sich für ihn seit dem Unfall geändert hat: "Natürlich ist es so, dass nach dem Unfall diese Erfahrungen, diese Momente, die viele mit ihren Eltern erleben, nicht da sind. Oder weniger da sind. Das, finde ich, ist ein bisschen unfair."

Gleichzeitig könne er sich vorstellen, mit dem Vater über Rennsport und die Formel 1 zu philosophieren: "Ich glaube, dass Papa und ich uns in einer anderen Weise verstehen würden, jetzt. Einfach weil wir in einer ähnlichen Sprache sprechen. Der Motorsportsprache. Dass wir viel mehr auch zu bequatschen hätten." Die Wunsch mit seinem Vater reden zu können, sei immer gegenwärtig: "Ich würde alles aufgeben, nur für das."

Familie mit Veto-Recht bei Interviews

Der Unfall und die Folgen für Schumacher scheinen auf den ersten Blick eines der interessantesten Themen. Gleichzeitig sei der Umgang mit diesem Ereignis für die Produzenten Vanessa Nöcker und Benjamin Seikel extrem schwer: "Wir sind zu keinem Zeitpunkt der Schlagzeile nachgejagt, sondern haben uns langsam herangetastet und haben gemeinsam einen Weg gefunden."

Die Lösung: Die Familie hätte alle Aussagen, die sie in Interviews für den Film getätigt hatte, zurückziehen können. Passiert sei das nicht, erklärt Seikel. Auch eine Szene, in der Corinna Schumacher Tränen über das Gesicht rinnen, sei in der Endfassung geblieben. Seikel führt aus: "Wobei wir auch von Anfang an sagten, dass der Unfall nicht der Mittelpunkt des Films sein sollte. Wir wollten eine zeitlose Dokumentation machen, die nicht das aktuelle Geschehen widerspiegelt."

"Wir hatten die Unterstützung von Sabine Kehm. Ein Bernie Ecclestone, der normalerweise nicht mit den Medien redet, hätte das sonst vielleicht nicht gemacht."
Produzent Benjamin Seikel über die Unterstützung bei der Doku

Genau deshalb wurde mit alten Weggefährten wie den Konkurrenten Mika Häkkinen oder David Coulthard, dem Ex-Formel-1-Boss Bernie Ecclestone oder dem viermaligen Weltmeister Sebastian Vettel gesprochen. Menschen, die sich sonst in Bezug auf Schumacher nach dessen Unfall, öffentlich zurückhielten.

Seikler erklärt: "Wir hatten die Unterstützung von Sabine Kehm (Managerin der Schumachers, d.Red.). Es hat schon sehr geholfen, wenn von der anderen Seite bestätigt wird, dass sie diesen Film gutheißt. Ein Bernie Ecclestone, der normalerweise nicht mit den Medien redet, hätte das sonst
vielleicht nicht gemacht." Nöcker ergänzt: "Einige sprechen sicher auch nicht, wenn sie wissen, dass die Familie das nicht will. Wobei ich das Gefühl hatte, dass viele auch dankbar waren, dass sie diese Geschichte erzählen konnten."

David Coulthard (v.l.), Michael Schumacher, Bernie Ecclestone, Mika Häkkinen und Rubens Barrichello
David Coulthard (v.l.), Michael Schumacher, Bernie Ecclestone, Mika Häkkinen und Rubens Barrichello
Bild: www.imago-images.de / Motorsport Images

So erzählt sein ehemaliger Konkurrent und Mc-Laren-Mercedes-Pilot David Coulthard von einem Vorfall bei einem Rennen in Belgien. Schumacher sei ihm ins Heck gefahren, aber habe ihm anschließend vorgeworfen, dass der Schotte absichtlich zu langsam gefahren sei. "Ich sagte ihm, ich gestehe meinen Part bei dem Crash ein, aber Du hast auch einen Anteil. Er sagte: 'Nein!' Am Ende meinte ich, hey, sicher liegst Du auch manchmal falsch. Da hat er einen Moment nachgedacht und gesagt: 'Nicht, dass ich mich erinnern könnte'", erzählt Coulthard.

Privates blieb bei Schumacher geheim

Diese Szene beschreibt den ehrgeizigen Schumacher, der oft eine Bestmarke nach der anderen überbieten wollte. Das Ziel der Doku ist aber, nicht nur den Rennfahrer zu zeigen. Seikler sagt: "Bei Schumacher gab es den Reiz, dass man relativ wenig von seiner Person wusste: Wie ist er zu so einem Ausnahme-Sportler geworden? Wie tickt er? Das Menschliche wurde in der Öffentlichkeit kaum auserzählt, und das hat uns total interessiert."

"Es gab zwei Michaels. Den Rennfahrer: kompromisslos, schnell, zielstrebig, ein harter Bursche. Und den Privatmann, Familienmensch, mit dem ich bei Veranstaltungen viele Abende verbracht habe."
David Coulthard, Schumachers ehemaliger Konkurrent

Dazu bringt Coulthard eine interessante Beobachtung ein. Er spricht von "zwei Michaels", die er erleben durfte. "Den Rennfahrer: kompromisslos, schnell, zielstrebig, ein harter Bursche. Und den Privatmann, Familienmensch, mit dem ich bei Veranstaltungen viele Abende verbracht habe, Bacardi-Cola getrunken, Zigarren geraucht habe."

Genau wegen seiner Eigenschaften als Familienmensch und Vater ist die Dokumentation als Dankeschön der Familie zu sehen. Die langjährige Schumacher-Managerin Sabine Kehm erklärt: "Die Familie wollte ihm ein Geschenk damit machen." Es kam sogar vor, dass Schumacher während eines Rennwochenendes in Barcelona mit dem Privatjet zum Abendessen und Frühstück in die Schweiz zur Familie flog.

Aber auch die Formel 1 muss Schumacher dankbar sein. In den 90er Jahren sorgte er vor allem in Deutschland für enorme Popularität der Rennserie. In der Saison 2001 schauten durchschnittlich 10,4 Millionen TV-Zuschauer die Rennen. Kehm sagt: "Er war ein Treiber ganz wichtiger Veränderungen im Formel 1-Sport. Er hat die Definition dessen, was ein Pilot können und leisten muss, verändert und verfeinert. Er war der Erste, der sagte, wenn man so ein Auto steuern und gleichzeitig strategisch operieren will, dann muss man körperlich extrem fit sein, damit man im Rennen die völlige geistige Kapazität hat. Heutzutage ist das alles Standard."

Stiftung mit Schumachers Motto

Aber nicht nur mit seinem sportlichen Erfolg hat er die Formel 1 beeinflusst, auch mit seiner grundsätzlichen Einstellung, die Kehm so erklärt: "Gib niemals auf, solange noch die kleinste Chance besteht. Mit dieser Haltung hat Michael das Letzte herausgeholt. Und dafür wird er in der ganzen Welt bewundert." Getreu diesem Motto hat seine Familie nach dem Unfall die "Keep Fighting Foundation" ins Leben gerufen, die nun die gemeinnützige Arbeit des Rekordweltmeisters fortsetzt.

Dieses Motto wird auch im weiteren Genesungsverlauf für Schumacher wichtig sein. Dem ordnet auch die Familie alles unter, sodass besonders der letzte Satz des Films eine besondere Bedeutung erhält. Da sagt Ehefrau Corinna: "Für mich ist wichtig, dass er sein Privatleben weiter so genießen kann, so gut es eben geht. Michael hat uns immer beschützt, und jetzt beschützen wir Michael."

(mit Material von dpa)

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