Hasan Salihamidžić sieht einige Probleme beim FC Bayern ein.
Hasan Salihamidžić sieht einige Probleme beim FC Bayern ein. Bild: IMAGO images/MIS

Fehlendes "Fingerspitzengefühl": Bayern-Boss äußert sich zu Kritik an Nagelsmann

11.09.2022, 14:16

Am Sonntag war Hasan Salihamidžić im "Sport1"-Stahlwerk Live Talk zu Gast. Dort sprach er unter anderem über die verschlechterte Leistung des FC Bayern in dieser Saison, verlorene Punkte und die Kritik an Trainer Julian Nagelsmann.

Obwohl der FC Bayern die Tabelle aktuell anführt, haben sie keinen wie sonst üblichen Punktevorsprung. Darauf angesprochen räumte Hasan Salihamidžić ein, dass vor allem das Unentschieden gegen den VfB Stuttgart am Samstag nicht gut gewesen sei. Das wisse auch jeder. Besonders gegen Stuttgart und Gladbach hätten sie gewinnen müssen, betonte der Sportvorstand:

"Uns fehlen vier Punkte, bei Union kann man mal die Punkte teilen, aber gegen Gladbach und Stuttgart hätten wir gewinnen müssen."

Julian Nagelsmann ist im "Lernprozess"

Verantwortlich dafür wurde in der Show besonders Trainer Julian Nagelsmann gemacht. So wurde Salihamidžić die Frage gestellt, warum "die Bayern unter Nagelsmann nicht stabil und souverän" seien. Der Sportdirektor sagte daraufhin, dass er mit Nagelsmann schon gesprochen habe. Er habe ihm beispielsweise gesagt, dass ihm ein Unentschieden teilweise lieber als schlechte Stimmung sei. Gleichzeitig gestand Salihamidžić auch ein, dass der Trainer die Mannschaft verändert hat.

"Der Trainer hat auch die Mannschaft verändert, ein bisschen sehr verändert, was auch okay war."

Es brauche noch "Fingerspitzengefühl" bei Julian Nagelsmann, aber laut Salihamidžić finde er gerade noch seinen Stil. Das liege auch an dem neuen Kader, den der junge Trainer so noch nie gehabt habe. Angesprochen auf die angebliche Unzufriedenheit innerhalb der Mannschaft mit seiner Kommunikation räumte Salihamidžić ein, dass Nagelsmann viele Gespräche führe, aber dass es auch ein "Lernprozess" sei. Dennoch müsse der Trainer Entscheidungen treffen und diese verantworten.

Lobby-Vorwürfe gegen den FC Bayern wegen Kimmich

Besonders heiß diskutiert wurde nach dem Spiel gegen Stuttgart auch der Foul-Vorfall bei Joshua Kimmich. Der Nationalspieler hatte sich nach einem leichten Zupfen von Chris Führich an seinem Trikot zu Boden geworfen, wodurch letztendlich ein Tor der Schwaben zurückgenommen wurde.

Die Stuttgarter konnten diese Entscheidung nicht nachvollziehen, woraufhin Sportdirektor Sven Mislintat gegenüber "Sport1" sogar von einer Lobby der Bayern sprach:

"Wenn du bei Bayern spielst, musst du mit dieser Lobby, die sie sich einfach erarbeitet haben, umgehen."
Sven Mislintat, Sportdirektor des VfB Stuttgart

Diesen Vorwurf wies Salihamidžić, aber auch ein geladener Schiedsrichter in der Talkrunde zurück. Der zum Fall befragte Schiedsrichter betonte dabei, dass es "populistisch" und "an den Haaren herbeigezogen" sei, von einer Bayern-Lobby zu sprechen. Dennoch sah der Bayern-Boss auch den Fehler auf der Seite seines Spielers, indem er sagte, Kimmich würde so etwas in Zukunft nicht mehr machen:

"Das wird er nicht mehr machen, lass uns das mal abschließen."

Respekt vor Lewandowski als Gegner

Da Robert Lewandowski am kommenden Dienstag mit dem FC Barcelona in die Allianz-Arena zurückkehren wird, war auch er erneut Thema in der Runde. Dabei wurde der Sportdirektor der Münchner auch direkt damit konfrontiert, dass es beim FC Bayern nun drei Spiele kein Stürmertor gab – Tore, die in der vergangenen Saison meist Lewandowski schoss. Salihamidžić freue sich jedoch auf das Spiel und betonte, keine Angst zu haben:

"Wir haben keine Angst, überhaupt nicht, aber Respekt vor jedem Gegner."

Auch auf persönlicher Ebene habe der Bayern-Boss angesichts des unschönen Abschieds nicht vor, zu pfeifen, wenn Lewandowski den Platz betrete. Diesbezüglich vertraue er auch auf das Gespür der Fans in diesem Moment. Gezielt werde sich die Mannschaft aber dennoch auf ihren ehemaligen Leistungsträger vorbereiten, verkündete Salihamidžić. Nagelsmann würde sie darauf einstellen, aber auch die Jungs würden wissen, wie sie gegen ihn spielen.

Dass in dieser Saison die klassische Nummer neun im Kader des FC Bayern fehlt, ist jedoch nach wie vor Thema. Angesprochen auf diese Veränderung bestätigte der Sportdirektor, schon danach gesucht, aber "eben keinen gefunden" zu haben. Hasan Salihamidžić vertraue dabei aber auch auf "einige Jungs, die da reinwachsen sollen" – unter anderem Sadio Mané.

(crl)

0 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Fan-Frust und Baumgart-Wiedersehen: So läuft die Modeste-Rückkehr mit dem BVB zum Ex-Klub

Lange war Anthony Modeste einer der größten Fan-Lieblinge beim 1. FC Köln. Mit seinem Wechsel im Sommer zu Borussia Dortmund stehen nun einige Fans dem Franzosen kritisch gegenüber. Samstag kehrt der Stürmer nun mit dem BVB zurück zu seinem Ex-Klub nach Köln.

Zur Story