Erling Haaland (r.) schüttelt im Champions-League-Viertelfinale 2021 Manchester Citys Verteidiger Ruben Días ab.
Erling Haaland (r.) schüttelt im Champions-League-Viertelfinale 2021 Manchester Citys Verteidiger Ruben Días ab. Bild: imago images / Nick Potts
Analyse

Haaland-Wechsel: Warum der Transfer für Borussia Dortmund, Man City und den Norweger sinnvoll ist

10.05.2022, 13:0310.05.2022, 16:52

Nun ist es also endgültig fix sein. Die monatelangen Spekulationen um den Wechsel von Erling Haaland zu einem europäischen Top-Klub sind nun vorbei. Wie Manchester City am Montagnachmittag mitteilte, ist sich der Klub mit dem BVB einig. Lediglich Details mit dem Norweger seien noch zu klären.

Bereits am trainingsfreien Montag teilte der BVB gegenüber Sport1 mit, dass Haaland freigestellt sei, um "persönliche Angelegenheiten" zu klären. Zu diesem Zeitpunkt befand er sich bereits in Brüssel zum Medizin-Check und anschließend einen Fünfjahres-Vertrag bei Manchester City unterschrieben haben. In England soll er sogar ein höheres Jahresgehalt als Mittelfeldstar Kevin de Bruyne bekommen, der aktuell mit rund 23 Millionen Euro Top-Verdiener ist.

Insgesamt gehen alle drei Parteien aus dem Transfer als Gewinner hervor: der Wechsel aus drei Blickwinkeln.

Borussia Dortmund

Mit dem Abgang des 21-jährigen Norwegers verliert der BVB bisher seine Lebensversicherung in der Offensive. 85 Tore in 88 Spielen lassen sich nicht einfach so ersetzen.

Und dennoch machten die Verantwortlichen schon in den vergangenen Wochen immer wieder klar, dass es auch einen BVB nach Erling Haaland geben wird.

"Wenn Haaland geht, werden wir wieder ein neues Talent finden und zum Star entwickeln. Und auch der wird der Bundesliga dann guttun", sagte BVB-Boss Watzke bereits vor Wochen und verwies auf die Abgänge von Lewandowski 2014 oder Aubameyang 2018. Und namhafter Ersatz steht schon bereit.

Unklar ist hingegen immer noch, wie hoch die Ablösesumme für den Stürmerstar wirklich ist. Während Sport1 weiterhin von den bisher häufig kolportierten 75 Millionen Euro ausgeht, schreibt der internationale Transferexperte Fabrizio Romano bei Twitter von 60 Millionen Euro.

Ex-Bayern-Kaderplaner Michael Reschke gratulierte dem BVB kürzlich im watson-Interview bereits zum Geschäft mit Haaland:

"Trotz mächtiger Transfer-, Gehalts- und Beraterkosten wird der BVB nach zwei Spielzeiten durch die Transfereinnahmen ein deutliches wirtschaftliches Plus verbuchen. Und der Klub hatte über zwei Jahre einen fantastischen Spieler, der die Fans begeistert und die Bundesliga deutlich bereichert hat. Außergewöhnlich, mehr geht kaum."

Adeyemi-Deal bei Haaland-Abgang sicher

Sicher ist nur, dass Dortmund davon 30 Millionen Euro in DFB-Star Karim Adeyemi investieren wird, um ihn von RB Salzburg zu verpflichten. "Ich gehe davon aus, dass wir mit Karim in der nächsten Woche vorwärtskommen", sagte der kommende Sportchef Sebastian Kehl im Fußball-Talk "Doppelpass" am Sonntag.

Doch die Dortmunder wollen noch einen weiteren Stürmer verpflichten, der Haaland vom Spielstil ähnlicher ist.

Die Dortmunder Offensive verliert mit Haaland zwar an Wucht, könnte in der kommenden Saison aber variabler als in der aktuellen Spielzeit werden. Denn wenn der Norweger in dieser Saison fehlte, erzielte der BVB nur dreimal mehr als drei Tore

Erling Haaland

Haalands kürzlich verstorbener Berater Mino Raiola und Vater Alf-Inge machten keinen Hehl daraus, dass Dortmund für den Norweger nur eine Zwischenstation ist.

Mit ihren Reisen und Treffen während der Saison nach Madrid, Barcelona, Manchester, Liverpool und London befeuerten sie immer wieder die Gerüchte um einen Wechsel. Schon im Januar 2021 hinterfragte Raiola in einem Gespräch mit "The Athletic" den Wechsel zum BVB ein Jahr zuvor.

"Ich will eigentlich nur Fußball spielen, aber sie drängen mich zu einer Entscheidung über meine Zukunft."
Erling Haaland warf dem BVB im Januar vor, Druck auf ihn auszuüben

"Vielleicht war ich zu vorsichtig, als ich sagte: 'Oh nein, lass uns nach Dortmund gehen anstatt irgendwo anders hin'", sagte Raiola im März 2021 über den BVB-Wechsel. Denn schon 2020, als Haaland aus Salzburg zum BVB kam, soll es Interesse von Real Madrid und Manchester United gegeben haben.

Seinen Abgang bereitete Haaland im Laufe der Saison schleichend vor. Die Dortmunder Fans feierten ihn zwar für seine Tore auf Ehrenrunden, aber waren auch zusätzlich genervt von den ewigen Spekulationen.

Spätestens als Haaland Mitte Januar in einem TV-Interview dem Verein vorwarf, Druck auf ihn auszuüben, war klar, dass er gehen wird. "Ich will eigentlich nur Fußball spielen, aber sie drängen mich zu einer Entscheidung über meine Zukunft. Und das bedeutet dann, dass ich bald eine Entscheidung treffen muss." Immerhin dauerte es dann noch vier weitere Monate.

Nun wagt der 21-Jährige den Sprung in die beste und ausgeglichenste Liga der Welt und tritt in die Fußstapfen seines Vaters Alf-Inge, der von 2000 bis 2003 bei City spielte.

Haalands muskuläre Probleme könnten Schwierigkeiten bereiten

Mit seiner wuchtigen Art passt Haaland perfekt in den dynamischen Fußball in der Premier League. Fraglich ist nur, wie gut er im variablen Kombinationsspiel der Citizens klarkommen wird. Und dann ist da noch die Gesundheit des Angreifers.

In seiner Zeit in Dortmund fehlte Haaland immer wieder mit muskulären Problemen und Muskelfaserrissen. Zuletzt verpasste er von Ende Januar bis Anfang März aus diesem Grund sechs Spiele.

Erling Haaland (r.) jubelt auf der BVB-Tribüne.
Erling Haaland (r.) jubelt auf der BVB-Tribüne.Bild: www.imago-images.de / Maik Hölter/TEAM2sportphoto

Mit 38 Liga-Spielen hat die Premier League vier Spieltage mehr als die Bundesliga. Neben der Champions League kommen mit FA Cup und Ligapokal zwei weitere Pokalwettbewerbe dazu.

Der FC Liverpool um Trainer Jürgen Klopp ist aktuell in allen Wettbewerben bis zum Schluss vertreten und wird in dieser Saison insgesamt 63 Spiele absolviert haben. Hinzu kommen für die Spieler noch Reisen mit der Nationalmannschaft.

Der Anspruch von Manchester City ist es auch in jedem Wettbewerb bis zum Ende vertreten zu sein – die Belastung für den Angreifer wird somit vermutlich sogar noch höher.

Manchester City

Seit seiner Ankunft 2016 bei Manchester City investierte Pep Guardiola knapp über eine Millarden Euro in neue Spieler. Zwar gewannen die Citizens seitdem in den vergangenen vier Jahren dreimal die Premier League, doch auf den prestigeträchtigen Champions-League-Titel warten die Besitzer aus Abu Dhabi bis heute vergeblich.

Mit Haaland hat Guardiola nun einen anderen Stürmertypen als in seinen bisherigen Jahren in Manchester. Sergio Agüero, der im vergangenen Sommer nach Barcelona wechselte und mittlerweile seine Karriere beendet hat und der aktuell gesetzte Gabriel Jesus sind schnelle, wendige Spieler, wie sie zu Guardiolas Stil passen.

Mit dem fast zwei Meter großen Norweger kommt nun mehr Wucht in das Offensivspiel der Engländer. Eine Komponente, die City beim Halbfinal-Aus gegen Real Madrid auch gefehlt hat.

Im Champions-League-Viertelfinale im vergangenen Jahr traf Haaland (l.) bereits auf Manchester City und unterhielt sich mit Phil Foden.
Im Champions-League-Viertelfinale im vergangenen Jahr traf Haaland (l.) bereits auf Manchester City und unterhielt sich mit Phil Foden. Bild: imago images / imago images

Fraglich nur, ob Haaland wirklich das fehlende Puzzlestück ist, um die Champions League zu gewinnen.

Für Liverpool-Trainer Klopp ist eine Sache klar: "Wenn Erling Haaland dorthin geht, wird es sie nicht schwächen, definitiv nicht."

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