Wolfgang Niersbach (l.) und Theo Zwanziger
Wolfgang Niersbach (l.) und Theo Zwanziger
Bild: EPA FILE

Vergabe der WM 2006: Anklage gegen frühere DFB-Bosse Zwanziger und Niersbach

23.05.2018, 15:2023.05.2018, 16:57

Im Skandal um die Vergabe der Fußball-WM 2006 hat die Staatsanwaltschaft Frankfurt am Main laut einem Bericht der "Bild"-Zeitung Anklage gegen die ehemaligen DFB-Präsidenten Theo Zwanziger und Wolfgang Niersbach erhoben. Ferner muss sich demnach der frühere DFB-Generalsekretär Horst R. Schmidt juristisch verantworten. Die ehemaligen DFB-Funktionäre bestätigten die Anklage.

Dem Bericht zufolge wurde die Anklage am 15. Mai erhoben, der Tag, an dem der DFB sein Kader für die WM im Sommer in Russland vorstellte. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt am Main war für watson zunächst für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Zwanziger sagte der "Bild": 

"Diese Anklageerhebung ist blinder Aktionismus, um von eigenem Fehlverhalten abzulenken und die 'heiße Kartoffel Ermittlungsverfahren' möglichst schnell in die Verantwortung der Gerichte abzuschieben."
Theo Zwanziger
bild

Das sind die Vorwürfe:

  • In der Affäre geht es um die Frage, ob sich der Deutsche Fußball-Bund (DFB) die WM 2006 in Deutschland durch Bestechungen gesichert hat. Das untersuchen die Justizbehörden in der Schweiz und den USA.
  • In Deutschland geht es um die Frage, ob der DFB sich durch mögliche Bestechungsgelder eines Steuervergehens schuldig gemacht hat. 

Das ist der Hintergrund:

Im Kern geht es in den Ermittlungen um 6,7 Millionen Euro, die der DFB ein Jahr vor der Heim-WM 2006 über die FIFA auf ein Konto des ehemaligen adidas-Chefs Robert Louis-Dreyfus gezahlt hatte.

Der damalige Chef-Organisator der WM, Franz Beckenbauer, hatte diesen Deal eingefädelt. Drei Jahre zuvor war die gleiche Summe über ein kompliziertes Konstrukt, an dem Beckenbauer offenbar maßgeblich beteiligt war, an den ehemaligen Skandalfunktionär Mohamed Bin Hammam in Katar geflossen.

Niersbach (l.) und Beckenbauer 
Niersbach (l.) und Beckenbauer 
Bild: AP Photo

Nach "Bild"-Informationen gehen die Steuerfahnder davon aus, dass der DFB mit der Zahlung 2005 ein Privatdarlehen von Dreyfus an Beckenbauer ausgeglichen und später unrechtmäßig als Betriebsausgabe geltend gemacht habe.

Das Finanzamt Frankfurt am Main hatte bereits Ende Oktober 2017 entschieden, dass die 6,7 Millionen, die der DFB in seiner Steuererklärung für eine nie stattgefundene WM-Gala verbucht hatte, steuerlich "unzutreffend" behandelt worden seien – und verhängte eine Strafzahlung in Höhe von 19,2 Millionen Euro.

So reagieren Zwanziger und Niersbach:

Zwanziger erklärte: 

"Ich hatte zu keinem Zeitpunkt Veranlassung, den reichen DFB durch eine Steuerhinterziehung noch reicher zu machen. Der Zuschuss für die FIFA-Gala war unzweifelhaft eine Betriebsausgabe, wie auch die Wirtschaftsprüfer von DFB und FIFA, sowie die im Jahr 2009 durchgeführte Betriebsprüfung durch das Finanzamt Frankfurt festgestellt haben. Da habe ich mir nichts vorzuwerfen."

Niersbach hatte zu Beginn des Monats den Abschluss der Steuerfahnder mit folgenden Worten kommentiert:

"Die gegen mich erhobenen Vorwürfe entbehren jeglicher Grundlage. Dies gilt sowohl für den Vorwurf der Steuerhinterziehung als auch für die Behauptung, ich hätte angebliche Beweismittel vernichtet», sagte er. «Ich bin sicher, dass sich dies in dem laufenden Verfahren letztlich herausstellen wird."

(sid/dpa)

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