Thomas Müller: Für seine Aussagen muss er auf Twitter gerade viel einstecken.
Thomas Müller: Für seine Aussagen muss er auf Twitter gerade viel einstecken.Bild: GES-Sportfoto / Markus Gilliar

"Schwafelhans": Thomas Müller äußert sich zu Menschenrechtsverletzungen – und kassiert Shitstorm

25.03.2022, 08:43

Seitdem 2010 die Weltmeisterschaft für das Jahr 2022 nach Katar gegeben wurde, gibt es immer wieder Kritik am Ausrichter. Einerseits sollen die Arbeitsbedingungen beim Stadionbau katastrophal gewesen sein und über 15.000 Menschen gestorben sein. Andererseits wird immer wieder die Menschenrechtssituation in Katar kritisiert, auch wegen der eingeschränkten Frauenrechte.

Auf einer Pressekonferenz am Mittwoch hat sich nun Nationalspieler Thomas Müller zu den Menschenrechten in Katar geäußert. Seine Aussagen kamen nicht gut an. Auf Twitter kritisierte unter anderem Philipp Köster, Chefredakteur des Magazins "11 Freunde", den Profi des FC Bayern. Daraus entwickelte sich ein Shitstorm gegen Thomas Müller.

Was ist passiert?

Am Dienstagabend hatte DFB-Direktor Oliver Bierhoff Vertreter von Menschenrechtsorganisationen zur Nationalmannschaft eingeladen: "Amnesty International" und "Human Rights Watch". Spieler und Offizielle sollten einen Eindruck davon bekommen, wie es um die Arbeitsbedingungen in Katar steht und wie die Menschenrechtssituation in dem Land ist.

Bayern-Profi Thomas Müller bei der Pressekonferenz am Mittwoch.
Bayern-Profi Thomas Müller bei der Pressekonferenz am Mittwoch.Bild: GES-Sportfoto / Markus Gilliar

Am Tag danach wurde Müller dann auf einer Pressekonferenz zu dieser Informationsveranstaltung gefragt. Daraufhin stammelte der 32-Jährige los, dass Menschenrechtsverletzungen in jedem Land auftreten würden, auch in Deutschland. Danach fügte er hinzu:

"In Ländern mit einer anderen Kultur, wie im Nahen Osten rund um Katar, werden Dinge, die wir mittlerweile als normal ansehen, anders umgesetzt – ob das Frauenrechte sind oder eben auch das Thema mit dem Arbeitsrecht. Da haben wir eine andere Gesetzesgrundlage"
Thomas Müller am Mittwoch

Kritik auf Twitter

Dieses Auftreten kommt auf Twitter-Deutschland gar nicht gut an. "Gerade haben sich Bierhoff und Flick so ein schönes, neues, nachdenkliches Wording zu Katar draufgeschafft, da kommt so ein Schwafelhans wie Thomas Müller und macht alles wieder kaputt", findet Philipp Köster, Chefredakteur vom "11 Freunde"-Magazin. Unter seinem Tweet bekommt Köster viel Zuspruch.

Schlagabtausch zwischen Köster und "Spiegel"-Journalist

Eine Aussage scheint den bekannten Sportjournalisten an Müllers Rede besonders zu stören und hebt sie noch einmal hervor. "Dinge, die wir mittlerweile als normal ansehen - wie Frauenrechte."

Darauf folgt eine Diskussion mit "Spiegel"-Journalist Marco Fuchs. Fuchs kann nicht verstehen, warum sich Köster über diesen Satz so aufregt. Schließlich seien Frauenrechte früher eben nicht als normal angesehen worden, mittlerweile schon. "Das ist doch nicht gönnerhaft, das ist einfach nur beschreibend", findet Fuchs.

Köster kontert: Frauenrechte seien universelle Freiheits- und Menschenrechte, um die Frauen seit Jahrhunderten kämpfen würden. Er findet: "Diese als hierzulande 'mittlerweile normal' zu bezeichnen, klingt so, als seien sie irgendwo auf der Welt verhandelbar."

Marco Fuchs hingegen ist der Meinung: "Das ist doch absichtlich missverstanden"

Müller: "Versuchen Sport an erste Stelle zu stellen"

Müller gab am Mittwoch allerdings nicht nur seine Einschätzung zu Menschenrechtsverletzungen zum Besten.

Er berichtete: Er habe zwar "nix ganz Neues" erfahren, allerdings hätten die Fachleute, "die sich wirklich auskennen", die Berichte über die Lage im WM-Gastgeberland Katar "ein bisschen objektiviert". Sonst "kriegt man immer nur einen Ausschnitt dessen mit, was wirklich abläuft".

"Wir versuchen, mit offenen Augen durchs Leben zu gehen", sagte Müller, bei der WM (21. November bis 18. Dezember) aber werde man "versuchen, das Sportliche an erste Stelle zu stellen". Er hoffe jedoch, dass vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) und Weltverband FIFA "größere Hebel in Bewegung gesetzt werden, um die Umsetzung der Menschenrechte vor Ort zu verbessern".

(and/mit Material von afp)

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