08.01.2020, Fussball 1. Bundesliga 2019/2020, FC Bayern M

Der FC Bayern fährt seit einigen Jahren regelmäßig ins Wintertrainingslager nach Katar. Bild: www.imago-images.de / Bernd Feil/M.i.S.

Analyse

"Beiße nicht die Hand, die dich füttert": Experte verrät, warum die europäischen Klubs nicht gegen die WM in Katar protestieren

"Human Rights", "Wir für 30", "Football Supports Change" – der Aufruf zur Achtung der Menschenrechte der deutschen, niederländischen und norwegischen Fußball-Nationalmannschaften sorgte bei den WM-Qualifikationsspielen in der vergangenen Woche für reichlich Aufregung. Zwar wurde der Name des kommenden WM-Gastgebers Katar dabei nicht explizit benannt, doch allen Beteiligten war klar, an wen sich die Botschaft richtet.

"Von deutschen Profivereinen erwarten wir im Zusammenhang mit der aktuellen Diskussion eine umgehende Beendigung jeglicher Geschäftsbeziehungen mit Institutionen, Firmen und Staaten, die systematisch Menschenrechte verletzen", erklärte die Fan-Vereinigung "ProFans" in einem Statement am Dienstag.

Dass sich die Protestaktionen gegen Katar aber auf die Vereinsmannschaften auswirken, ist ziemlich unwahrscheinlich.

Gerade, wenn wie am heutigen Mittwoch wieder Spiele in der UEFA Champions League anstehen, dürfen die Fans wohl kaum Kritik der Klubs in Richtung des Wüstenemirats erwarten – auch nicht von deutschen Vertretern wie Bayern München oder Borussia Dortmund. Viel zu sehr sind Teams wie die Münchner, deren Viertelfinal-Gegner Paris Saint-Germain oder der bereits ausgeschiedene FC Barcelona auf das Geld aus dem Emirat angewiesen.

"Und im Vergleich mit den anderen Ländern in der Region ist Katar jetzt ein Pionier."

Politikwissenschaftler Danyel Reichel im Deutschlandfunk zur Rolle Katars

"Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Vereine in eine direkte Konfrontation gehen. Gerade in der Corona-Situation und der ungeklärten Frage, wer etwaige Verluste bei einem Rückzug von Sponsoren wieder ausgleichen würde", sagt Markenexperte Prof. Dr. David Woisetschläger von der TU Braunschweig.

Dass beispielsweise Spieler wie Joshua Kimmich, Leroy Sané oder Leon Goretzka, die beim DFB für die Menschenrechte in Katar protestierten, dies auch beim FC Bayern machen, glaubt der Experte nicht. "Die Nationalmannschaft ist ein etwas neutralerer Bereich. Im Verein wäre die Kritik vermutlich zu direkt und die Spieler würden aufgrund vorhandener Sponsoring-Beziehungen des Vereins einen persönlichen Preis zahlen." Die staatliche Fluglinie "QatarAirways" ist einer der Platin-Sponsoren des FC Bayern.

Erst vor circa einem Monat veröffentlichten die Münchner einen Spot, bei dem sich Joshua Kimmich, Alphonso Davies und Leroy Sané an die Fans wenden, die aktuell nicht ins Stadion dürfen. Das Logo von "QatarAirways" ist in diesem Spot immer wieder gut zu sehen. "Der Verein schafft es sehr gut, das Thema einfach auszusitzen. Was fehlt, ist die kritische Auseinandersetzung", sagt Christopher Ramm vom Bayern-Blog "Miasanrot" gegenüber dem Deutschlandfunk.

Bei den europäischen Topklubs läuft es laut Woisetschläger eher nach dem Motto: "Beiße nicht die Hand, die dich füttert."

Die Initiative "ProFans" fordert nun aber dennoch von allen Akteuren, sich kritisch zum Thema zu äußern. "Zeigt Größe, nutzt eure Reichweite und Popularität, um auf Missstände aufmerksam zu machen und die konsequente Achtung von Menschenrechten einzufordern! Dabei darf es nicht bei plakativen Bekundungen bleiben. Setzt euch kritisch mit der Lage vor Ort auseinander und nutzt eure mediale Präsenz für Aufklärung", heißt es in der Stellungnahme vom Dienstag.

Protest der DFB-Elf wirkt unglaubwürdig

So äußerte Real Madrids Toni Kroos bereits während der Länderspielpause in der vergangenen Woche in seinem Podcast "Einfach mal Luppen" als erster DFB-Spieler öffentlich Kritik an den Umständen der über zwei Millionen Arbeitsmigranten im Land. Dabei wurde er von vielen Seiten gelobt.

Im Gegensatz dazu wollte das DFB-Team mit Plakaten und Bannern indirekt auf die Missstände in Katar aufmerksam machen, doch die Aktionen kamen bei den Fans gar nicht gut an. "Aufgrund der zahlreichen Verfehlungen des DFB in den vergangenen Jahren ist das Image schon angekratzt. Eine eigentlich positive Maßnahme hat so einen relativ schweren Stand, um als glaubwürdig wahrgenommen zu werden", sagt David Woisetschläger.

Aufgrund der fehlenden Glaubwürdigkeit und der Kommerzialisierung des DFB, wirke eine solche Aktion dann schnell "aufgesetzt und nicht authentisch".

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Prof. Dr. David Woisetschläger von der TU Braunschweig. Bild: AIP/TU Braunschweig / Christian Thies

Zudem müsse man auch immer hinterfragen, warum die Spieler sich gerade jetzt dazu äußern. "Das Thema ist schon ewig bekannt und bislang gab es relativ wenig Engagement. Außerdem waren die Aussagen sehr allgemein, wer soll da dagegen sein", erklärt der Experte.

Vergleich zwischen Deutschland und
Katar nicht zielführend

Für Danyel Reiche, Politikwissenschaftler an der Georgetown Universtität in Doha sind die Proteste ein wenig unverständlich, laut ihm kann das Turnier in Katar nur Gutes bewirken. "Ich denke, die Fußball-Weltmeisterschaft wird in die Sportgeschichte eingehen als das Sportgroßereignis, das ein Land am meisten kulturell, politisch und ökonomisch verändert hat", sagte er dem Deutschlandfunk.

Dabei sei es vor allem wichtig, Katar nicht mit Ländern wie Deutschland oder Norwegen zu vergleichen. "Und im Vergleich mit den anderen Ländern in der Region ist Katar jetzt ein Pionier. Und der Druck, der ausgeübt werden sollte, ist nicht nur gegenüber Katar, sondern auch gegen Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten – dass die dem positiven Beispiel Katars folgen", sagte Reiche dem Deutschlandfunk. Denn zwar hätte es bei der Umsetzung der Arbeitsmarktreformen Probleme gegeben, doch ihn stimme positiv, dass nun auch lokale Medien über die Verfehlungen berichten würden.

Mit Toni Kroos' öffentlicher Kritik kann der Politikwissenschaftler wenig anfangen, da sein Gehalt bei Real Madrid auch durch die Sponsorenzahlungen des Hauptsponsors "FlyEmirates", der staatlichen Fluglinie der Vereinigten Arabischen Emirate, bezahlt wird. "Sicherlich ist seine Stellungnahme sehr selektiv, und Menschenrechte sind universell, und er sollte auch unter anderem die miserablen Arbeitsbedingungen der Flugbegleiterinnen und Flugbegleiter bei Emirates ansprechen."

Laut David Woisetschläger müsse man vor dem Hintergrund eines Boykotts generell hinterfragen, ob die Gesellschaft die Bedeutung des Sports nicht überlädt. "Denn welche großen internationalen Sport-Events hätten dann in den vergangenen Jahren überhaupt stattfinden können?"

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