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Der Kern des FC Bayern um Joshua Kimmich (Mitte) wird bestehen bleiben. Doch um ihn herum wird es einige Veränderungen geben. Bild: www.imago-images.de / nordphoto GmbH
Bundesliga

Der Neuanfang des "Mia san Mia": Wie sich der FC Bayern in der Zukunft verändern wird

25.02.2022, 13:27

Niklas Süle? Wechselt im Sommer ablösefrei zu Borussia Dortmund. Corentin Tolisso? Sein Vertrag wird wohl nicht verlängert und auch er wird ablösefrei den Verein wechseln. Marc Roca? Kommt nur im äußersten Notfall zum Einsatz und wird den FC Bayern wohl im Sommer verlassen. Marcel Sabitzer? Bisher ein 18-Millionen-Euro teures Missverständnis. Seine Zukunft in München ist ungewiss.

Hinzu kommt die weiterhin schwebende Vertragsverlängerung von Stürmerstar Serge Gnabry. Wollen die Münchner nach David Alaba (Real Madrid), Jérôme Boateng (Olympique Lyon) und Süle nicht noch einen weiteren Star verlieren, müssen sie den 24-Jährigen noch in diesem Sommer verkaufen, wenn die Vertragsverlängerung scheitert.

Klar ist: Auf Salihamidžić, Kaderplaner Marco Neppe und Trainer Julian Nagelsmann wird viel Arbeit zukommen.

Der FC Bayern steht vor einem großen Umbruch.

Zwar verlängerte Sportvorstand Hasan Salihamidžić die Verträge mit Leistungsträgern wie Joshua Kimmich (bis 2025), Leon Goretzka (2026) und Kingsley Coman (2027), doch der Kader der Münchner wird sich im Sommer enorm verändern.

Zudem laufen die Verträge von Manuel Neuer (35 Jahre), Thomas Müller (32 Jahre) und Robert Lewandowski (33) im Sommer 2023 aus. Noch ist offen, ob und wie lang die Verträge verlängert werden, wobei es zumindest bei Neuer und Müller zuletzt positive Signale gab.

Eigene Jungstars sollen wieder eine Chance erhalten

Ein essenzieller Bestandteil sollen dabei wieder Spieler aus dem eigenen Nachwuchs werden. Sie sollen sich in der ersten Mannschaft etablieren. Seit David Alabas Debüt im Februar 2010 ist das dem deutschen Rekordmeister nicht mehr gelungen. Zwar rühmen sich die Münchner, dass es mit Jamal Musiala wieder ein Akteur aus dem Nachwuchscampus in die Rotation des Teams geschafft hat, aber den Großteil seiner Ausbildung übernahm der FC Chelsea.

"Der Verein entwickelt sich immer mehr in Richtung eines großen Konzerns mit reiner Gewinnmaximierung."
Markenexperte Peter Pirck

Auch Josip Stanišić, der gerade zu Saisonbeginn solide Leistungen als rechter Verteidiger ablieferte, ist eher eine 1C-Lösung und wird nicht reichen, um in den großen Champions-League-Spielen mit den absoluten Weltstars mitzuhalten.

Nachdem mit dem 16-jährigen Paul Wanner bereits ein Nachwuchstalent der Münchner sein Bundesligadebüt feierte und einen langfristigen Vertrag unterschrieb, zogen am Donnerstag die 18 Jahre alten Offensivspieler Gabriel Vidović (bis 2025) und Yusuf Kabadayi (bis 2024) nach.

Vidović überzeugte bisher in der zweiten Mannschaft des FC Bayern in der Regionalliga mit zwölf Toren und sieben Vorlagen in 20 Spielen. Kabadayi, der seit zehn Jahren im Klub ist und in München geboren wurde, erzielte drei Treffer in fünf Spielen für den FCB II.

Diese Personalentscheidungen sind gleich auf zwei Ebenen interessant für die künftige Entwicklung des FC Bayern.

Mehr "Mia san mia" gefordert

Einerseits hat sich seit dem Wechsel des Führungsduos hin zu Präsident Herbert Hainer und Vorstandsvorsitzender Oliver Kahn die Wahrnehmung des Klubs verändert. "Die Marke Bayern München zeigt eine schwierige Richtung. Unter Herbert Hainer geht sie den Shift in Richtung Wirtschaftskonzern", sagt Markenexperten Peter Pirck.

"Diese extreme Kommerzialisierung im Profi-Fußball kann auch der Marke Bayern München mittelfristig schaden, da die Menschlichkeit verloren geht. Der Verein entwickelt sich immer mehr in Richtung eines großen Konzerns mit reiner Gewinnmaximierung", erklärt Pirck weiter.

Markenexperter Peter Pirck
Markenexperter Peter Pirckbild: brandmeyer markenberatung

Das soll auch eine Rolle beim Abgang von Niklas Süle gespielt haben. So erklärte Lothar Matthäus bei der "Bild", dass es dem Abwehrspieler nie um Geld, sondern vor allem um die Wertschätzung der Bosse gegangen sei. Gerade im Hinblick auf die immer wiederkehrenden Diskussionen um sein Gewicht hätte er sich Rückendeckung vom Verein gewünscht.

Galt der FC Bayern in der Vergangenheit als familiärer Klub, der sich um Spieler, Ex-Profis und Angestellte kümmert, erkennt Pirck nun eine "Unwucht" zulasten des berühmten "Mia san Mia", was die Marke über Jahre geprägt und weltweit so besonders gemacht hat.

Borussia Dortmund als großes Vorbild

Andererseits zeigen die Münchner auch, dass sie die irren Summer auf dem Transfermarkt nicht mehr mitgehen wollen oder aufgrund der Corona-Auswirkungen nicht mehr mitgehen können. Zudem haben die Verlängerungen von Kimmich, Goretzka und Coman das Gehaltsniveau nach oben verschoben.

Zwar würden die Bayern trotz Corona-Krise immer noch rationale Entscheidungen treffen, doch Experte Pirck sieht, "dass die Haltung ein Stück weit verloren geht und das Wirtschaftliche mehr im Vordergrund steht."

Wie der "kicker" am Donnerstag berichtete, sollen die Münchner daher intern auch eine neue Personalpolitik diskutieren. Unter Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge galt das Credo, dass der FC Bayern kein Verkäuferklub ist und auch mal gute Angebote der internationalen Konkurrenz ablehnt – das soll sich jetzt ändern.

"Ich glaube, es ist gut, dass Oliver Kahn nicht versucht, Uli Hoeneß zu kopieren und gleich den großen Zampano macht."
Marken-Experte Peter Pirck über Bayern-Boss Oliver Kahn

Viel mehr soll jetzt ausgerechnet Borussia Dortmund das große Vorbild werden. Es sollen junge, entwicklungsfähige Spieler im Alter von 20 bis 22 Jahren geholt und nach einigen Spielzeiten wieder gewinnbringend verkauft werden.

Dazu passt auch das jüngste Interesse am 19-jährigen Mittelfeldjuwel Ryan Gravenberch von Ajax Amsterdam. Zwar müssten die Münchner auch für ihn eine Ablösesumme von rund 30 Millionen Euro bezahlen, doch seine Gehaltsforderungen wären noch lang nicht so hoch wie die der etablierten Stars.

Gehalt und Ablösen durch Verkäufe refinanzieren

Bayern-Coach Julian Nagelsmann erklärte auf einer Pressekonferenz, dass es darum geht, 22- oder 23-jährige Spieler zu "einem noch vernünftigen Preis" zu verpflichten, die bereits so leistungsfähig sind, mit dem FC Bayern alle Titel zu gewinnen.

Jedoch bleibe so die Möglichkeit, ihn mit 25 oder 26 Jahren zu verkaufen, um einen Teil der Ablöse oder des Gehalts wiederzubekommen und zusätzliche Einnahmen zu generieren.

"Man ist in den nächsten Jahren nicht in der Lage, bei jedem 27-jährigen fertigen Profi, der vielleicht auch ein Angebot von Paris, Chelsea oder Manchester City hat, mitzubieten."

Die Münchner wollen jedoch nicht der klassische Ausbildungsverein für andere europäische Top-Klubs sein. "Man wird auch mit diesem Personal in der Lage sein, alles gewinnen zu können."

Kahn will Hoeneß nicht kopieren

Sollte der FC Bayern diese Strategie in der Zukunft tatsächlich so verfolgen wollen, muss vor allem Oliver Kahn diese Idee in der Öffentlichkeit vermitteln und darstellen.

War er noch der emotional aufgeladene "Titan" auf dem Platz, tritt er nun bedacht und zurückhaltend auf. Dafür musste er bereits von vielen Seiten Kritik einstecken. Dass er jedoch nicht so lautstark wie beispielsweise Ex-Präsident Uli Hoeneß auftritt, ist für Markenexperte Pirck verständlich.

Bayern-Präsident Herbert Hainer (l.) und Vorstand Oliver Kahn
Vorstandsvorsitzender Oliver Kahn (r.) und Präsident Herbert Hainer (l.)Bild: www.imago-images.de / Frank Hoermann/SVEN SIMON

"Ich glaube, es ist gut, dass Oliver Kahn nicht versucht, Uli Hoeneß zu kopieren und gleich den großen Zampano macht. Das war auch Uli Hoeneß noch nicht von Anfang an."

Viel mehr müsse der 52-Jährige weiter in seine Rolle hineinwachsen, denn es sei einer der "härtesten Jobs im Profifußball".

Doch das Potenzial, den FC Bayern in Kombination mit Trainer Julian Nagelsmann in eine erfolgreiche Zukunft zu führen, sieht der Markenexperte allemal. "Er hat das Potenzial, noch einmal mehr das Gesicht von Bayern München nach innen und nach außen zu werden."

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