Kingsley Coman (l.) und Joshua Kimmich vom FC Bayern.
Kingsley Coman (l.) und Joshua Kimmich vom FC Bayern.
Bild: sampics / Christina Pahnke
Analyse

Dank dieser Tricks wechselten Kimmich und Coman zum FC Bayern

12.04.2021, 09:08

Flanke Kimmich, Kopfball Coman und der Ball ist im Tor. Diese Kombination sorgte am 23. August 2020 dafür, dass sich der FC Bayern in Lissabon zum Champions-League-Sieger krönte und zum zweiten Mal in der Vereinsgeschichte das Triple gewann. Michael Reschke arbeitet zwar schon seit 2017 nicht mehr bei den Münchnern, hat jedoch einen enormen Anteil an diesem historischen Erfolg im vergangenen Sommer.

"Nach dem Finalsieg hat mir Karl-Heinz Rummenigge noch eine sehr nette Nachricht geschrieben, die mich gerührt hat", erzählt der ehemalige Technische Direktor des FC Bayern im Sport1-Podcast "Meine Bayern-Woche".

Reschke arbeitete von 2014 bis 2017 als Technischer Direktor eng mit dem damaligen Sportvorstand Matthias Sammer beim FC Bayern zusammen. Er war vor allem für die Sichtung von jungen Talenten und die Abwicklung von Transfers zuständig. Reschkes Einfluss auf den Bayern-Kader ist noch heute zu sehen. Er holte unter anderem Serge Gnabry, Niklas Süle, Arturo Vidal, Xabi Alonso oder eben Kimmich und Coman nach München. Bei diesen beiden musste er jedoch ganz spezielle Verhandlungs-Tricks anwenden.

Michael Reschke arbeitet in der Bundesliga zudem für Leverkusen, Stuttgart und Schalke.
Michael Reschke arbeitet in der Bundesliga zudem für Leverkusen, Stuttgart und Schalke.
Bild: RHR-FOTO / RHR-FOTO/Tim Rehbein

Bei Kimmich machte Reschke den Bayern-Bossen große Versprechungen

Kimmich war zu diesem Zeitpunkt bei RB Leipzig unter Vertrag, die noch in der dritten Liga spielten. Doch bei der U-19-EM 2014 überzeugte der Mittelfeldspieler Reschke auf Anhieb. Die Münchner rechneten dabei zunächst mit einer Ablösesumme von vier bis viereinhalb Millionen Euro.

Da RB Leipzig bereits damals ebenfalls finanzstark war und an einer langfristigen Verpflichtung von Kimmich interessiert war, mussten die Münchner jedoch die doppelte Summe an Ablöse bezahlen. "Es war eine Hürde, den Verantwortlichen klarzumachen, dass man dieses Geld für einen 19-Jährigen ausgeben muss, der noch nie zuvor Bundesliga gespielt hat", erzählt Reschke im Podcast. Auch Vorstandsboss Rummenigge sei zunächst skeptisch gewesen. "Das ist auch für Bayern München unüblich und viel Geld", soll er zum Technischen Direktor gesagt haben.

Joshua Kimmich ist im Mittelfeld des FC Bayern unverzichtbar.
Joshua Kimmich ist im Mittelfeld des FC Bayern unverzichtbar.
Bild: dpa / Sven Hoppe

Doch der 63-Jährige war vollends überzeugt von Kimmich, der laut seiner Einschätzung beim Nachwuchsturnier 2014 der stärkste Spieler war. "Für einen zukünftigen Nationalspieler, der bei Bayern über Jahre eine tragende Rolle spielen wird, ist das nicht viel Geld", machte Reschke den Verantwortlichen klar und überzeugte sie so vom Transfer.

Bei Coman spielte der Mediendirektor plötzlich den Präsidenten

Dass Kingsley Coman am letzten Transfertag im August 2015 nach München wechselte, ist vor allem den schauspielerischen Künsten des Mediendirektors des FC Bayern zu verdanken. "Es kam immer noch was, aber ich wusste, ich muss den Deal festmachen. Es gibt keinen Euro mehr, kein weiteres Auto oder einen Wohnzuschuss. Dann bin ich kurz aus dem Raum gegangen und mir lief der Mediendirektor über den Weg", erinnert sich Reschke. "Ich habe ihm gesagt, er müsse mal kurz den Präsidenten spielen, der jetzt extra von zu Hause gekommen ist."

Kingsley Coman köpfte den FC Bayern zum Champions-League-Sieg 2020.
Kingsley Coman köpfte den FC Bayern zum Champions-League-Sieg 2020.
Bild: Markus Ulmer/Pressefoto Ulmer/Po / Markus Ulmer/Pressefoto Ulmer/Po

Dabei gab er ihm eine klare Regieanweisung. "Du musst mit der flachen Hand auf den Tisch hauen und immer 'no' sagen", erinnert sich der Rheinländer im Podcast. Nach fünf Minuten musste der "Präsident" dann natürlich wieder los. "Ich hatte gemerkt, dass die einfach falsche Vorstellungen hatten", erklärt er.

So stimmte Coman dem Transfer zu und verewigte sich mit seinem Treffer im Champions-League-Finale auf ewig in den Geschichtsbüchern der Münchner.

Meinung

Vier Gründe, warum sich der FC Bayern aktuell arrogant verhält

Beim FC Bayern scheint der Lockdown trotz der Sonderrolle des Fußballs wohl langsam seine Spuren zu hinterlassen. Oder die vergangenen Titelfeiern haben die Verantwortlichen eine ganz andere Realität erleben lassen. Anders ist es nicht zu erklären, dass Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge am Samstagabend im "Aktuellen Sportstudio" ganz selbstverständlich erklärt: "Wir sind nicht arrogant."

Nun gut. Wenn er das sagt, muss es wohl so sein. Aber ein Rückblick auf die vergangenen Äußerungen …

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