Alphonso Davies verletzte sich im Spiel gegen Eintracht Frankfurt: Bis Jahresende muss der FC Bayern ohne den Linksverteidiger auskommen.
Alphonso Davies verletzte sich im Spiel gegen Eintracht Frankfurt: Bis Jahresende muss der FC Bayern ohne den Linksverteidiger auskommen.
Bild: agentur kolbert-press / imago images

Bayern-Star Davies verletzt: Jetzt wittern die nächsten Newcomer ihre Chance

26.10.2020, 16:3927.10.2020, 11:39

Bayern-Star Thomas Müller verteilte von Serge GOALbry bis Robert LewanGOALski schon den ein oder anderen Kosenamen für seine Teamkollegen. Besonders originell ist sein Wortspiel mit dem Goal im Nachnamen jedoch nicht: Wenn Leon Goretzka bald öfter ins Tor trifft, dürfte jedem klar sein, welchen Namen der Münchener Chef-Scherzkeks für ihn parat hat.

Für Alphonso Davies aber hat Müller tatsächlich einen etwas originelleren Spitznamen gefunden. Der Ex-Nationalspieler taufte ihn "Roadrunner des FC Bayern", in Anlehnung an den flinken Zeichentrickvogel aus der Serie "Looney Tunes".

Denn Davies ist mindestens genauso umtriebig wie der Cartoon-Vogel, der regelmäßig einen hungrigen Kojoten zur Weißglut treibt: Gerade noch mit einer Offensivaktion beschäftigt, taucht Davies nach Ballverlusten plötzlich – "Beep! Beep!" – schon wieder in der Defensive hinter seinen verdutzten Gegenspielern auf.

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Tatsächlich brach Phonzie, wie ihn seine Mitspieler auch gerne nennen, im Juni sogar einen Bundesliga-Geschwindigkeitsrekord, als bei ihm ein Speed von 36,5 Kilometer pro Stunde gemessen wurde. Schneller als er war seit Beginn der detaillierten Datenerfassung in der Liga niemand. Damit ist Davies sogar noch schneller als der real existierende Wegekuckuck, an den die "Looney Tunes"-Figur Roadrunner angelehnt ist; der schafft lediglich 32 Stundenkilometer, aber das nur am Rande.

FC Bayern München: Ausfall von Roadrunner Alphonso Davies bis Jahresende – "Just a Bump in the Road"?

Doch wer wie Davies in einem Affenzahn die Außenbahn auf und ab sprintet, der muss auch mal damit rechnen, zu stolpern. Und genau das ist nun am Samstag passiert. Bei einem Missgeschick in der zweiten Minute hatte er sich in der Partie gegen Eintracht Frankfurt (5:0) ein Band im rechten Sprunggelenk an-, ein weiteres ganz gerissen. Davies war ohne Einwirkung eines Gegenspielers umgeknickt.

Er selbst tat den Rückschlag bei Instagram und Twitter ein paar Stunden später tapfer als "Unebenheit in der Straße ab": Es sei "just a bump in the road", schrieb der Roadrunner. Im Englischen steht dieses Sprachbild für Gegebenheiten, die in der Regel nicht allzu ernst sind, für kleine Rückschläge.

Für Trainer Hansi Flick aber ist es offenbar ein eher größerer Rückschlag, er sprach geknickt von einem "Wermutstropfen". Kein Wunder, war Davies doch auf der Position des Linksverteidigers eine der Konstanten beim Triple-Erfolg der Bayern in der vergangenen Saison. Der 19-Jährige erlebte einen kometenhaften Aufstieg, er ergriff seine Chance, als Lucas Hernández verletzt war und David Alaba in der Innenverteidigung gebraucht wurde.

FCB-Trainer Hansi Flick: Verletzung von Davies "tut der Mannschaft weh"

"Wenn ein Spieler ausfällt in der Qualität von Alphonso Davies, dann tut das natürlich der Mannschaft weh", erklärte Flick. Der 55-Jährige rechnet mit einer Ausfallzeit von sechs bis acht Wochen, bis zum Jahresende müssen die Bayern also auf Davies verzichten. Die Hinrunde wäre für ihn damit gelaufen.

Alphonso Davies humpelt vom Platz, zwei Bayern-Docs greifen ihm unter die Arme. Im Hintergrund sorgen sich Kimmich, Alaba, Müller und Goretzka (v.l.).
Alphonso Davies humpelt vom Platz, zwei Bayern-Docs greifen ihm unter die Arme. Im Hintergrund sorgen sich Kimmich, Alaba, Müller und Goretzka (v.l.).
Bild: Pressefoto M.i.S./Pool / imago images

Für Flick keine leichte Aufgabe. Er muss sich nun nach Alternativen für die Position links in der Viererabwehrkette umsehen. "Wir müssen schauen, dass wir einfach auf der Position ein bisschen kreativ werden und trotzdem die Möglichkeit haben, immer mal wieder zu wechseln", sagte der Bayern-Coach nach dem Spiel gegen Frankfurt. Denn schon in dieser Woche stehen gleich wieder zwei Partien für den Rekordmeister an. Am Dienstag tritt der FCB gegen Lokomotive Moskau in der Champions League an, am Samstag geht's nach Köln zum Effzeh.

Aufgrund des eng getakteten Münchener Spielplans will Flick den wochenlangen Ausfall des verletzten Außenverteidigers beim FC Bayern mit verschiedenen Lösungsansätzen bewältigen.

FC Bayern: Lucas Hernández wird die Rolle von Davies einnehmen – doch wer wird der Stellvertreter-Stellvertreter?

Die erste Wahl auf der linken Abwehrseite scheint klar, sie heißt Lucas Hernández. Aber auch der französische Weltmeister soll nicht jede Partie bestreiten, der Stellvertreter von Davies braucht also auch einen Stellvertreter für den Notfall. Eine weitere Option für hinten links ist auch immer David Alaba. Der Österreicher spielte diese Position jahrelang und könnte mal wieder dort aushelfen. Doch Flick möchte den Abwehrchef offenbar lieber im Zentrum der Viererkette belassen.

Spielte 90 Minuten gegen seinen Ex-Klub Atlético in der Champions League (Foto), wurde gegen Frankfurt für Davies eingewechselt: Lucas Hernández (r.) kommt in Fahrt.
Spielte 90 Minuten gegen seinen Ex-Klub Atlético in der Champions League (Foto), wurde gegen Frankfurt für Davies eingewechselt: Lucas Hernández (r.) kommt in Fahrt.
Bild: Peter Schatz / imago images

Und so orakelte der Erfolgstrainer bereits am Samstagabend, dass unter diesen Umständen auch die nächsten Talente aus der Reservemannschaft ihre Chance bekommen könnten: "Wir haben auch noch eine U23. Eventuell ist da ein Spieler dabei, der immer mal wieder aushelfen kann", sagte Flick mit Blick auf die Drittliga-Mannschaft. Zudem gebe es Spieler im Profi-Kader, die auch mal links eingesetzt werden könnten, etwa Benjamin Pavard. Doch dies scheint nur im absoluten Notfall realistisch, Hernández' französischer Weltmeisterkollege fühlt sich eher rechts und zentral am wohlsten.

Aber welcher U23-Spieler könnte jener Mister X sein, der laut Flick "eventuell immer mal wieder aushelfen kann"?

Davies verletzt: Zwei Talente aus der U23 des FC Bayern könnten jetzt erstmals eine Chance bei den Profis bekommen

Einer heißt Rémy Vita. Der 19-jährige Franzose kam am letzten Tag der Transferperiode für 1,5 Millionen Euro von ES Troyes AC aus der Ligue 2 nach München. Sein Wechsel ging neben den Last-Minute-Verpflichtungen von Eric Maxim Choupo-Moting, Diego Costa et cetera etwas unter, zumal Vita eigentlich nur für die Reservemannschaft vorgesehen ist, um in der 3. Liga zu reifen.

Kann er sich auf die Vita schreiben: Nach Vorlage von Leon Dajaku (r.) erzielte Rémy Vita sein erstes Pflichtspieltor für Bayerns Reservemannschaft.
Kann er sich auf die Vita schreiben: Nach Vorlage von Leon Dajaku (r.) erzielte Rémy Vita sein erstes Pflichtspieltor für Bayerns Reservemannschaft.
Bild: www.imago-images.de / Mladen Lackovic

Doch der Außenverteidiger, der an der Säbener Straße einen Vertrag bis 2024 unterschrieben hat, machte just am vergangenen Wochenende auf sich aufmerksam, als er bei seinem U23-Startelfdebüt gegen Waldhof Mannheim mit dem spielentscheidenden Tor zum 2:0 glänzte. Nach Informationen des Portals "Sport 1" ist er eine "Linksverteidiger-Option" für die erste Mannschaft.

Alexander Lungwitz, geboren 2000 in München.
Alexander Lungwitz, geboren 2000 in München.
Bild: www.imago-images.de / Markus Fischer

Auch Alexander Lungwitz könnte eine Chance haben. Der deutsche U19-Nationalspieler ist 20 Jahre jung, ebenfalls Linksverteidiger und ein bayerisches Homegrown-Talent. Mit 13 Jahren wechselte der gebürtige Münchener in die FCB-Jugend. 2019 ließ man ihn aus der U19 zu Greuther Fürth ziehen, dort sammelte er vergangene Saison Regionalligaerfahrung in der zweiten Mannschaft der Kleeblätter. Im Sommer kehrte er dann auf Leihbasis aus Franken zu Bayern II zurück, der FCB sicherte sich dabei eine Kaufoption. Bislang absolvierte Lungwitz in dieser Saison fünf Spiele in der 3. Liga.

Auch Chris Richards könnte nach dem Davies-Ausfall künftig öfter im Kader stehen

Eine weitere und fast schon bewährte Option wäre für Flick, dass er den durch Davies' Verletzung frei gewordenen Platz auf der Bayernbank mit dem 20-jährigen Chris Richards auffüllt. Der US-Amerikaner stand in der jüngeren Vergangenheit bereits öfter im Profikader, dreimal durfte er dabei Bundesligaluft schnuppern.

Flachgelegt: Chris Richards (r.) überwindet Waldhof Mannheims Gillian Jurcher.
Flachgelegt: Chris Richards (r.) überwindet Waldhof Mannheims Gillian Jurcher.
Bild: www.imago-images.de / Feiner /Eibner-Pressefoto

Zwar ist Richards Innen- beziehungsweise Rechtsverteidiger, er wäre daher eher eine Option, falls Flick Alaba oder gar Pavard auf der linken Defensivseite aufstellen sollte. Allerdings ist Richards für den Champions-League-Kader gemeldet, dürfte notfalls also in allen drei Wettbewerben aushelfen, was für ihn spricht.

Wer auch immer in den kommenden Wochen Stellvertreter von Davies-Stellvertreter Lucas Hernández werden wird, Thomas Müller findet bestimmt einen Spitznamen für denjenigen...

Und für alle, die bis zum Ende gelesen haben, gibt's natürlich noch 'ne Belohnung:

Der wahre Roadrunner: ein Wegekuckuck.
Der wahre Roadrunner: ein Wegekuckuck.
Bild: www.imago-images.de / Rolf Nussbaumer

(as)

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