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Bundestrainer Joachim Jogi Loew (Deutschland) spricht mit Mesut Oezil (Deutschland).

GES/ Fussball/ Vorbereitung auf die WM 2018: Training der deutschen Nationalmannschaft in Suedtirol, 24.05.2018

Football / Soccer: Training of the German national football team in Eppan, May 24, 2018 | Verwendung weltweit

Analyse

Gündogan twittert, Özil schweigt – der DFB und ein Drama in 5 Akten

peter riesbeck

Am Samstag hallte etwas aus dem Spiel gegen Saudi-Arabien (2:1) nach: die Pfiffe.

Die DFB-Auswahl hatte ihren letzten WM-Test gegen Saudi-Arabien 2:1 gewonnen, aber nach 30 Minuten doch irgendwie das Fußballspielen vergessen. Und so blieben die Pfiffe bei der Einwechslung von Ilkay Gündogan in Erinnerung und der barsche Ton von Teammanager Oliver Bierhoff, der zur Kritik am schweigenden Mesut Özil erklärte: 

"Ihr beendet es doch nicht. Ihr bringt es doch jeden Tag wieder, weil ihr keine Themen habt."

Und Auswahltrainer Joachim Löw erklärte mit Blick auf Gündogan: „Pfiffe helfen niemandem.“

Özil, Gündogan, das Schweigen und die Pfiffe – ein Drama in 5 Akten.

Ein Bild und die Folgen

Mesut Özil und Ilkay Gündogan, zwei Nationalspieler mit türkischem Migrationshintergrund, posieren Mitte Mai mit dem türkischen Präsidenten Recepp Tayyip Erdogan.

Das Bild geht durch die sozialen Medien.

Ein Bild für den türkischen Wahlkampf

Der DFB und sein verpatztes Krisenmanagment

Das Foto mit Erdogan erregt Unmut. Löws Tadel ist verhalten.

Er sagt:

"Als Verband haben wir den beiden klar gemacht, dass es eine unglückliche Aktion war. Ich zeige auch ein bisschen Verständnis. Ich weiß, dass bei Spielern mit Migrationshintergrund auch mal zwei Herzen in einer Brust schlagen. Beide haben einen guten Charakter und sie haben sehr viel für die Integration getan."

Joachim Löw, Auswahltrainer

DFB-Präsident Reinhard Grindel, ehemaliger CDU-Bundestagsabgeordneter, erklärt: 

"Menschen können Fehler machen. Wir müssen das Maß wahren."

Reinhard Grindel, DFB-Präsident

Gündogan entschuldigt sich zunächst mit einer doppelten Staatsbürgerschaft. Er hat aber nur einen deutschen Pass.

Am Samstag lieferte er per Twitter eine Erklärung nach – auf Englisch: Er sei stolz "für dieses Land zu spielen".

Gündogan erklärt sich

Özil schweigt. Aber er redet grundsätzlich nicht gern.

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) versucht die Affäre zu glätten. Am Rande des DFB-Pokalendspiels treffen  Özil und Gündogan Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier.

Das Gegentreffen:

Steinmeier erklärt hinterher:    

"Heimat gibt es auch im Plural. Aber die Debatte ebbt nicht ab."

Frank Walter Steinmeier, Bundespräsident

Die Event-Fans (und die Pfiffe)

A Germany fan cheers prior to a friendly soccer match between Germany and Saudi Arabia at BayArena in Leverkusen, Germany, Friday, June 8, 2018. (AP Photo/Martin Meissner)

Gern da, wo Erfolg ist. Bild: AP

Rund um die Nationalmannschaft mehren sich seit längerem die Event-Fans. Sie bezahlen viel Geld, um ein Spiel des Weltmeisters zu sehen. Und werden leicht ungeduldig, wenn es nicht läuft, wie daheim an der Playstation.

Am Freitag eskaliert die Situation rund um das Spiel gegen Saudi-Arabien. Mesut Özil fehlt verletzt. Als Ilkay Gündogan in der zweiten Halbzeit eingewechselt wird, pfeift das Publikum.

Bundestrainer Joachim Löw zeigt kein Verständnis.

"Solche Pfiffe irritieren. Solche Pfiffe stören."

Joachim Löw, Auswahltrainer

 Und: 

"Ich habe ihn in der Kabine gesehen, er war geknickt. Da muss er einfach jetzt durch. Ich hoffe, dass er es kann. Wir werden ihn unterstützen... Irgendwann sollte es auch gut sein."

Joachim Löw, Auswahltrainer

Schon zuvor hatte Teammanager Oliver Bierhoff wirsch auf Mesut Özils beharrliches Schweigen reagiert. "Ihr bringt es doch jeden Tag wieder, weil ihr keine Themen habt", sagte Bierhoff. Und:

"Ihr könnt die Fragen aber auch stellen. Ihr müsst nur akzeptieren, wenn einer sagt: Darüber rede ich nicht mehr."

Oliver Bierhoff, DFB-Teammanager

Der DFB müht sich auf dem Platz. Und er fürchtet um die Stimmung im Team.

DFB-Präsident Reinhard Grindel mahnt am Abend in der ARD am Rande der Auslosung zum DFB-Pokal ein Ende der Debatte an.  

Typisch, DFB. Nur keine unliebsamen Debatten bitte.  

Umfrage

Belastet die Trikot-Affäre die Stimmung im Team?

  • Abstimmen

186

  • Ja, die Debatte lässt keine WM-Stimmung im WM-Kader aufkommen.81%
  • Nein, die Probleme liegen auf dem Platz (und nicht in Heimat- und Hymnen-Mitsing-Debatten.)10%
  • Mir egal, diese Schönweter-DFB-Fans nerven. (Echten Fußball gibt's nur bei den Amateuren.)8%

Die lieben Medien

Am Samstag erscheint die Frankfurter Allgemeine Zeitung mit Mesut Özil auf dem Cover seines "Magazins".

Mutiges Zeichen? Denkste!

Das Magazin hat den Spieler von Arsenal London in dessen Heim in der englischen Metropole besucht. Özil posiert, mal mit Hund, mal mit Brilli. Und er ist konsequent. Der Schweigsame sagt wenig und erklärt: "Ich habe ein Auge fürs Design."

Der Coverboy:

Das Shooting fand vor dem Treffen Özils mit Erdogan statt. Peinlich ist nur, dass das Magazin sich halb entschuldigt. Den Leser erwarte hier eine "Geschichte im Plusquamperfekt". Nichts also, mit der unbequemen Gegenwart.

Dazu druckt das Blatt die doppelseitige Anzeige eines Schmuckherstellers mit Özil.

Die Bilanz

Rund um die Nationalelf ist die Stimmung ohnehin umgeschlagen.

In Polen geboren: die Weltmeister Lukas Podolski und Miroslav Klose dpa

 Doch schleichend wurde aus "Schwarz.Rot.Geil", "Schwarz.Rot.Deutsch."

Die Stimmung ist nicht nur in der Politik nach rechts umgeschlagen.

Willkommen ist nur, wer auch was leistet. Kein gutes Spiel, keine Akzeptanz, so ist das mit der funktionalen Integration.

Und was bleibt? Skandalös ist nicht, dass Özil und Gündogan mit dem Staatschef aus der Heimat ihrer Eltern posieren. "Heimat gibt es auch im Plural", wie Bundespräsident Steinmeier zurecht sagt.

Gern nahe an der Macht. Der ehemalige Fifa-Boss Sepp Blatter und Russlands Staatschef Wladimir Putin.  dpa

Der eigentliche Skandal ist, dass sich die beiden Spieler mit einem Menschenrechtsverachter ablichten lassen.

Dazu könnte der DFB was sagen. Und auch die Fans. Gerade mit Blick auf die kommenden beiden WM-Turniere in Russland und Katar.

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