Seine Zukunft steht in den Sternen: Bundestrainer Joachim Löw.
Seine Zukunft steht in den Sternen: Bundestrainer Joachim Löw.
Bild: www.imago-images.de / ActionPictures

Kaum noch Rückhalt für Bundestrainer Löw: Warum der DFB dennoch an ihm festhält

20.11.2020, 09:26

Der Rückhalt für Bundestrainer Joachim Löw in der deutschen Fußballnationalmannschaft ist seit dem 6:0 Debakel gegen Spanien deutlich zurückgegangen. Zwar sprach ihm Nationalmannschaftsdirektor Oliver Bierhoff weiterhin das volle Vertrauen aus.

Doch wenn es nach den Fans geht, ist die Ära von Jogi Löw vorbei. Laut einer "Kicker"-Umfrage ist für fast 94 Prozent der Befragten Löw nicht mehr der richtige Bundestrainer. Nur knapp sechs Prozent würden ihn gerne weiter als Cheftrainer der Mannschaft sehen.

Eine repräsentative Umfrage über die Voting-App FanQ im Auftrag des Sport-Informationsdienstes (SID) ergab außerdem, dass die überwältigende Mehrheit die Rücktritte von Löw und Bierhoff fordert. 84 Prozent der Anhänger betonten, dass sich Löw nach 14 Jahren als Bundestrainer "verbraucht" habe. Lediglich 13,3 Prozent meinten, dass der DFB bis zur EM am Weltmeistertrainer von 2014 festhalten sollte, weil man kurzfristig keinen geeigneten Nachfolger finden könne.

Deutschland Fußballfans wünschen sich also offenbar einen schnelleren Wechsel im Trainerteam der Nationalelf, als es dem DFB lieb ist. Mindestens bis nach der EM 2021 plant man fest mit Jogi Löw. Ihm jetzt das Vertrauen zu entziehen und ihn öffentlich zu kritisieren, wäre riskant und würde das gesamte Projekt Europameisterschaft gefährden.

Dass die Lage trotzdem ernst ist, zeigt sich an der Tatsache, dass sich gleich einen Tag nach der schmerzhalten Auswärtsniederlage in Spanien der DFB-Präsident zu Wort gemeldet hat. Doch der Ton von Fritz Keller deckt sich mit den Aussagen von Oliver Bierhoff. Auch er will den mit Joachim Löw eingeschlagenen Umbruchkurs der Nationalmannschaft fortsetzen. Das erklärte der 63-Jährige am Mittwoch in einer Stellungnahme auf der Verbandsseite, in der er den Bundestrainer allerdings nicht namentlich erwähnte.

Keller spürt die Enttäuschung im Team, sieht aber auch Potenzial

"Wir haben in Sevilla einen schwarzen Abend erlebt, der wehgetan hat. Den Zuschauern zu Hause, mir, dem Trainer, den Spielern. Ich war nach Abpfiff in der Kabine und habe die maßlose Enttäuschung aller gespürt. Aber auch den Willen, diesen Eindruck zu korrigieren", äußerte Keller nach der Rückkehr aus Spanien.

Fritz Keller stellt sich zunächst hinter Jogi Löw.
Fritz Keller stellt sich zunächst hinter Jogi Löw.
Bild: dpa / Arne Dedert

Der DFB-Präsident schlussfolgerte mit Blick auf die EM im kommenden Jahr: "Unsere junge Mannschaft kann an diesem herben Rückschlag wachsen, wenn dieses Spiel, in dem nicht nur Herz und Leidenschaft gefehlt haben, gründlich analysiert und die nötigen Folgerungen daraus gezogen werden. Das Potenzial hat sie."

Neuanfang könnte neuen Esprit bringen

Würde die Europameisterschaft nicht vor der Tür stehen, sehe es mit dem Rückhalt für Löw womöglich ganz anders aus. Löws Vertrag läuft zwar noch bis zur Katar-WM Ende 2022, doch realistischer erscheint derzeit eher ein Abschied nach der Europameisterschaft im Sommer des nächsten Jahres. Dass sich der DFB jedoch schon vor der kommenden EM traut, den Wechsel herbeizuführen, ist eher unwahrscheinlich.

Dabei wäre genau jetzt der richtige Zeitpunkt für einen rigorosen Neuanfang. Das Umbruch-Experiment von Löw gilt als gescheitert, die Kritik an der Ausbootung von Thomas Müller, Jerome Boateng und Mats Hummels wird immer lauter. Gleichzeitig schaffte es der Bundestrainer nicht, mit den jungen Spielern eine neue Kontinuität in den Kader der Nationalmannschaft zu bringen.

Der Gewinn der Weltmeisterschaft 2014 war für Löw der größte Erfolg.
Der Gewinn der Weltmeisterschaft 2014 war für Löw der größte Erfolg.
Bild: imago sportfotodienst / DeFodi

Mit einem neuen Trainer könnten all diese Fragen neu überdacht werden. Die Mannschaft hätte die Möglichkeit, nach 14 Jahren Löw-Ära neuen Esprit zu entwickeln, der sich vielleicht sogar schon bis zur EM positiv niederschlägt. Andernfalls könnte das Turnier im nächsten Jahr zu einer Katastrophe werden.

(lau/mit Material von dpa und sid)

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