Freiburgs Stürmer Nils Petersen. Der 32-Jährige erzielte bereits 28 Tore als Joker.
Freiburgs Stürmer Nils Petersen. Der 32-Jährige erzielte bereits 28 Tore als Joker.
Bild: DeFodi Images / DeFodi Images
Interview

"Er erzählt uns, was in der Welt los ist": Nils Petersen über den besonderen Einfluss von Trainer Christian Streich beim SC Freiburg

13.08.2021, 17:3313.08.2021, 17:34

Zum Start in die neue Bundesliga-Saison wird es nicht nur auf dem Feld, sondern auch an der Seitenlinie einige Veränderungen geben. Gleich acht Mannschaften haben einen neuen Trainer – nicht so der SC Freiburg.

Die Breisgauer gehen bereits in die zehnte Saison mit ihrem Coach Christian Streich. Der 56-Jährige ist aktuell mit Abstand der dienstälteste Übungsleiter in der Fußball-Bundesliga. Wir haben über Streich und seinen Erfolg mit dem Freiburger Spieler Nils Petersen gesprochen.

"Nicht jeder von uns liest Zeitung und wenn man ab und zu mal ein bisschen was erläutert bekommt, ist das gar nicht dumm."
Nils Petersen über die Ansprachen von Trainer Christian Streich, die sich nicht immer um Fußball drehen

"Jeder respektiert ihn und weiß, dass er der Chef ist und auch, dass er der Star des Vereins ist", bringt es Stürmer Petersen gegenüber watson auf den Punkt. Der 32-Jährige arbeitet seit Januar 2015 mit Streich zusammen. Es gibt in der Bundesliga kein Duo, das bereits seit so langer Zeit miteinander arbeitet und dabei offenbar so auf einer Wellenlänge ist.

Christian Streich ist mit Abstand der dienstälteste Trainer der Fußball-Bundesliga.
Christian Streich ist mit Abstand der dienstälteste Trainer der Fußball-Bundesliga.
Bild: dpa / Daniel Karmann

"Es herrscht ein sehr großes Vertrauensverhältnis. Er sagt selber manchmal: 'Wir müssen uns gar nicht groß verständigen oder kommunizieren', sondern wir wissen beide, dass wir da so ähnlich denken und einen realistischen Blick auf die Situation haben", erzählt der Stürmer.

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Und dieser realistische Blick ist eben auch, dass die Freiburger in der Bundesliga selten Favorit und häufig der Underdog sind. Seit drei Jahren waren die Breisgauer aber nie schlechter als Platz 13. "Es sind Kleinigkeiten, die dafür sorgen, ob du absteigst oder drin bleibst und genauso auch in die andere Richtung", fasst Petersen zusammen.

Auch in der vergangenen Saison landete der Sport-Club auf Rang 10, es fehlten nur fünf Punkte auf Platz sieben, der zur Teilnahme an der neu gegründeten Uefa Conference League berechtigt hätte.

Freiburgs Trainer Streich äußert sich immer wieder zu politischen Themen

Der Freiburger Stürmer ist seinem Trainer nicht nur für die sportlichen Erfolge dankbar, sondern auch für das Wissen, das er seinen Spielern über ganz andere Dinge vermittelt.

Bereits 2017 gab Petersen in einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin "Focus" zu: "Salopp gesprochen, verblöde ich seit zehn Jahren, halte mich aber über Wasser, weil ich ganz gut kicken kann." Und fügte hinzu: "Manchmal schäme ich mich, weil ich so wenig Wissen von der Welt besitze."

Sein Trainer Christian Streich hingegen äußert sich auch immer wieder bei Pressekonferenzen in seinem badischen Dialekt zu bundes- und weltpolitischen Themen. So forderte er bereits seine Profis auf, wählen zu gehen und fand kritische Worte gegenüber Donald Trump und der AfD.

Und genau diese Themen spreche der 56-Jährige auch immer wieder in der Kabine und vor seinen Spielern an. "Es liegt ihm einfach auf dem Herzen, manchmal über Dinge abseits des Fußballs zu sprechen. Er erzählt uns, was gerade in der Welt passiert und erläutert uns seinen Standpunkt", erzählt Nils Petersen. "Und es schadet nicht, weil nicht jeder von uns liest Zeitung und wenn man ab und zu mal ein bisschen was erläutert bekommt, ist das gar nicht dumm."

SC Freiburg ohne Abgänge und nur mit
internen Zugängen

In der kommenden Spielzeit werden Streich dann die gleichen Spieler zuhören wie in der vergangenen Saison. In der Vergangenheit musste der Sport-Club noch regelmäßig seine besten Spieler an größere Vereine abgeben, doch in dieser Transferphase kehrte lediglich Stamm-Torhüter Florian Müller nach einjähriger Leihe nach Mainz zurück und wechselte von dort direkt zum VfB Stuttgart.

"Ich glaube, dass wir den Kader gut zusammengehalten und uns als junge Mannschaft nochmal weiterentwickelt haben", bewertet Petersen die Sommerpause, nach der es dieses Jahr außer vier Spielern aus der eigenen zweiten Mannschaft keine Neuzugänge gibt.

Für den 32-jährigen Angreifer selbst wird es vor allem darum gehen, schnell wieder in den Spielrhythmus zu finden, da er die Vorbereitung mit einer Knieverletzung verpasste.

Petersen: "Meine Konkurrenz schläft nicht"

Dann gilt es, seine Sturmkonkurrenten wie Lucas Höler, Ermedin Demirović oder Roland Sallai auf die Bank zu verdrängen.

"Und wenn mich der Trainer dann eher als Joker sieht, dann nehme ich das auch mit, weil es ist kein Wunschkonzert, sondern Bundesliga Tagesgeschäft. Und meine Konkurrenz schläft nicht. Die ist brutal gut. Und dann gehört es auch dazu, sich da mal hinten anzustellen. Aber natürlich auch, tagtäglich daran zu arbeiten, die Spieler zu überholen."

"Als Joker kann man auch immer noch kommen, wenn man mal ein bisschen älter ist."

Für Angreifer Petersen klappt das natürlich noch besser, wenn er in Pflichtspielen trifft. Und das gelingt ihm besonders häufig, wenn er von der Bank kommt. 29 seiner 84 Bundesligatore erzielte er nach einer Einwechslung und ist damit der erfolgreichste Joker aller europäischen Top-Ligen.

Nils Petersen beim Aufbautraining während des Trainingslagers des SC Freiburg. Er verpasste große Teile der Vorbereitung verletzt.
Nils Petersen beim Aufbautraining während des Trainingslagers des SC Freiburg. Er verpasste große Teile der Vorbereitung verletzt.
Bild: Eibner-Pressefoto / Hahne /Eibner-Pressefoto

Dabei haben die Tore nach einer Einwechslung gar nicht mehr oder weniger Bedeutung, dennoch sei es natürlich schön, wenn man in den Gedanken des Trainers in der ersten Elf ist, erzählt er.

"Als Joker kann man auch immer noch kommen, wenn man mal ein bisschen älter ist. Aber ich bin glücklich, wenn ich der Mannschaft mit meinen Toren helfen kann."

In der vergangenen Saison gelang ihm das mit acht Toren. Der Abstand zu den internationalen Plätzen betrug nur fünf Punkte. Daher sagte Mittelfeldspieler Vincenzo Grifo im Trainingslager in Österreich, dass man "ja nicht schlechter" werden wolle. Nils Petersen stapelt unterdessen etwas tiefer: "Es wäre gut, wenn wir wieder so performen können wie in den letzten Jahren und am besten gar nichts mit dem Abstieg zu tun bekommen."

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