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Stolz praesentiert Bastian Schweinsteiger seine Weltmeistermedaille bei der Verleihung seines Sternes auf dem Walk of Fame in der FC Bayern Erlebniswelt in der Allianz Arena am 27. August 2018 in Muenchen. *** Bastian Schweinsteiger proudly presents his world champion medal at the award ceremony of his star on the Walk of Fame in the FC Bayern Erlebniswelt in the Allianz Arena

Goldig: Bastian Schweinsteiger zeigt seine Weltmeistermedaille bei der Verleihung seines Sternes auf dem Walk of Fame in der FC Bayern Erlebniswelt in der Allianz Arena im Jahr 2018. Bild: imago sportfotodienst / Schiffmann

Schweiger ehrt Schweinsteiger: Satz von Rummenigge ist einzige Überraschung

Filme von Til Schweiger haben in der Regel eine Sache gemeinsam: Am Schluss sind alle glücklich. Oder zumindest gibt es etwas, das Mut macht, damit die Zuschauer mit einem guten Gefühl nach Hause gehen. Es gibt immer Hoffnung, selbst wenn der Held am Ende stirbt. Das kann er, der Schweiger.

Auch Schweigers neue Produktion mit dem angestrengt wortverspielten Titel "Schw31ns7eiger: Memories – Von Anfang bis Legende" folgt diesem Muster. Die Dokumentation über Bastian Schweinsteiger, bei der Robert Bohrer Regie führte, ist ein typischer Schweiger-Film. Starke Farben, schöne Menschen, gutes Licht, Happy End.

Keine Angst: Der Held der Doku, Bastian Schweinsteiger, ist am Ende natürlich nicht gestorben, sondern nur im Ruhestand. Aber er muss kurz vorm Abspann nochmal eine Niederlage einstecken. Wie so oft in seiner Karriere, die der ehemalige Fußballprofi im vergangenen Jahr beendete.

Schweinsteiger-Doku von Til Schweiger: Der Rio-Held im Ruhestand

Die 2:6-Niederlage im Tennis gegen seine Ehefrau Ana Ivanovic zum Schluss der 113-minütigen Dokumentation hat allerdings etwas Versöhnliches und viel Schweiger-Harmonie. Schweinsteiger ärgert sich zwar, aber er lacht dabei. Der Ehrgeizige darf jetzt verlieren. Der Held ist jetzt Rentner.

Seine Wertanlage fürs Alter sind dabei natürlich die zig Millionen Euro, Pfund und Dollars, die er als Profifußballer verdient haben dürfte, und, viel wichtiger, die zahlreichen Erinnerungen. Die seien "das Wichtigste, das man haben kann. Ich will irgendwann zu Hause sitzen mit meiner Familie und über Erinnerungen sprechen", betont der 35-Jährige ganz zu Anfang des Films, dessen Dramaturgie sich eigentlich von ganz allein ergeben hat.

Schweinsteigers Karriere als Drehbuchvorlage für ein modernes Heldenepos

Denn die Laufbahn des Mittelfeldspielers bietet schon alles, was ein Heldenepos braucht. Schweinsteigers Karriere war die Vorlage für das perfekte Drehbuch. Schweiger und seine Produktionsfirma mussten sie nur noch versenken.

Und so zeichnet der Film den von Tiefpunkten und Triumphen geprägten Weg des Jungen aus Oberaudorf nach: Die Sportskanone Basti, die auch Skifahrer hätte werden können; der freche Bayern-Youngster, der in der Nuller Jahren zunächst eher mit Frisuren-Fauxpas als Top-Leistungen auffiel, wofür ihn Uli Hoeneß und Oliver Kahn rüffelten; der Jungnationalspieler Schweini, der beim Confed-Cup 2005 gemeinsam mit Spezi Lukas Podolski eine neue Fußballeuphorie entfachte; der gereifte Schweinsteiger, der den verletzten Ballack 2010 bei der WM vertreten sollte und gar die Wachablösung schaffte; der 2012 im "Finale dahoam" Gescheiterte; der Wiederauferstandene, der ein Jahr später dann doch die Champions League gewann; der blutüberströmte Weltmeister 2014, dem Hoeneß und Kahn heute mit größtem Respekt begegnen; der ergraute Schweinsteiger, der nach den Iro-, Igel- und Vokuhila-Jahren mit schnieker Silbertolle in Chicago seine aktive Zeit als Fußballer beendete.

"Schw31ns7eiger: Memories – Von Anfang bis Legende" ist eine emotionale Dokumentation, die auch die jüngere deutsche Fußballgeschichte nacherzählt, die untrennbar mit den Erfolgen Schweinsteigers verbunden ist. Viele Weggefährten kommen zu Wort: Kahn und Hoeneß, David Alaba und Holger Badstuber, Jupp Heynckes und Louis van Gaal – um nur einige zu nennen. Dadurch schmort die Doku aber auch sehr im Bayern-Saft: Die meisten, die zu Wort kommen, stammen aus dem Rekordmeister-Kosmos oder es sind Freunde wie Ski-Star Felix Neureuther oder auch Til Schweiger. Der lässt es sich nämlich nicht nehmen, in der Doku seinen Senf dazu zu geben, indem er sich zum Beispiel als Zeitzeuge des Sommermärchens selbst vor die Kamera setzt.

Einschätzungen von ehemaligen Chicago-Mitspielern hingegen kommen leider bis auf pauschale Aussagen wie "He Is a humble guy" oder "He is a relentless winner" viel zu kurz, Ex-Kollegen von Manchester United kommen gar nicht zu Wort.

Ein Wohlfühlfilm mit Sommermärchen-Nostalgie, aber kaum Kritisches

Die Schweinsteiger-Doku ist ein Wohlfühlfilm mit viel Nostalgie, der tolle Unterhaltung bietet. Er packt damit auch Nicht-Fußballfans, wenn er das Scheitern und den Schmerz des Wettkampfs, all die Titel und Tränen in gefilterten Slow-Mo-Zweikampfbildern einfängt. Die kleinen Dramadetails des Sports, die bei vielen sonst untergehen, die ihn nur beiläufig verfolgen. Die Nachsynchronisation ("Hrmpf!" "Uah!") mancher Zweikampfszenen hätte man sich aber sparen können, das wirkt etwas übertrieben.

Kritisches Hinterfragen findet man in dem Film vor lauter Jubel und Kitsch nicht. Selbst eine Anekdote aus Uli Hoeneß' Gefängniszeit gerät da etwas zu romantisierend. Bastian Schweinsteiger hatte dem inhaftierten Hoeneß nach dem WM-Triumph in Brasilien Dankesworte via TV geschickt. Das, sagt Hoeneß im Rückblick, sei "unglaublich" gewesen. "Da hat es mich vom Bett rausgehauen, weil es eines meiner eindrücklichsten Erlebnisse war, das ich je gehabt habe", erzählt der Ehrenpräsident von Bayern München über einen besonderen Moment im Knast beim WM-Finale, das er allein in der Zelle schauen musste.

Kritik und Ana Ivanovic kommen kaum vor in der Schweinsteiger-Doku

Aber kritisch zu sein, das ist auch gar nicht der Anspruch der Doku. Das kann man schon an der Widmung "Für Ana und Bastian" ablesen. Der Film wirkt wie eine Art Freundschaftsdienst von Schweiger an der jungen Familie Schweinsteiger-Ivanovic. Doch selbst private Einblicke in das Leben der beiden kommen, wenn überhaupt, nur sehr spärlich vor. Ana Ivanovic bekommt kaum Redezeit. Man erfährt auch nicht so richtig, warum genau Schweinsteiger "kritisch", "sensibel", "empfindsam" oder "bodenständig" sei. Eigentlich dreht sich alles nur darum, wie dufte Schweini ist und wie sehr ihn alle bewundern.

Auch vieles Anderes bleibt außen vor. Vieles, wonach sich Sportfreaks aber die Finger lecken, wenn so eine Doku über einen Athlet erscheint: Unerwartete Bekenntnisse, bislang unbekannte Konflikte. So wie in "The Last Dance", der Doku über Michael Jordan, in der auch Spielsucht, ungerechte Gehälter und Feinde vorkommen.

Viele Fragen und Insights bleiben außerdem offen: Wer war Schweinsteigers schlimmster Gegenspieler? Wie genau wurde aus "Schweini", dem "Chefchen", der Führungsspieler Bastian Schweinsteiger, wie hat er sich seinen Stellenwert erarbeitet? Wie war das Verhältnis zu Pep Guardiola? Was sagt er im Nachhinein zum "Gaucho-Gate" nach dem WM-Sieg 2014 ("So gehen die Gauchos, die Gauchos, die gehen so. So gehen die Deutschen, ...")? Was genau hat er in seiner Zeit in den USA bei Chicago Fire erlebt, außer sein Abschiedsspiel, das den Film einrahmt? Und wie war das nochmal beim EM-Halbfinale 2016, als er sich gegen Frankreich ein folgenschweres Handspiel leistete?

Das spannendste Detail ist eine Anekdote von Karl-Heinz Rummenigge

Dass der Film all das nicht beantwortet oder höchstens anreißt, mag allerdings daran liegen, dass sich der Film sehr an die Dramaturgie der Jahre 2012 bis 2014 klammert. An die Aufs und Abs des Schweinsteigers. Alles weitere hätte sicher den Rahmen gesprengt. Dadurch erzählt der Film am Ende leider nicht viel Neues.

Und so bleibt das spannendste Detail der Doku eine Anekdote von Karl-Heinz Rummenigge. Der Bayern-Boss schaut laut eigener Aussage in jedem Sommerurlaub auf Sylt das "Finale Dahoam" von 2012 nochmal im Re-Live. Jedes Jahr das gleiche Match, 90 Minuten plus Verlängerung, Nachspielzeit und Elfmeterschießen.

Rummenigge stoppe Jahr für Jahr wieder andere Szenen, zoome auf die Gesichter der Spieler, analysiere die Körpersprache der Müllers, Neuers und Schweinis. Vorspulen, Zurückspulen. Seit nunmehr acht Jahren mache er das und er komme stets zum gleichen Schluss: Er verstehe es immer noch nicht, wie Bayern dieses Champions-League-Finale gegen Chelsea im Jahr 2012 verlieren konnte.

Fazit: Drehbuch-Vorlage sicher abgestaubt, aber es ist kein Tor des Jahres

"Schw31ns7eiger: Memories – Von Anfang bis Legende" ist die ins perfekte Licht gerückte Geschichte des bis dato letzten großen Idols des deutschen Fußballs. Die Doku über den Ausnahme-Athleten ist in sich und ihrem Kitsch schlüssig und schön anzusehen, gut erzählt, aber etwas zu hätschelnd. Schweigers Helden-Geschichte taugt, aber lässt leider auch vieles aus. Der Mensch Bastian Schweinsteiger kommt etwas zu kurz.

Die Vorlage zum perfekten Drehbuch haben Schweiger und seine Produktionsfirma zwar sicher abgestaubt, doch man hätte diesen "Treffer" auch noch etwas raffinierter erzielen können. Dann wäre es aber wahrscheinlich kein Schweiger-Film geworden, an dessen Ende zumindest auf der Leinwand alle glücklich sind.

"Schw31ns7eiger: Memories – Von Anfang bis Legende" ist seit Freitag, 5. Juni, auf Amazon Prime Video verfügbar.

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