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Bundestrainer Joachim Löw (l.) dürfte bei der EM 2021 einen wieder vollständig genesenen Leroy Sané (r.) bei der Nationalmannschaft empfangen. Bild: imago images / Christian Schroedter

Analyse

Warum die deutsche Nationalelf von der EM-Verschiebung profitieren könnte

Corona ist überall: Das neuartige Virus hat die ganze Welt fest im Griff und stürzt sie in eine tiefe Krise. Auch der Fußball pausiert derzeit, Bundesligapartien und Länderspiele wurden abgesagt, die Europameisterschaft um ein Jahr verschoben. Das Turnier, das im Sommer in zwölf europäischen Städten stattfinden sollte, soll nun vom 11. Juni bis 11. Juli 2021 steigen.

Eines vorab: Die Corona-Pandemie hat kaum positive Seiten, sie fordert tausende Tote und drängt nicht nur den Fußball wirtschaftlich an den Abgrund. Rein sportlich betrachtet, könnte die Verschiebung der EM für die deutsche Nationalmannschaft aber vielleicht sogar ein Vorteil sein.

Zwar muss sich Joachim Löw wohl auf die längste spielfreie Zeit in seiner 14-jährigen Karriere als Bundestrainer einstellen, doch das eine Jahr mehr bis zum Turnier gibt ihm auch neue Möglichkeiten.

Löw hat mehr Zeit für den Umbruch der Nationalelf

Löw, dessen Vertrag noch bis zur WM 2022 läuft, hat so länger Zeit für den Umbruch im Team. Der Bundestrainer hatte einige verdiente Spieler wie Jérôme Boateng, Thomas Müller oder Mats Hummels in den Ruhestand geschickt. Die Ü30-Fraktion hatte mit der Nationalmannschaft vor sechs Jahren noch den WM-Titel in Brasilien gewonnen, sollte aber Platz für die neue Generation machen.

Der geplante Umbruch verlief jedoch nicht so reibungslos, wie sich das Löw und sein Team vorgestellt hatten. In der Nations League, dem Härtetest vor der Europameisterschaft, hatte das neuformierte Team in der Dreier-Gruppe hinter den Niederlanden und Weltmeister Frankreich sieglos den letzten Platz belegt. Nun kann das neue Team noch weiter zusammenwachsen und Löw kann ohne den großen Druck der vergangenen Monate arbeiten. Zahlreiche Senkrechtstarter können sich durch die dazu gekommene Zeit auf den Positionen neben den gestandenen Profis wie Manuel Neuer, Toni Kroos oder Serge Gnabry festspielen.

Namen auf der Liste hat Löw viele: Suat Serdar vom FC Schalke könnte in der Nationalmannschaft ebenso zum neuen Gesicht werden wie Gladbachs Florian Neuhaus, Leverkusens Nadiem Amiri oder Luca Waldschmidt vom SC Freiburg. Dazu kommen die jungen Spieler, die schon etwas erfahrener sind und unbedingt einen Stammplatz wollen: Kai Havertz von Bayer 04 Leverkusen oder Julian Brandt vom BVB gehören dazu.

Verletzte Leistungsträger kommen zurück

Dazu hat das eine Jahr mehr einen weiteren großen Vorteil: Die Verletzten, für die diese EM vielleicht zu früh gekommen wäre, könnten als Leistungsträger mitmischen: Bayerns Abwehrchef Niklas Süle sowie Manchester Citys Offensivstar Leroy Sané fielen jeweils monatelang aufgrund einer Knieverletzung aus und dürften 2021 wieder voll da sein. Aber auch der derzeit verletzte Marco Reus vom BVB könnte somit noch auf den EM-Zug springen.

Die wohl größte Krise des Fußballs könnte also durchaus auch positive Effekte haben. Davon wollte Löw aber zunächst nichts wissen. In einem Statement hieß es: "Unsere Nationalspieler hätten natürlich wahnsinnig gerne die Euro im Sommer gespielt, was sie sich auch erarbeitet hatten. Jeder Sportler lebt doch für diese großen Spiele, für diese großen Turniere, die ein Land, einen ganzen Kontinent oder bei Weltmeisterschaften die ganze Welt begeistern." Nationalmannschafts-Direktor Oliver Bierhoff gab zu Protokoll: "Unsere Aufgabe ist es nun, die weitreichenden Folgen einzuordnen und an Lösungen zu arbeiten. Es gibt für die aktuelle Situation kein Handbuch, keine Erfahrungswerte."

Die deutsche Nationalelf könnte im Jahr 2021 also durchaus besser für eine EM aufgestellt sein. Aber eine echte Prognose kann man nicht geben. Wann überhaupt wieder Fußball gespielt werden kann, weiß derzeit niemand mit Sicherheit.

(bn)

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