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Fußball-Kolumne

Hertha BSC: Bobic-Entlassung zeigt, wie stark Fußball-Fans werden können

Fredi Bobic ist seit Juni 2021 Sport-Geschäftsführer von Hertha BSC.
Fredi Bobic war rund eineinhalb Jahre Sport-Geschäftsführer von Hertha BSC. Bild: IMAGO / Matthias Koch
Fußball-Kolumne

Hertha BSC: Die Bobic-Entlassung zeigt, wie stark die Fans im Fußball werden können

06.02.2023, 11:13
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Fredi Bobic ist ein Mann des sogenannten Fußball-Establishments. Männer wie er, sind im Grunde "über jeden Zweifel erhaben".

Mit dieser Floskel charakterisierte zumindest DFB-Präsident Bernd Neuendorf die Kompetenzprofile von Bayern-Boss Oliver Kahn, Ex-Bayern-Vorstand Karl-Heinz Rummenigge, BVB-Berater Matthias Sammer, "Red Bull"-Geschäftsführer Oliver Mintzlaff und Rudi Völler, langjähriger Geschäftsführer von Bayer Leverkusen. Diese fünf alten weißen Männer gehörten zur "Task-Force des DFB", die gemeinsam mit Hans-Joachim Watzke die Spitzengruppe des Establishments im deutschen Fußball repräsentieren.

Fanforscher Harald Lange.
Fanforscher Harald LangeBild: Uni Würzburg
Über den Autor
Harald Lange ist seit 2009 Professor für Sportwissenschaft an der Universität Würzburg. Er leitet den Projektzusammenhang "Fan- und Fußballforschung" und gilt als einer der bekanntesten Sportforscher in Deutschland. Der 55-Jährige schreibt und spricht täglich über Fußball, auch in seinem Seminar "Welchen Fußball wollen wir?"

Männer wie diese verfügen über mindestens zwei wichtige Dinge. Erstens: Macht. Und zweitens: Netzwerke. Manchmal gehören zu diesem Netzwerk auch Mitarbeiter, die im Verborgenen wirken und in der Regel die Erfahrung und die Sachkompetenz mitbringen, die für den jeweils offiziell in Rede stehenden Job notwendig ist.

Bobic hat gleich nach seiner Verpflichtung in Berlin sieben solcher hoch bezahlten Helfer mitgebracht und auf diverse Posten gesetzt. Darüber hinaus besitzen diese mächtigen Männer des Fußballs wie Bobic, Watzke oder Völler die Schlüssel und Platzkarten zu den ebenso bedeutsamen Hinterzimmern, in denen strategische Entscheidungen ringsum den Fußball getroffen werden.

In Berlin hat der Präsident von Herta BSC, der ehemalige Ultra Kay Bernstein, der definitiv nicht aus den Kreisen dieses Establishments kommt, eine bemerkenswerte Entscheidung verkündet. Fredi Bobic, einst vermeintlicher Erfolgsmanager bei Eintracht Frankfurt, wurde am vergangenen Wochenende sang- und klanglos vor die Tür gesetzt.

Ungeachtet der Tatsache, dass dieser Mann, wenige Wochen zuvor über die Netzwerke des DFB als Retter der Fußballzukunft gehandelt wurde. Er sollte die Bierhoff Nachfolge antreten und dem Verband in sportlicher Hinsicht ein neues Image geben. Er wäre auch dafür verantwortlich gewesen, die Nationalmannschaft der Männer wieder in die Erfolgsspur setzen.

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Dafür hätte der Verband wohl auch eine Ablöse an die Hertha zahlen wollen. Zumindest wurde diese Forderung der Berliner vorab schon durchgesteckt und intensiv diskutiert. Nun zahlt die Hertha dem gefeuerten Manager eine üppige Abfindung und Bobic ist erstmal arbeitslos.

Bobic-Nachfolger bringt Leidenschaft für die Hertha mit

Diese Geschichte ist ein wunderbarer Spiegel des Fußballgeschäfts. Den Job von Bobic macht nun ein anderer. Jemand, der zwar wenig Erfahrungen als exponierter Sportmanager mitbringt, dafür aber mit Leib und Seele ein Mann der Hertha ist. Der neue Sportchef "Zecke" Neuendorf zählt sicherlich nicht zum Fußball-Establishment. Er wurde von den Verantwortlichen der Hertha aus ganz anderen Gründen für den Posten ausgewählt. Im Grunde ist er einer von uns. Er bringt Identifikationsfläche mit und genau darüber freuen sich die Fans.

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Andreas "Zecke" Neuendorf ist nach dem Bobic-Aus Leiter des Lizenzspieler-Bereichs bei Hertha. Bild: dpa-Zentralbild / Soeren Stache

Bobic könnte nun nahtlos beim DFB anheuern. Schließlich hat sich an seinem Kompetenzprofil und an seiner Begabung als Fußballmanager nichts verändert. Das einzige, was fehlt, ist die Macht und der Rückenwind, den er als etablierte Größe im Fußball-Establishment genießen konnte.

Hinterzimmer-Spiel der Vereine könnte schwieriger werden

Die Entlassung kratzt an diesem Image und steht einer raschen Neuverpflichtung im Wege. Nun kann sich selbst der DFB diesen Mann nicht mehr leisten, denn nun würden auch die allerletzten Naivlinge nicht mehr glauben wollen, dass Fredi Bobic über alle Zweifel erhaben sei.

Ich meine, der Mut, den Kay Bernstein als Präsident in Berlin unter Beweis gestellt hat, deutet auf eine Gegenbewegung zum Establishment-Fußball hin. Die mächtigen Männer sind seit vielen Jahren nämlich nicht mehr "über jeden Zweifel erhaben".

Die Kritik am Kommerz-Fußball kratzt letztlich auch an der Macht solcher Alphatiere und sie werden es zukünftig überall dort, wo die Fans mitsprechen und ihre Präsidenten wählen und stützen können, schwer haben, das Spiel nach ihren Regeln des Hinterzimmers zu spielen.

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