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Mick Schumacher wird 2023 nicht mehr in der Formel 1 fahren.Bild: IMAGO / Motorsport Images
Formel 1

"Zu glatt und zu profillos" – Markenexperte erklärt Haas-Entscheidung zu Schumacher

18.11.2022, 12:53

Mick Schumacher oder Nico Hülkenberg? Diese Frage stellten sich nicht nur Formel-1-Fans in den vergangenen Wochen. Auch das Haas-Team dürfte die ein oder andere hitzige Diskussion über die Vergabe des letzten offenen Cockpits in der Königsklasse des Motorsports für die Saison 2023 geführt haben.

Als Favorit wurde trotz einer durchwachsenen Saison Michael Schumachers Sohn Mick lange gehandelt. Nach einem guten Saisonstart und einigen Platzierungen in den Top-10, kam jedoch nicht mehr viel. Statt Punkte einzufahren, baute Schumacher mehrere schwere Unfälle und verursachte enorm hohe Reparaturkosten. Das änderte sich auch nicht in den vergangenen Rennen.

Wochenlang wurden immer wieder neue vermeintliche Daten zur Bekanntgabe der Entscheidung genannt, nur um sie wiederholt zu verschieben. Jetzt ist es offiziell: Das letzte verbleibende Cockpit für 2023 bekommt Nico Hülkenberg.

Am Donnerstagmorgen gab das Team seine Entscheidung bekannt. Haas-Chef Günther Steiner wollte Schumacher zunächst für seinen "Beitrag über die letzten zwei Jahre" danken. Gleichzeitig begrüßte Steiner nun Hülkenberg als zweiten Stammpiloten neben Kevin Magnussen.

Besonders die größere Formel-1-Erfahrung wird für Hülkenberg gesprochen haben. "Die Erfahrung und die Wissensgrundlage, die Nico ins Team bringt, ist klar zu sehen – mit fast 200 Formel-1-Starts – dazu zählt er als großartig im Qualifying und als solider und zuverlässiger Fahrer", erklärte Steiner die Entscheidung für den 35-jährigen Hülkenberg. Der geborene Emmericher wird erstmals seit 2019 wieder ein Stammfahrer bei einem Formel-1-Team sein.

Mick Schumacher hat weder Persönlichkeit noch Leistung gezeigt

Ob Hülkenberg das Cockpit bekommt, war bis zum letzten Tag ungewiss. Dass eine solche Entscheidung jedoch Zeit benötigt, sei verständlich, erklärt Markenexperte Christopher Spall im Gespräch mit watson. "Für Haas ist es ein Paradigmen-Wechsel, nicht mehr auf Schumacher zu setzen."

"Mick ist zu glatt und zu profillos. Man erzählt sich zu wenig Geschichten über ihn."
Markenexperte Christopher Spall

Denn ursprünglich sei es das Ziel von Haas gewesen, den Rennstall bekannter zu machen. Er ist erst seit 2016 in der Formel 1 am Start. Deshalb setzte man auf die Marke Schumacher. Man wollte von dem positiven Status, der damit verbunden wird, profitieren, sagt Spall. Das habe in den ersten beiden Jahren gut funktioniert – auch, wenn dessen Leistung hinter den Erwartungen zurückgeblieben sei.

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Der 35-jährige Nico Hülkenberg wird 2023 für Haas fahren.Bild: www.imago-images.de / PanoramiC

Haas habe sich nun unabhängig von Schumacher gemacht. "Denn der hat weder als Fahrer noch als Persönlichkeit das gehalten, was sich das Team von ihm versprochen hat", resümiert Spall. Es gebe laut dem Experten zwei Arten, um eine Marke erfolgreich zu machen: Leistung erbringen oder Persönlichkeit zeigen. Beides habe Mick nicht erfüllt.

"Mick ist zu glatt und zu profillos", sagt Spall. Es gebe zu wenig, über das man bei ihm sprechen könnte. "Weder über positive Ergebnisse, noch über den Menschen im Cockpit."

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Mehr Persönlichkeit zu zeigen, hätte Schumacher deshalb nicht geschadet – und würde ihm noch immer nicht schaden, erklärt der Markenexperte. Das wäre laut Spall der einzige gute Grund für Haas gewesen, Mick noch eine Chance zu geben, sich ein weiteres Jahr zu beweisen.

Haas hätte auf internationalen Fahrer setzen sollen

Die jetzige Entscheidung sei aus Markensicht jedoch kein guter Schachzug gewesen, erklärt Spall. "Um die Marke Haas in den Wachstumsmärkten stärker präsent zu machen, wäre nicht ein anderer Deutscher, also Hülkenberg, die logische erste Wahl, sondern ein local hero aus den Schwellenländern."

Denn die Formel 1 verlagere sich aktuell in die USA, nach Asien und auf die arabische Halbinsel. So auch die Interessen der Zuschauer und der Sponsoren, sagt Spall. Daher hätte Haas besser daran getan, auf einen Fahrer aus diesem Raum zu setzen, anstatt an deutschen Fahrern festzuhalten. Auf dem deutschen Markt gebe es laut dem Markenexperten nicht viel zu holen.

"Schumacher steht jetzt an einem Wendepunkt. Aber in einer Krise werden Champions gemacht."
Markenexperte Christopher Spall

Haas kann vom Schumacher-Abschied profitieren

Die Verabschiedung von der Marke Schumacher eröffne Haas nun zumindest die Möglichkeit, sich stärker für internationale Sponsoren zu öffnen, erklärt Spall. Denn zahlreiche Geldgeber sind nur wegen Schumacher bei dem Rennstall eingestiegen.

Mit einem anderen Fahrer kämen vermutlich neue Sponsoren, die entweder direkt aus den Wachstumsmärkten stammen, oder sich durch diese stärker positionieren wollen. Das wiederum bedeute für Haas, sich selbst stärker profilieren zu können, sagt der Markenexperte. Denn bisher habe die Marke Schumacher im Vordergrund gestanden und nicht die Marke Haas.

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Es ist unklar, wie Schumachers Zukunft jetzt aussieht.Bild: www.imago-images.de / imago images

Jetzt sind alle F1-Cockpits für 2023 vergeben. Mick Schumacher wird damit in der kommenden Saison nicht in der Königsklasse des Motorsports fahren. "Schumacher steht jetzt an einem Wendepunkt. Aber in einer Krise werden Champions gemacht", sagt Spall.

Mick Schumacher kann aus dem Schatten seines Vaters treten

Im Jahr 2024 steigt Audi in die Formel 1 ein. Eine Möglichkeit wäre es für Schumacher, dann eines der freien Cockpits zu ergattern und wieder in der Formel 1 zu fahren. Laut Spall ist dies allerdings unwahrscheinlich: "Ich stelle infrage, ob Audi an einem deutschen Fahrer interessiert ist." Denn auch für Audi gehe es darum, sich in den Wachstumsmärkten umzusehen und dort zu positionieren. In der Übergangsphase könnte Schumacher unter anderem Formel-E oder DTM fahren.

Ein Problem an einer kurzzeitigen F1-Pause für Schumacher sieht Spall nicht: "Das ist jetzt Schumachers Chance, seinen eigenen Weg zu gehen und nicht den seines Vaters zu kopieren." Er könnte sich nun beispielsweise mit der Frage auseinandersetzen: Wer bin ich eigentlich, ohne den Schatten meines Vaters?

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