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Warum Zidane mit seinem Abgang alles richtig gemacht hat

31.05.2018, 17:0901.06.2018, 09:49
sandro zappella

Zinédine Zidane ist als Trainer von Real Madrid zurückgetreten. Das kam für viele überraschend, zumal der Franzose doch drei Mal in Serie die Champions League gewinnen konnte. In seiner zweieinhalbjährigen Amtszeit bei Real Madrid hat er 9 von 13 möglichen Titel geholt.

Der Abschied ist bei genauerem Hinblicken aber nicht ganz so überraschend, wie er anfänglich scheint. Der Zeitpunkt des Rücktritts war – für einen so cleveren Menschen, wie Zidane einer ist – logisch. Der Rücktritt wird uns so in Erinnerung bleiben, als hätte Zidane Real auf dem Höhepunkt verlassen. Doch der Schein trügt.

Titelmäßig – und das ist schließlich, woran wir später zurückdenken – ist Real Madrid mit dem Hattrick in der Champions League zwar tatsächlich auf dem Höhepunkt, spielerisch ist dieser allerdings bereits ein Jahr her.

Damals, auf dem wahren Höhepunkt, holte Real Madrid die Meisterschaft und flog förmlich zur Titelverteidigung in der Champions League. In dieser Saison aber war die Meisterschaft eine einzige große Enttäuschung und der dritte Rang satte 16 Punkte hinter dem Rivalen aus Barcelona eine Peinlichkeit. In der Copa del Rey schied man gegen Leganes bereits im Viertelfinale aus.

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Den wichtigsten Klubwettbewerb aber, den gewann Real Madrid auch in diesem Jahr. Doch Zidane wusste wohl selbst am besten, dass die Kampagne nicht mehr so bestechend war wie noch vor Jahresfrist. Und er wusste, dass es in der aktuellen Saison neben der Selbstverständlichkeit des Gewinnens auch eine große Portion Glück benötigte.

Dass die praktisch gleichen Spieler überhaupt den Erfolgshunger hatten, den Titel zwei Mal zu verteidigen, ist beeindruckend und zu einem großen Teil Zinédine Zidane anzurechnen. Nun scheint er selbst nicht mehr die Energie zu haben, diese Mannschaft nochmals so zu motivieren, dass sie weitere Titel holen kann. Er hatte die Größe, dies selbst einzusehen, statt sich an den Job zu klammern wie ein Koala-Baby an den Rücken seiner Mutter.

Real-Präsident Florentino Pérez und Zinédine Zidane
Real-Präsident Florentino Pérez und Zinédine Zidane
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Zidane hat den besten Weg gewählt. Für Real Madrid, für die Spieler und vor allem für sich selbst. Real hat ihm unendlich viel zu verdanken und kann froh sein, geht ein Erfolgstrainer im richtigen Moment – es wäre tragisch gewesen, wenn Präsident Pérez eine Klublegende wie Zidane in der nächsten Saison mangels Erfolgs hätte entlassen müssen.

Zizou hat die Weltklasse-Spieler bei Real Madrid besser gemacht.

Taktisch, spielerisch und vor allem mental hat er mit seiner Aura viel bewirkt. Irgendwann kommt allerdings jeder Trainer an einen Punkt, an dem er merkt, dass er nicht mehr den Einfluss hat, wie noch zu Beginn seiner Amtszeit. Spieler brauchen irgendwann eine Veränderung. Ein neues Gesicht an der Seitenlinie. Neue Impulse. Einen neuen Charakter.

Mit dem Rücktritt hat Zinédine Zidane aber vor allem für sich selbst alles richtig gemacht. Er hat 9 von 13 möglichen Titeln gewonnen, Real Madrid an die Spitze von Europa zurückgeführt und eine Legenden-Mannschaft geformt, von der wir noch in Jahrzehnten sprechen werden. Vor Zidane schaffte es seit der Einführung der Champions League 1992 kein einziges Team, den Titel auch nur zu verteidigen. Dass Zidane gleich den Titel-Hattrick holte und in diesem Wettbewerb noch nie ausschied, hievt ihn in den Trainer-Olymp.

Zidane ist gerade mal 45 Jahre alt und hat noch viele Jahre Zeit, seine bereits beeindruckende Titelsammlung zu vergrößern.

Vorerst wird er sich aber hoffentlich eine Pause gönnen. Denn das Trainer-Business ist selbst im Erfolgsfall mit allerhöchstem Druck verbunden. Noch mehr als bei den Spielern, da die Trainer die Verantwortung für eine ganze Mannschaft übernehmen und bei Misserfolgen dann doch plötzlich das schwächste Glied sind.

Zinédine Zidane hat den perfekten Abgang als Real-Madrid-Trainer gewählt. Dabei waren Abgänge bis jetzt eigentlich nicht seine Stärke, wie das WM-Finale 2006 eindrücklich zeigte.

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