24.01.2023, Bayern, M
Der ehemalige Bayern-Torhüter Tom Starke (l.) ist interimsmäßig Torwarttrainer von Yann Sommer (l.), Sven Ulreich und Manuel Neuer. Bild: dpa / Sven Hoppe
Bundesliga

FC Bayern: Torwart-Experte rechnet hart mit Tapalović ab

28.01.2023, 19:23

Dass seine ersten Tage in München so turbulent verlaufen würden, hätte Yann Sommer wahrscheinlich auch nicht gedacht. Nach dem 1:1 gegen den 1. FC Köln am Dienstagabend hängt der Haussegen bei den Münchnern gewaltig schief. Mal wieder.

Einerseits ist dort der Trip vom bisher glücklosen Serge Gnabry, der an seinem freien Sonntag zur Pariser Fashion Week reiste und dafür von Sportvorstand Salihamidžić nach dem Spiel heftig kritisiert wurde.

Und dann ist da noch die Personalie um Torwarttrainer Toni Tapalović. Mit ihrer Ankündigung, sich vom 42-Jährigen zu trennen, sorgten die Münchner für ein unerwartetes Personalbeben, das auch die Zukunft des Klubs beeinflussen wird.

"Es ist eine Klub-interne Einschätzung", äußerte sich Torhüter Yann Sommer. Allein im Jahr 2023 erlebte er bereits drei Torwarttrainer und ein vierter wird nun hinzukommen. Mit Tapalović sei im Trainerteam "nie ein Miteinander entstanden" sagte Trainer Nagelsmann am Dienstagabend. Bei den Spielern hingegen soll er einen guten Ruf genossen haben.

Elfeinhalb Jahre arbeitete Tapalović in München und hatte seinen Anteil daran, dass Manuel Neuer zum besten Torhüter der Welt wurde. Und darüber hinaus? Manuel Neuer bezeichnete Tapalović als "Pionier", doch in der Liga kam davon nicht viel an.

"Es fällt auf, dass der FC Bayern auf der Torwartposition gar keine Spieler rausbringt, die sich dann zumindest nachhaltig in anderen Vereinen in der ersten oder zweiten Liga durchsetzen", fasst Torwartexperte Sascha Felter im Gespräch mit watson zusammen.

"Im Vergleich zu anderen Torwarttrainern in der Bundesliga gehen von ihm weniger die Innovationen aus. Er hat über Jahre nur mit Manuel Neuer gearbeitet – was auch nicht schlecht ist. Aber er hat nicht über mehrere Jahre hinweg Torhüter nachhaltig beeinflusst".

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FC Bayern: Tapalović und Neuer profitierten voneinander

Neuer und Tapalović verbindet eine enge Freundschaft. Bei seinen Vertragsverlängerungen in München soll es Neuer stets zur Bedingung gemacht haben, dass sein Freund ebenfalls bleibt. Daher erklärt Felter:

"Bei ihm spielte vor allem der begleitende Aspekt eine große Rolle. Ich glaube, dass er auch enorm davon profitiert hat, dass er mit Neuer einen sehr intelligenten Keeper hat, der selbst mit angepackt hat. Beide haben gegenseitig voneinander profitiert."

Doch nun ist Tapalović weg – und Neuer mit seinem Vertragsende im Sommer 2024 auch? Der Abgang lässt immerhin die Interpretation zu, dass die Münchner entgegen aller Beteuerungen nicht zu 100 Prozent daran glauben, dass Neuer wieder zu seiner Weltklasse-Form findet.

Im Herbst seiner Karriere erlebt der 36-Jährige noch einmal einige Veränderungen. In der Nationalmannschaft löste Andreas Kronenberg Andreas Köpke nach 17 Jahren ab. Nun bekommt er auch im Verein einen neuen Trainer für seine Position.

"Schaden kann ihm der neue Input definitiv nicht. Als Torwarttrainer auf diesem Niveau geht es aber vor allem um die Feinheiten. Erfahrene Torhüter wissen genau, was sie brauchen, und dann planen sie die Trainingswoche angepasst an die Bedürfnisse", gibt Torwart-Kenner Felter einen Einblick.

FC Bayern: Neuer Torwarttrainer bietet große Chance

Der Abgang des langjährigen Torwarttrainers kann auch eine Chance für die Münchner sein.

Die Arbeit und Übungen von Tapalović beim FC Bayern fokussierte sich in all den Jahren auf Manuel Neuer. Gleichzeitig einem jungen Torhüter die Entwicklung im Schatten als Nummer 2 oder 3 zu ermöglichen, gab es nicht. Das soll auch ein Punkt gewesen sein, warum die Bayern-Bosse sich für eine Entlassung entschieden.

Hinzu kommt die mangelnde Kommunikation mit dem nach Monaco ausgeliehenen Alexander Nübel. Er sollte eigentlich langfristig zum Neuer-Nachfolger aufgebaut werden, doch hatte nie eine wirkliche Beziehung zu Tapalović.

Für Torwart-Kenner Felter ist auf alle Fälle klar, dass Tapalović von keinem unerfahrenen Torwarttrainer abgelöst wird. Viel mehr sieht er Hoffenheims Michael Rechner als ideale Lösung an. Der 42-Jährige und Nagelsmann kennen sich aus gemeinsamen Zeiten bei der TSG Hoffenheim und schwärmten damals bereits voneinander.

12.08.2016, xjhx, Fussball Testspiel, TSG 1899 Hoffenheim - Athletic Bilbao, emspor emonline, v.l. TW Trainer Michael rechner (1899 Hoffenheim), Trainer Julian Nagelsmann (1899 Hoffenheim) Sinsheim

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Bayern-Coach Julian Nagelsmann (r.) arbeitete mit Michael Rechner bereits in Hoffenheim zusammen.Bild: imago sportfotodienst / imago images

Rechner würde einen enormen Vorteil mitbringen: "Er kennt sich mit der konzeptionellen Arbeit mit Torhütern sehr gut aus. In Hoffenheim hat er über Jahre eine extrem gute Torwartschule aufgebaut."

Er trainierte und formte mit Oliver Baumann (Hoffenheim), Marvin Schwäbe (Köln), Koen Casteels (Wolfsburg) und Gregor Kobel (Dortmund) vier aktuelle Stammtorhüter der Bundesliga. Zudem war Gladbachs Torwarttrainer Fabian Otte zuvor auch Teil von Rechners Team.

Mit Johannes Schenk (20 Jahre) und Tom Ritzy Hülsmann (18 Jahre) hatten die Münchner bereits zwei vielversprechende Torwarttalente im Trainingslager in Katar dabei.

FC Bayern: Nübel nicht mit Bayern-Niveau

Bis zum Ende der Rückrunde ist jedoch erstmal Yann Sommer die Nummer eins im Tor der Bayern. Mit dem 34-Jährigen hätten sich die Münchner aber nur "ein bis zwei Jahre Zeit erkauft", da Felter nicht an eine Zukunft von Alexander Nübel beim Rekordmeister glaubt. Der 26-Jährige hätte nicht das Top-Level, was es für die Münchner brauche:

"Er hat athletische Defizite und noch einige Schwächen in der Raumverteidigung. Vor allem bei flachen Bällen, die durch den Fünfmeterraum fliegen, ist er sehr zurückhaltend. Hinzu kommt, dass er immer wieder Slapsticks-Aktionen dabei hat. Er hat in dieser Saison zwar keine klaren Fehler gemacht, aber immer wieder Aktionen, an denen er Aktien hat und die zu Gegentoren führten. In der Summe sind das zu viele Fehler, wenn du beim FC Bayern im Tor stehen willst."

Für den Torwartexperten ist daher klar, dass sich die Münchner um Gregor Kobel von Borussia Dortmund bemühen müssen. Wie der "Kicker" vor einer Woche berichtete, soll der Schweizer ein zukünftiger Kandidat auf die Neuer-Nachfolge sein.

Vorstandsboss Oliver Kahn ist von diesen Gerüchten aktuell jedoch verwundert. Viel mehr halte er es für legitim, dass Nübel "unter der Voraussetzung von Spielzeit nach München zurückkommen will".

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