Jogi Löw und Thomas Müller

Thomas Müller und Joachim Löw: Werden sich beide nochmal in der Nationalmannschaft begegnen. Bild: imago sportfotodienst / Jan Huebner

Bundestrainer Löw: Müller äußert sich zu möglichem Comeback – Rummenigge kritisiert DFB

Manuel Neuer und Jürgen Klopp befürworten die Entscheidung für Bundestrainer Joachim Löw. Karl-Heinz Rummenigge hält sich da ein wenig zurück – und geht den Deutschen Fußball-Bund an. Thomas Müller bleibt diplomatisch.

Der Löw-Komplex bewegt den deutschen Fußball. Während Nationalmannschaftskapitän Manuel Neuer und Liverpool-Trainer Jürgen Klopp den Bundestrainer am Wochenende demonstrativ stärkten, schickte Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge deutliche Kritik an den Deutschen Fußball-Bund. Und Thomas Müller hielt sich in der Frage nach einem DFB-Comeback betont zurück. Das sei momentan "ganz weit weg", sagte der 31-Jährige nach seinem bärenstarken Auftritt im Spitzenspiel der Bayern gegen RB Leipzig (3:3) bei "Sky". Er konzentriere sich auf die Münchner, aber: "Ich bleibe dran und dann schauen wir mal."

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Nach seinem Doppelpack gegen Leipzig muss Thomas Müller Fragen zu einem möglichen DFB-Comeback beantworten. bild: screenshot sky

Der Frage des "Sky"-Reporters, ob er in der Form seines Lebens sei, wich er aus. Die reinen Zahlen sprechen für ein Müller-Comeback in der Nationalmannschaft. Allein in dieser Saison kommt er bereits auf sechs Tore und weitere sechs Torvorlagen. Damit sticht er auch seine beiden Teamkollegen Leroy Sané und Serge Gnabry aus, die bei Löw gesetzt sind und bei den Bayern bisher bei sechs beziehungsweise fünf Toren beteiligt waren.

Die Entscheidung pro Löw sei vom DFB getroffen worden. "Deswegen müssen alle Deutschen hinter dieser Entscheidung stehen und alles dafür tun, dass wir da wieder Schwung reinbringen in die Bude", sagte Müller. "Und mit Joachim Löw bringen wir auch wieder Schwung in die Bude." Der Weltmeister von 2014 war im März 2019 gemeinsam mit Jérôme Boateng und Mats Hummels von Löw aussortiert worden.

Rummenigge attackiert DFB

Bayerns Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge konzentrierte sich auf die DFB-Führung. Im Präsidium des wankenden Verbandes gebe es keinen, "der das ist, was man sich als Fußballfachmann vorstellt", sagte der Vorstandschef der Bayern. "Wenn ich ganz ehrlich bin, ist mir beim DFB im Moment zu viel Oliver Bierhoff und zu wenig Joachim Löw."

Statt des Bundestrainers hatte der für die Nationalmannschaften zuständige DFB-Direktor Bierhoff am Freitag die sportliche Analyse nach dem desolaten 0:6 in Spanien vorgelegt. "Wenn bei Bayern München schlecht gespielt wird, muss der Trainer zur Pressekonferenz und nicht der Sportdirektor", sagte Rummenigge. "Der kann das wesentlich weniger erklären als der Trainer, der die Mannschaft eingestellt hat."

ARCHIV - 04.07.2020, Berlin: Fußball: DFB-Pokal, Finale: Bayer Leverkusen - FC Bayern München im Olympiastadion. Karl-Heinz Rummenigge, Vorstandsvorsitzender der FC Bayern München AG, vor dem Spiel. (zu dpa «Rummenigge über Werder Bremen: «Sehr gute Adresse für Talente»») Foto: Robert Michael/dpa-Zentralbild/Pool/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Karl-Heinz Rummenigge wünscht sich von Löw mehr Offensive. Bild: dpa / Robert Michael

Löw selbst wäre gut beraten, "ein bisschen offensiver und nicht so defensiv mit der Gesamtsituation umzugehen". Der 60-Jährige sei "rhetorisch gut und kann gut erklären, dann wird man ihm das schon abnehmen und hoffentlich wird es in der Zukunft auch besser werden", sagte Rummenigge. Der DFB hatte am vergangenen Montag nach mehreren Konferenzen bekanntgegeben, dass Löw Bundestrainer bleibt. Bierhoff zufolge will sich Löw demnächst äußern.

Neuer stärkt Löw den Rücken

Rummenigge kommentierte die Entscheidung für den aktuellen Bundestrainer nur indirekt. Ob diese richtig sei, werde man "erst im nächsten Sommer wissen nach der EM", sagte der 65-Jährige. Löws Kapitän ging da viel weiter. Natürlich sei es richtig, dass Löw Trainer bleibe, sagte Neuer dem ZDF und fügte hinzu: "Wir sind den Weg mit ihm zusammen gegangen, wo wir viel ausprobiert haben. Die Situation war für uns als Nationalmannschaft ganz anders als erwartet. Wir mussten mit den Umständen klarkommen."

"Ich bin überzeugt, dass er das schaffen kann"

Im nächsten Jahr wolle das Team Wiedergutmachung für das "miserable Spiel" gegen Spanien betreiben. "Wir hoffen, dass wir es im neuen Jahr und gerade zur Europameisterschaft besser machen können. Das ist unser großes Ziel", sagte Neuer, dem Ex-Weltmeister Per Mertesacker beipflichtete: "Ich bin überzeugt, dass er das schaffen kann. Er hat in den letzten Monaten keine Trainingszeit bekommen. Er braucht Zeit mit den Spielern, um das Feuer wieder entfachen zu können."

Liverpool's manager Jurgen Klopp prior the start of the Champions League group D soccer match between Liverpool and Ajax at Anfield stadium in Liverpool, England, Tuesday, Dec. 1, 2020. (AP Photo/Jon Super, Pool)

Könnte Jürgen Klopp der Nachfolger von Joachim Löw werden? Bild: ap / Jon Super

Klopp, der immer wieder und trotz seines langfristigen Vertrags beim englischen Meister als am besten geeigneter Nachfolger gehandelt wurde, riet zur Ruhe. "Offensichtlich ist die Situation für die Nationalmannschaft nicht immer so einfach. Die Menschen denken immer, der nächste Trainer macht es sofort besser", sagte der 53-Jährige der "Welt am Sonntag". Dabei sei Löw als Bundestrainer über viele Jahre extrem erfolgreich gewesen. "Trainer sind nicht immer der einzige Grund, wenn es gut läuft. Und sie sind auch nicht der einzige Grund, wenn es nicht ganz so gut läuft."

Aus seiner Perspektive gebe es eine "riesengroße Chance, dass Jogi das Ding einfach dreht", sagte Klopp. "Nächstes Jahr ist Europameisterschaft. Vielleicht gewinnt er oder kommt weit. Übrigens: Keiner ist perfekt." Von ihm komme "0,0 Prozent Kritik".

(lau/dpa)

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