Mehmet Scholl und die ARD gingen im Jahr 2017 getrennte Wege.
Mehmet Scholl und die ARD gingen im Jahr 2017 getrennte Wege.
Bild: dpa / Tobias Hase

Mehmet Scholl verrät Grund für sein ARD-Aus: "Die wollten meine Eier abschneiden"

16.03.2021, 16:33

Als sich Mehmet Scholl im Jahr 2017 als Fußball-Experte bei der ARD verabschiedete, hieß es, die Trennung sei erfolgt, weil er sich geweigert habe, über Doping zu reden. In einem "Bild"-Podcast schildert der Ex-Profifußballer jetzt seine Version der Geschichte. In Scholl-Manier sagt er ohne Umschweife: "Die wollten meine Eier abschneiden".

Fast 10 Jahre verbrachte der ehemalige Bayern-Spieler in den Expertenrunden der ARD, ab März 2008 bis zum Sommer 2018. Dann kam das plötzliche Aus. In den Berichten darüber hieß es, Scholl habe nicht über das Doping der russischen Nationalmannschaft sprechen wollen und habe deswegen hingeschmissen.

Mehmet Scholl war mit der ARD-Berichterstattung unzufrieden

Scholl kritisiert, dass ihm deswegen angekreidet worden sei, er wolle keine kritischen Berichte über das Thema Doping. "Alle Medienvertreter, die mit der ARD zusammenhängen (…) haben gesagt: 'Der Scholl hat ja selber gedopt. Warum will der nicht über Doping reden? Ist da irgendwas?' Auf doof halt", erzählt Scholl.

Laut dem Fußball-Experten war aber gar nicht das Thema Doping der Knackpunkt. Scholl erzählt, wie er die Stimmung beim Confed Cup 2017 genossen hat. "Alles war perfekt", erinnert er sich. Endlich habe einmal gute Stimmung geherrscht. "Es gab überhaupt keinen Grund für irgendwas Negatives", so Scholl. "Dann habe ich zu meinem Assistenten gesagt: Jetzt erzähl' mir nicht, dass sie mit etwas Negativem aufmachen!?"

Und tatsächlich: Die ARD plante eine Story zum Thema Russland und Doping. Also keine Geschichte, die die gute Laune weiter fördert.

Dieser negative Fokus in der Berichterstattung habe ihn dazu gebracht, aufzuhören. "Da habe ich gesagt: 'Die Story kommt raus, oder ich gehe", so Scholl und das hat er dann auch getan.

Die ARD stellte sich als Sieger dar

Die Themenwahl der Redaktion habe aber letztlich nicht zum Bruch zwischen Scholl und der ARD geführt, sagt Scholl. Sondern ein ARD-Foul. Denn:

Zwei Tage später sollen der ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky und der Programmchef Volker Herres mit Scholl und seinem Anwalt in Gespräch gewesen sein. Balkausky und Herres hätten Scholl dabei gebeten, als Experte bei der ARD zu bleiben.

"Bitte Mehmet, du hast noch ein Jahr Vertrag, wir wollen dich noch für die WM in Russland", sollten die beiden gesagt haben, worauf Scholl die Antwort gab: "Leute, ich bin Profi, natürlich ziehe ich das durch". Seine einmalige Abreise bedeute ja nicht das Ende des Vertrags.

Am nächsten Tag sei dann das Foul der ARD gekommen. "Mehmet Scholl hat die Hoheit der Redaktion anerkannt, er ist zu Kreuze gekrochen", zitiert Scholl sinnbildlich die Schlagzeilen, die er plötzlich in den Medien las. Sein Vorwurf: Die ARD stellte sich medial im Nachgang als Sieger hin und behauptete, Scholl sei eingeknickt.

"Die wollten meine Eier abschneiden", bringt er es auf den Punkt. "Ich hab' ihn angerufen und gesagt: 'Axel, Ihr braucht einen neuen Experten. Du kannst doch nicht sagen, bitte, bitte, mach weiter. Und das am nächsten Tag so hinstellen, als hättet Ihr mir auf den Kopf gehauen. Das geht nicht.'"

Mehmet Scholl hat aber auch Positives über die ARD zu sagen

Es ging nie um das Doping, sagt Scholl, denn dazu habe er eine klare Meinung: "Doping ist scheiße, Doping macht die Sportler kaputt, Doping macht den Sport kaputt, macht es unglaubwürdig, tötet Menschen und die Zuschauer rennen davon." Das ausgewählte Thema sei also unwesentlich gewesen. Der Knackpunkt war für Scholl damals nur der negative Touch: "Es hätte auch ein Bericht über schlechte Stadionmusik sein können, über randalierende Fans, schlechtes Wetter."

Der Experte hat dennoch nette Worte für die Rundfunkanstalten. "ARD ist ein super Arbeitgeber", sagt er und blickt auf seine Zeit zurück. "Ich habe echt 10 schöne Jahre bei der ARD gehabt", so Scholl.

"Es gibt ganz viele nette tolle Menschen, die da am Werk sind, gibt allerdings auch ein paar, vor denen man sich hüten muss", resümiert er.

(lfr)

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