Cheftrainer und Chefvermittler: Hansi Flick (r.) löscht gerade mehrere Brandherde beim FC Bayern.
Cheftrainer und Chefvermittler: Hansi Flick (r.) löscht gerade mehrere Brandherde beim FC Bayern.Bild: imago images/Sven Simon/frank hoermann

Flick vermittelt im Torwart-Streit – gibt Salihamidzic aber noch einen mit

24.04.2020, 15:4924.04.2020, 16:18

In den vergangenen Wochen gab es viel Knatsch beim FC Bayern München. Die Geschehnisse im Schnelldurchlauf: Die noch nicht erfolgte Vertragsverlängerung von Kapitän und Stammtorwart Manuel Neuer gipfelte in einem öffentlichen Streit zwischen Klub und Spieler sowie seinem Berater um nach außen gedrungene angebliche Verhandlungsdetails. Bayern ärgerte sich über zu hohe Laufzeit- und Gehaltsforderungen. Das Leck, durch das diese Infos sickerten, ärgerte wiederum Neuer.

Im Dunste dieses Zanks flackerte dann auch noch eine Nebendebatte über die künftige Torwarthierarchie beim Rekordmeister auf. Erstens sieht Neuer keine Veranlassung, vom "Protagonist" zum "Statist" zu werden, wenn bald Torwart Alexander Nübel bei Bayern spielt. Zweitens: Je länger Neuer (Vertrag bis 2021) noch beim FCB bleibt, desto länger müsste auch Nübel, der in der kommenden Saison nach München wechselt (Vertrag bis 2025), auf der Bank weilen.

Wenn er es überhaupt bis auf die Bank schafft, denn Sven Ulreich und Christian Früchtl, die aktuellen Torhüter zwei und drei bei den Bayern, wollen da auch noch ein Wörtchen mitreden. Beziehungsweise deren Berater. Das ging so weit, dass sich Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge offenbar genötigt sah, eine offizielle Stellungnahme herauszugeben, in der er sich "abwertende Kommentare von Spielerberatern grundsätzlich verbittet" und klarstellt: Alle freuen sich auf Nübel.

FC Bayern: Die Wogen scheinen sich gerade allmählich zu glätten – Hansi Flick hat entscheidenden Anteil

So weit der Stand der Bayern-Dinge. Ganz schön viel los dafür, dass eigentlich Corona-bedingt gar nichts los ist im Fußball. Wie auch immer. Die Wogen scheinen sich allmählich wieder zu glätten, es sieht fast so aus, als hätten sich beim Rekordmeister bald alle wieder ein bisschen mehr lieb.

Da wäre zum Beispiel Manuel Neuer, der ja bereits im Interview mit "Bild am Sonntag" seine angeblichen Millionenforderungen relativierte, und jetzt seinen Trainer Hansi Flick in den höchsten Tönen lobte: "Er hat von Anfang an mit uns sehr mutig und offensiv gespielt", sagte der 34-Jährige im Leadership-Talk der DFB-Akademie: "Das liegt uns natürlich."

Einer der Besten: Manuel Neuer pariert im Training einen Ball.
Einer der Besten: Manuel Neuer pariert im Training einen Ball.Bild: imago images / kolbert-press/Ulrich Gamel

Der Nationaltorwart weiter: "Er versucht, jeden einzelnen Spieler weiterzubringen." Vor allem, wie Flick mit den Profis umgehe, schätzt Neuer: "Er ist sehr direkt, offen und ehrlich. Er ist ein sehr sympathischer Typ, dem man alles sagen kann und der auch selbst alles offen sagt. Er kann auch mal bestimmend etwas sagen. Er ist eine freundliche, nette und zugleich autoritäre Persönlichkeit."

Mit dieser Kombination aus positiven Eigenschaften, die Neuer da nennt, macht sich Flick gerade auf, all die Brandherde beim FC Bayern München gleichzeitig zu löschen, bevor sie sich zu einem großen Feuer ausweiten. Deutlich wurde das in dem Interview, das der empathische Trainer dem "Kicker"-Magazin vom Donnerstag gegeben hat.

Hansi Flick stärkt dem verärgerten Manuel Neuer den Rücken – aber auch seinem Stellvertreter Sven Ulreich

In der Frage um die Nummer eins im Bayern-Tor positionierte sich Flick ganz klar pro Neuer und stärkte seinen verärgerten Kapitän damit. Die Verpflichtung von Alexander Nübel ändere nichts an seinem Stammkeeper-Status: "Manuel Neuer ist eindeutig unsere Nummer eins, daran wird sich auch in der kommenden Saison nichts ändern", sagte der 55-Jährige.

Dieses Bekenntnis, dieser Schritt auf Neuer zu, dürfte auch Vorstand Oliver Kahn und Sportdirektor Hasan Salihamidzic freuen, die einen neuen Vertrag mit dem Torwart noch ausknobeln müssen. Das verbessert die Verhandlungsposition der Bayern.

Wichtiger Mann im Hintergrund: Sven Ulreich (r.) nimmt seine Rolle als Ersatzmann an.
Wichtiger Mann im Hintergrund: Sven Ulreich (r.) nimmt seine Rolle als Ersatzmann an.Bild: www.imago-images.de / ActionPictures

Doch auch seiner Nummer zwei stärkte Flick im "Kicker" den Rücken: Sven Ulreich, 31 Jahre alt und seit 2015 zuverlässiger Stellvertreter von Neuer, mache "seine Sache wirklich hervorragend", wie der Bayern-Coach befand, der auch nochmal den "Leistungsgedanken" beim Rekordmeister betonte. Ulreich wird das gerne hören.

Heißt für Novize Nübel: Der 23-Jährige müsste sich erstmal hinten anstellen und sich noch ein wenig gedulden. Aber: Laut Rummenigges Stellungnahme sind ja "alle Entscheidungsträger des FC Bayern inklusive Cheftrainer Hansi Flick sehr glücklich darüber, dass Alexander Nübel zur neuen Saison Spieler des FC Bayern wird".

Auch Nübel bekommt ermutigende Worte von seinem künftigen Coach – dabei lobt Flick auch Salihamdizic

Und auch der Coach selbst wählt, was den Noch-Schalker betrifft, die richtigen, ermutigenden Worte für den Keeper, der zuletzt patzte und seinen Stammplatz auf Schalke verlor. Flick spricht von einer klugen Entscheidung, ihn zu holen, und nennt ihn den "besten deutschen Nachwuchskeeper":

"Wenn man den deutschen und internationalen Markt sieht, war es von unserem Sportdirektor Hasan Salihamidzic eine sehr gute und strategisch kluge Entscheidung, Alexander Nübel zu holen, zudem noch ablösefrei (...). Wenn du den besten deutschen Nachwuchskeeper verpflichten kannst, dann musst du es tun. Das hat Hasan wirklich super gemacht."
Hansi Flick im "Kicker"-Interview.

Flick lobt also gleichzeitig und ausdrücklich Salihamidzic. Damit löscht er gleich noch weitere Bayern-Feuer: Zum Einen ist das öffentliche Lob clever, da es zuletzt Gerüchte um einen angeblichen internen Machtkampf zwischen dem Trainer und seinem Sportdirektor gab. Zum anderen stärkt Flick auch Salihamidzic, der oft für seine Transferaktivitäten belächelt wird und dem in der Öffentlichkeit der Ruf anhaftet, mehr Maskottchen als Sportdirektor zu sein.

Trotz des Lobes: Einen kleinen Seitenhieb auf Salihamidzic kann sich Flick nicht verkneifen

Flick kam im "Kicker"-Interview aber nicht umhin, seinem Sportdirektor mit einem Satz doch noch eine kleine Spitze mitzugeben: "Wer letztendlich spielt, ist immer Sache des Trainers. Und diese Entscheidung spreche ich immer mit meinem Trainerteam ab." Damit meinte Flick sicher die angebliche Einsatzklausel über mehrere Spiele, die Salihamidzic Neuzugang Nübel für die Zukunft versprochen haben soll.

Sportdirektor und bald Sportvorstand beim FC Bayern: Hasan "Brazzo" Salihamidzic.
Sportdirektor und bald Sportvorstand beim FC Bayern: Hasan "Brazzo" Salihamidzic.Bild: reuters / ANDREAS GEBERT

Ein bisschen Zündstoff ist also doch noch da bei den Bayern. Wäre ja auch langweilig, so ganz ohne Knatsch.

(as)

Die schönsten Klopapier-Choreos

1 / 15
Die schönsten Klopapier-Choreos
quelle: imago images / eibner
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer
"Beziehung recht angespannt": Diese Probleme hat Ralf Rangnick mit Cristiano Ronaldo

Am vergangenen Mittwoch gab es wieder Grund zum Jubeln für Manchester United. Die "Red Devils" konnten nach zwei sieglosen Spielen in Folge Brentford in einer Nachholpartie mit 3:1 besiegen. Doch nicht jeder hatte ein Lächeln auf den Lippen.

Zur Story