Julian Nagelsmann (Mitte) während einer seiner ersten Trainingseinheiten beim FC Bayern.
Julian Nagelsmann (Mitte) während einer seiner ersten Trainingseinheiten beim FC Bayern.
Bild: Revierfoto / Revierfoto
Analyse

Zwischen sinnvollen Verstärkungen und dem Ziel, Konkurrenten zu schwächen: Wie der FC Bayern in der Transferphase ein altes Klischee bediente

02.09.2021, 17:14

Julian Nagelsmann, da noch Trainer bei RB Leipzig, machte im April 2021 eine deutliche Ansage: "Ich werde jetzt nicht einen T6 mieten [...], um nach München zu fahren und im Schlepptau den ein oder anderen guten Spieler von Leipzig dabei zu haben."

Rund vier Monate später stellt sich die Situation nun aber ziemlich anders dar. Nagelsmann bräuchte mindestens einen T6-Bus, damit alle Spieler und Mitarbeiter seines Trainerstabs, die sich mit ihm auf den Weg zum FC Bayern machten, auch einen Sitzplatz hätten.

Während andere europäische Top-Klubs wie Paris, die Manchester-Vereine oder Chelsea ihre Teams mit zahlreichen Top-Stars verstärkten und Ablösesummen von über 100 Millionen für einen Spieler bezahlten, hielten sich die Münchner auf dem Transfermarkt mit internationalen Neuzugängen zurück. Doch immerhin überwiesen auch sie in diesem Sommer über 80 Millionen Euro allein nach Leipzig. Und in Fußball-Deutschland kam schnell der Eindruck auf, dass die Bayern ein altbewährtes Transfermodell reaktiviert hätten. Den wohl stärksten Konkurrenten schwächen, indem man einfach seine besten Spieler und den Trainer nach München holt.

Auf eine ganz so einfache Stammtischparole lässt sich die Transferpolitik des deutschen Rekordmeisters in diesem Sommer aber nicht herunterbrechen, denn bei genauerer Betrachtung sind die Wechsel durchaus nachvollziehbar.

Nagelsmann forderte unterschwellig Verstärkungen

Anders als sein Vorgänger Hansi Flick machte Julian Nagelsmann während der Vorbereitung immer wieder deutlich, dass er öffentlich keine Verstärkungen einfordern werde. Dennoch unterstrich er bei allen öffentlichen Auftritten, dass es die Pflicht von allen handelnden Personen sei, stets ein Auge auf den Transfermarkt zu werfen, um zu schauen, wie man die Mannschaft noch verstärken kann.

Denn gerade in einer Saison mit einer Europameisterschaft ist es für Trainer besonders schwer, mit ihren Teams eine vernünftige Vorbereitung zu absolvieren. Zahlreiche Nationalspieler sind länger im Urlaub und steigen erst verspätet ins Training ein. Einige Bayern-Stars wie Goretzka, Gnabry, Kimmich oder auch Lewandowski absolvierten vor Saisonbeginn lediglich ein Testspiel über 45 Minuten unter dem neuen Trainer. So war es für den Coach besonders schwierig, seine neuen Ideen zu vermitteln und für Automatismen innerhalb der Mannschaft zu sorgen.

Sollen die Zukunft des FC Bayern prägen: Joshua Kimmich (l.), Jamal Musiala (Mitte) und Trainer Nagelsmann
Sollen die Zukunft des FC Bayern prägen: Joshua Kimmich (l.), Jamal Musiala (Mitte) und Trainer Nagelsmann
Bild: SVEN SIMON / Frank Hoermann / SVEN SIMON

Dass es im Spiel der Münchner noch häufig Abstimmungsprobleme innerhalb und zwischen den einzelnen Mannschaftsteilen gibt, war beim 1:1 zum Auftakt in Gladbach und beim 3:2-Sieg gegen Köln deutlich zu sehen.

Zehn Abgänge und lediglich vier Neuzugänge

Zudem findet beim FC Bayern seit mittlerweile drei Jahren ein sukzessiver Kaderumbruch statt, der auch damit einhergeht, dass der Kader zugunsten der Kostenoptimierung immer kleiner wird.

"Unser Weg ist ganz klar: Wir werden noch stärker auf den Nachwuchs und unseren Campus setzen."
Bayern-Präsident Herbert Hainer

Allein in diesem Transfersommer verließen gleich zehn Spieler den Verein. Doch nicht nur die Anzahl der Spieler ist weniger geworden, sondern mit den Abgängen von David Alaba (Real Madrid), Javi Martinez (Qatar SC) und Jérôme Boateng (Olympique Lyon), ging jede Menge Erfahrung und Geld verloren. Denn alle drei verließen den Verein ablösefrei.

Diese Abgänge sollten hingegen mit den Zugängen Dayot Upamecano und Marcel Sabitzer, die man für insgesamt 57,5 Millionen Euro aus Leipzig holte, und den ablösefreien Omar Richards (FC Reading) und Sven Ulreich (Hamburger SV) kompensiert werden. Für weitere kostspielige Neuzugänge fehlte dem FC Bayern einfach das nötige Geld. Einerseits reißen die Auswirkungen der Corona-Pandemie noch immer ein Loch in die Kassen der Münchner und zum anderen zahlten sie über 25 Millionen Euro Ablöse für Trainer Nagelsmann an RB Leipzig.

Trainer, Abwehrchef und Kapitän des ärgsten Verfolgers nun in München

Dass Nagelsmann zuvor noch beteuerte, keine Spieler aus Leipzig nach München zu nehmen, und nun mit Upamecano seinen Leipziger Abwehrchef und mit Marcel Sabitzer seinen Kapitän bei RB in München begrüßt, hinterlässt auf den ersten Blick einen ziemlich faden Beigeschmack.

Doch aus Sicht des FC Bayern sind die beiden Verpflichtungen auf mehreren Ebenen ausgesprochen sinnvoll. Denn aufgrund der komplizierten Vorbereitung braucht der Trainer Spieler, die seine Idee vom Fußball bereits komplett verinnerlicht haben und sofort auf dem Platz umsetzen können.

"Nagelsmann, Upamecano und Sabitzer dürften also nicht die einzigen und letzten RB-Akteure sein, die den Weg nach München gegangen sind."

Upamecano ist trotz seiner erst 22 Jahre bereits einer der besten, wenn nicht sogar der beste, Innenverteidiger der Bundesliga. Die Bayern waren nach den Abgängen von Boateng und Alaba auf der Suche nach einem neuen Abwehrchef und haben ihn in dem Franzosen gefunden. Upamecano kennt den Fußball unter Nagelsmann bestens, konnte bereits in der Champions League Erfahrung sammeln und ist dank seiner Ausstiegsklausel von 42,5 Millionen verglichen mit seinem Potenzial ein absolut sinnvolle und richtige Investition gewesen.

Dayot Upamecano (l.) spitzelt Herthas Suat Serdar den Ball weg. Bisher spielte er in allen drei Bundesligapartien von Beginn an.
Dayot Upamecano (l.) spitzelt Herthas Suat Serdar den Ball weg. Bisher spielte er in allen drei Bundesligapartien von Beginn an.
Bild: Jens Niering / Jens Niering

Bei Marcel Sabitzer entsteht auf den ersten Blick der Eindruck eines verspäteten Panikkaufs. Schließlich gab es zwar schon länger Spekulationen, aber offiziell wurde der Deal erst einen Tag vor dem Ende der Transferphase. Zumal die Münchner allein aufgrund der Anzahl und Namen an Spielern im zentralen Mittelfeld eigentlich ziemlich gut besetzt sind.

Doch hinter der Leistungsfähigkeit von Marc Roca, der mit einem Bänderriss im Sprunggelenk ausfällt, Corentin Tolisso, der aufgrund seiner vielen Verletzungen eigentlich den kompletten Sommer als Verkaufskandidat galt und Michael Cuisance, dessen Vorbereitung Nagelsmann als "so lala" bezeichnete, steht ein großes Fragezeichen. Sabitzer hingegen kann dem Team sofort weiterhelfen. Er kennt das Land, die Liga und den Trainer und braucht keine lange Anpassungszeit.

Und im Vergleich zu den aktuellen Preisen auf dem Transfermarkt ist ein Spieler mit seiner Klasse ein echtes Schnäppchen. Einen Spieler von internationalem Format für gerade einmal 15 Millionen Euro Ablöse hätten die Münchner nicht in England, Frankreich, Italien oder Spanien gefunden.

Neuzugang Marcel Sabitzer war schon als Kind großer Fan des FC Bayern.

Vorbilder Musiala und Stanišić

Doch im Wettbieten der Scheichklubs um die höchste Ablösesumme für europäische Topstars können die Münchner nicht mithalten. Daher ist es in gewisser Weise nur vernünftig, wenn Bayern-Präsident Hainer in der "Sport Bild" erklärt: "Unser Weg ist ganz klar: Wir werden noch stärker auf den Nachwuchs und unseren Campus setzen." Die besten Beispiele liefern dabei aktuell Jamal Musiala und Josip Stanišić, die unter Nagelsmann regelmäßig in der Startelf stehen. Und auch der Coach hat bereits bei seiner Präsentation Anfang Juli erklärt, dass es das große Ziel sein muss, den Nachwuchscampus mehr einzubinden.

Ein Vorbild könnte dabei in gewisser Weise ausgerechnet RB Leipzig sein. Zwar gibt es bei den Sachsen aktuell keinen Spieler im erweiterten Kader der ersten Mannschaft, der aus der RB-Jugend stammt, dennoch schaffen es die Leipziger immer wieder junge, talentierte Spieler aus den europäischen Ligen zu holen, diese schnell und gut weiterzuentwickeln und anschließend für viel Geld an Teams wie eben den FC Bayern, den FC Liverpool oder den FC Chelsea zu verkaufen.

Doch der FC Bayern will kein Ausbildungsverein für die europäische Elite werden, sondern möchte auch international konkurrenzfähig bleiben. Damit die Münchner aber weiterhin nicht das Spiel mit den irrwitzigen Ablösesummen mitmachen müssen, werden sie nicht drum herumkommen, die besten Spieler der nationalen Konkurrenten für eine vermeintlich geringe Summe nach München zu lotsen. Nagelsmann, Upamecano und Sabitzer dürften also nicht die einzigen und letzten RB-Akteure sein, die den Weg nach München gegangen sind.

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