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Als Magdeburg den einzigen DDR-Europapokal holte – und nur 350 FCM-Fans kamen

08.05.18, 13:47 09.05.18, 07:03

ralf meile

In der Serie "Unvergessen" blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein großes Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob eine hervorragende sportliche Leistung, ein bewegendes Drama oder eine witzige Anekdote – alles ist dabei.

Manfred zapf (links) und Gianni Rivera tauschen die Wimpel vor dem Finale. Bild: imago/Kicker/Eissner, Liedel

Heute: Der 8. Mai 1974, als im Stadion De Kuip in Rotterdam nur 4641 Zuschauer das Finale des Europapokal der Pokalsieger zwischen Magdeburg und Milan sehen wollen.

Sparwasser, 74. Fußballfans lächeln milde, wenn sie diese Kombination hören. Klar: Jürgen Sparwasser, der hat an der WM 1974 das Tor zum historischen 1:0-Sieg der DDR über Westdeutschland geschossen.

Sparwasser, 74 – das steht aber auch für eine andere Sternstunde des Fußballs in Ostdeutschland. Denn der Stürmer ist Mitglied jener legendären Mannschaft, die als einzige aus der DDR einen Europacup gewinnen konnte: des 1. FC Magdeburg.

Starspieler Jürgen Sparwasser (rechts, Magdeburg) im Duell gegen Enrico Lanzi (Milan) Bild: imago/WEREK

"Vor Ehrfurcht stirbt bei uns keiner"

Dabei steht das Weiterkommen schon in der 2. Runde auf der Kippe. Nachdem Magdeburg den holländischen Pokalsieger NAC Breda eliminiert hat, setzt sich der DDR-Klub erst in der Verlängerung des Rückspiels gegen Banik Ostrava aus der Tschechoslowakei durch. Beroe Stara Sagora (Bulgarien) im Viertel- und Sporting Lissabon im Halbfinale heißen die weiteren Opfer auf dem Weg ins Endspiel.

Dort steht den Magdeburgern einer der klingendsten Namen des Weltfußballs gegenüber: AC Milan. Gianni Rivera, Alberto Bigon, Karlheinz Schnellinger – Weltstars. "Wir sind zwar Außenseiter", sagt der erst 20-jährige Axel Tyll dem "Sportecho", er ergänzt jedoch: "Vor Ehrfurcht stirbt bei uns keiner."

Nur 350 Fans aus der DDR

24 Jahre bevor sich Giovanni Trapattoni bei den Bayern mächtig ärgert, bereiten ihm andere Deutsche Kummer. Denn "Trap" ist Coach der Mailänder und seine Prophezeiung trifft ein. "Wer das erste Tor schießt, gewinnt", sagt Trapattoni voraus. Es ist zwar einer seiner Spieler, aber Enrico Lanzi trifft ins falsche Tor. Kurz vor der Pause geht Magdeburg in Führung.

Mit der Führung im Rücken legt der 1. FCM seinen Respekt ab und beherrscht das Spiel. Als Wolfgang "Paule" Seguin in der 74. Minute das 2:0 erzielt, ist das die Entscheidung. Eine Entscheidung, die nur wenige Fans im Stadion miterleben. Die holländischen Fußballanhänger – in diesen Tagen gehört die Nationalmannschaft um Johan Cruyff zu den besten Teams der Welt – lockt die Paarung Magdeburg-Milan nicht hinter dem Ofen hervor. Und die DDR-Politfunktionäre lassen kaum Fans mitreisen.

Die Magdeburger Pokalhelden. Bild: imago/Kicker/Eissner, Liedel

So sind bloß etwa 350 Anhänger der Magdeburger im Stadion. In dieser Zahl bereits inbegriffen sind Matrosen von fünf Handelsschiffen der DDR-Flotte, die im Rotterdamer Hafen vor Anker liegen. "Da waren auch Leute dabei, die erst mal gefragt haben: 'Wer ist denn hier der 1. FC Magdeburg?'", ärgert sich Trainer Heinz Krügel darüber.

Rotkäppchensekt und ein Telegramm von Erich Honecker

Dieser Ärger dürfte spätestens mit dem Schlusspfiff verflogen sein. 11 Freunde schreibt über den gewitzten Mannschaftsleiter Günter Behne, dass er beim Abflug in Ost-Berlin heimlich Rotkäppchen-Sekt gekauft hat, der nun in der Kabine in den Pokal gefüllt wird. Aus der Heimat erreicht ein Telegramm des Staatsratsvorsitzenden Erich Honecker die Mannschaft: "Liebe Sportfreunde! Ich beglückwünsche Sie sehr herzlich zu dieser hervorragenden Leistung und wünsche Ihnen auch weiterhin besten Erfolg."

Wirklich euphorisch klingt das nicht und Honecker ist dann auch nicht am Flughafen dabei, als die Mannschaft am Tage nach dem Triumph in der Heimat ankommt. Dabei ist der DDR-Fußball auf seinem Zenit. Nur wenige Monate später wird seiner Geschichte das berühmteste Kapitel hinzugefügt. Sein Titel besteht aus einem Nachnamen und einer Zahl: Sparwasser, 74.

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