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Typisch Klopp: Der Liverpool-Trainer gestikuliert an der Seitenlinie. bild: bernd feil/imago/MIS

Klopp-Revolution beim DFB? FC Liverpool könnte Vorbild für die Nationalelf werden

Am Samstag lief im Ersten das Viertelfinalspiel der Fußball-EM 2008 zwischen Deutschland und Portugal. So eine Partie aus der Vergangenheit nochmal zu schauen, von der man schon weiß, wie sie ausgeht, ist eigentlich witzlos. Denn "die Leute gehen zum Fußball, weil sie nicht wissen, wie es ausgeht." Alte Fußballerweisheit von Sepp Herberger.

Trotzdem, abseits des Sportlichen gab es eine spannende Erkenntnis: Die Fußballdemut der Deutschen hat sich innerhalb der vergangenen zwölf Jahre ganz schön verändert. Ein Satz von Reporter Steffen Simon spricht in diesem Zusammenhang Bände. Deutschland ging mit einer 2:1-Führung gegen favorisierte Portugiesen in die Pause, und der ARD-Kommentator sprach ganz bescheiden davon, dass jetzt die Hoffnung groß sei, nicht schon früh aus dem Turnier auszuscheiden.

2018: Aus der Demut ist längst Hochmut geworden, und die kommt ja bekanntlich vor dem Fall

Damals, im EM-Jahr 2008, war die DFB-Elf, beflügelt vom Sommermärchenrausch, nämlich gerade erst wieder dabei, eine große Nummer im internationalen Fußball zu werden.

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Zweimal Vokuhila, zweimal die Nummer sieben: Cristiano Ronaldo (l.) und Bastian Schweinsteiger waren bei der EM 2008 noch in jungen Jahren. bild: imago/Laci Perenyi

Aus der Demut, die damals aus Simons Satz klang, war zehn Jahre später längst Hochmut geworden. Und was kommt nochmal nach Hochmut? Fall, richtig! Im Jahr 2018 fuhren die amtierenden Weltmeister der deutschen Nationalelf zur WM nach Russland. Das Turnier bekam die Überschrift "Jagd nach dem fünften Stern" (also dem fünften WM-Titel), und ja, der Rest ist bekannt: "Die Mannschaft" scheiterte krachend in der Vorrunde an den auferlegten Ansprüchen.

DFB will zur EM 2024 wieder "an die Weltspitze": Vorbild FC Liverpool und Trainer Jürgen Klopp

Damit es in Zukunft wieder besser klappt, soll sich nun einiges ändern. Die Ansprüche schraubt man indes nicht herunter. Oliver Bierhoff, der Direktor der Nationalmannschaft, will pünktlich zur Heim-EM 2024 wieder "an die Weltspitze" zurückkehren.

Wie auch immer. In der DFB-Akademie sollen jedenfalls die Grundlagen dafür gelegt werden, dass Deutschland in vier Jahren wieder das Maß aller Fußballdinge ist. Dafür nimmt sich die Akademie unter der Leitung von Tobias Haupt jetzt den FC Liverpool und Trainer Jürgen Klopp zum Vorbild.

Was ist die DFB-Akademie?

Die sich noch im Bau befindende DFB-Akademie ist das Prestigeprojekt, das künftige Herzstück des deutschen Fußballs. Hier sollen Ideen für die Zukunft geschmiedet werden. "Wir haben ein ganz neues Zugpferd bei uns im DFB geschaffen, das eben auch wirklich in die Entwicklung und die Forschung reingeht, um die Praxis besser zu machen. Es ist wunderbar zu sehen, wie sich das nach und nach vernetzt", erklärt Oliver Bierhoff die Akademie. Als "Meilenstein" und "Leuchtturmprojekt" bezeichnen die DFB-Funktionäre das Bauwerk auf dem Gelände der ehemaligen Frankfurter Galopprennbahn gerne.

"Wir haben uns sehr intensiv mit Liverpool beschäftigt. Wir haben analysiert und fundiert ausgewertet, warum dieses Team auf so einem Weltklasse-Niveau gefühlt immer mit der gleichen Mannschaft spielt und derart erfolgreich ist", sagte Haupt im "Sport 1"-Interview.

Klopp: Der Prototyp des modernen Anführers und "ein cooler Typ"

Eine wichtige Erkenntnis sei, dass die Reds fast immer mit demselben Stamm von neun Spielern die kompletten 90 Minuten bestreiten. Klopp sei als Motivator die Schlüsselfigur: "Er schafft es, dass seine Spieler ihm überallhin folgen würden. Auch die Reservisten haben eine klare Verantwortung innerhalb des Teams." Klopp sei "ein totaler Meister der Belastungssteuerung" und der Prototyp eines modernen Anführers.

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Jürgen Klopp (l.) ist "ein cooler Typ", sagt Emre Can. bild: imago/sportimage

Nationalspieler Emre Can kann das bestätigen: "Jeder, der ihn kennt, weiß, was für ein cooler Typ er ist", sagte der Profi von Borussia Dortmund jüngst über seinen ehemaligen Trainer in einer DFB-Fragerunde auf Instagram: "Er ist, wie er ist, für seine Spieler gibt er alles." Für ihn zähle das Menschliche besonders und das sei großartig." Can trainierte von 2015 bis 2018 beim FC Liverpool unter dem Ex-BVB-Trainer.

DFB-Akademie: FC Liverpool ist der Maßstab und Vorbild

Akademieleiter Haupt sieht Liverpool auch abseits des Platzes als Maßstab. "Ob das Ernährung ist, Psychologie, neurozentriertes Training bis hin zur Datenanalyse und positionsspezifischem Training, wir wollen jeden Bereich mit den besten Experten besetzen und diese bestmöglich vernetzen", sagte er. "Hier ist sicherlich das Modell Liverpool Vorbild."

Hauptsache, die Verantwortlichen in der DFB-Akademie verlieren vor lauter Fachsimpelei und Fußballzukunftsvisionen nicht den Rasen unter den Füßen. Denn "entscheidend ist auf'm Platz". Noch so eine alte Fußballerweißheit, allerdings diesmal von Adi Preißler und nicht von Herberger.

(as/mit Material vom sid)

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