Robert Lewandowski und seine Frau Anna bei der Preisverleihung zum Ballon d'Or.
Robert Lewandowski und seine Frau Anna bei der Preisverleihung zum Ballon d'Or.Bild: XinHua / Henri Szwarc
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"Wir können darüber nachdenken" – Ballon-d'Or-Chef lässt Preis für Lewandowski für 2020 offen

03.12.2021, 07:50

Dass Lionel Messi den Ballon d'Or am Montagabend zum siebten Mal gewonnen hat, stieß vielerorts auf Unverständnis. Die meisten Experten hatten Bayern Münchens Robert Lewandowski als Sieger auf dem Zettel. Nicht aber die 170 Sportjournalisten, die weltweit den besten Spieler für das Kalenderjahr 2021 wählen sollten. Und das sorgte für enorm viel Verwunderung.

"Der Ballon d’Or basiert auf einem demokratischen System. Es gibt 170 Juroren und sie haben sich entschieden, für Messi zu stimmen", verteidigt Pascal Ferré, Chefredakteur des Fußballmagazins France Football und Boss des Ballon d'Or, gegenüber watson die Wahl. Seit 1956 vergibt die Redaktion den Preis für den besten Fußball des Jahres.

Ballon-d'Or-Chef stimmte für Lewandowski

Dann fügt er an: "Ich habe Messi nicht an erster Stelle gesetzt. Ich habe Lewandowski zuerst gewählt, aber ich denke, dass Messi den Ballon d’Or auch verdient." Heißt aber auch, er persönlich hätte es lieber gesehen, wenn Bayerns Top-Stürmer die Auszeichnung bekommen hätte. Dafür sprechen die insgesamt 64 Tore, die Lewandowski in diesem Kalenderjahr für die Münchner geschossen hat. Dazu kommt noch der Bundesliga-Rekord, den der Stürmer knackte: Insgesamt 41 Saisontore erzielte er in der Saison 2020/21 und löste damit die Bestmarke von Gerd Müller ab.

Auch deshalb hatte Lionel Messi bei der Auszeichnung in Paris seinen Münchner Konkurrenten besonders gelobt: "Jeder weiß, dass du letztes Jahr der Gewinner warst. Ich finde, France Football sollte dir den Preis für 2020 noch geben. Du hast ihn verdient und solltest ihn auch zu Hause haben."

2020 war die Wahl aufgrund der Corona-Pandemie ausgefallen. Ausgerechnet in dem Jahr, als der Pole mit dem FC Bayern sechs Titel gewann und der Fixpunkt in der Offensive war.

Bekommt Lewandowski Ballon d'Or nachträglich?

Ob sich Lewandowski nun aber nachträglich Hoffnungen auf den Titel machen darf, lässt France-Football-Chefredakteur Ferré offen: "Was Messi gesagt hat, war nett und schlau. Ich denke, wir müssen die Entscheidungen nicht sehr schnell treffen. Wir können darüber nachdenken und sollten gleichzeitig die Geschichte des Ballon d’Or respektieren, die auf Wahlen basiert."

Explizit zum Titel 2020 sagt Ferré: "Wir können nicht sicher sein, ob Lewandowski letztes Jahr den Ballon D’Or gewonnen hätte. Wir können es nicht wissen, weil es keine Wahlen gab. Aber, um ehrlich zu sein: Letztes Jahr hätte Lewandowski eine große Chance gehabt, zu gewinnen."

"Ich denke, Messi hat die Trophäe in diesem Jahr nicht verdient. Es sollte Lewa, Lewa und noch einmal Lewa sein."
Hossam Mostafa, ägyptischer Journalist über die Wahl zum Ballon d'Or.

Auch über Deutschlands Grenzen hinaus trifft die Entscheidung für Messi als Ballon-d'Or-Gewinner oft auf Unverständnis. So sagt beispielsweise der griechische Journalist Dimitris Samolis, der für gazzetta.gr berichtet, gegenüber watson: "Meiner Meinung nach ist Messi der beste Spieler der Geschichte und ich bin glücklich, ihn spielen gesehen zu haben. Jedoch ist es bemitleidenswert, dass Lewandowski nicht den Ballon d'Or gewonnen hat. Robert war mit Bayern sensationell und er hätte es absolut verdient. Ich weiß nicht, ob er die Auszeichnung je bekommen wird, aber moralisch war er in meinen Augen der Sieger. Und er hätte es auch im letzten Jahr verdient gehabt."

Noch drastischer äußerte sich der Ägypter Hossam Mostafa. Er arbeitet für das Portal btolat.com und sagt gegenüber watson: "Ich denke, Messi hat die Trophäe in diesem Jahr nicht verdient. Es sollte Lewa, Lewa und noch einmal Lewa sein. Für mich ist es nicht fair, weil der Gewinn der Copa America nicht genug ist."

Gleichzeitig kritisiert Mostafa den Ablauf der Wahl. Oft dürfen die gleichen Journalisten aus den jeweiligen Ländern jeweils ihre Stimmen abgeben. Deshalb sagt Mostafa: "Ich denke, France Football sollte jährlich wechseln, wer den besten Spieler des Jahres wählt. Dann wäre es fair." Dem entgegnet Ballon-d'Or-Chef Ferré: "Wie nach jeder Wahl, werden wir uns Zeit nehmen, um darüber nachzudenken, wie wir auch das Wahlsystem für die nächsten Jahre verbessern. Aber wir werden keine zu schnellen Entscheidungen treffen. Wir werden alle Details der Wahl untersuchen."

So funktionieren die Ballon-d'Or-Wahlen

Nacheinander wählen die Journalisten aus einer Liste von 30 vorgeschlagenen Spielern ihre Top-5 aus. Dabei erhält der erste Platz sechs Punkte, der zweite vier Zähler, der dritte drei, der vierte zwei und der fünfte einen Zähler. Der Spieler mit den meisten Punkten gewinnt letztlich den Ballon d'Or. Messi holte am Montag mit 613 Punkten insgesamt 33 Zähler mehr als Lewandowski.

Der australische Juror Daniel Garb war einer der ersten, der in diesem Jahr seine Punktevergabe offenlegte. Auch er sah Robert Lewandowski auf Platz 1, setzte Messi erst auf den zweiten Platz. Offensichtlich haben das aber nicht genug der 170 Juroren gemacht. So bleibt Lewandowski nun nur, in der aktuellen Saison erneut sein Bestes zu geben und auf seine Chance im nächsten Jahr zu hoffen.

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Noch gibt sich Johannes Golla kämpferisch: "Wir haben in der Mannschaft darüber gesprochen, wie wir das Turnier fortsetzen und zu Ende bringen können. Das ist unser klares Ziel, alles andere war nicht unser Thema", erklärte der Kapitän der deutschen Handball-Nationalmannschaft in einer Verbandsmitteilung.

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