Sport
Olympia 2024

Olympia 2024: Schwimmstar Florian Wellbrock über Paris und einsame Momente

WELLBROCK Florian Team GER 3.Platz Finale 1500m Freistiel der Maenner FINA Schwimmweltmeisterschaften 2022 in Budapest am 21. 06.2022 in Budapest *** WELLBROCK Florian Team GER 3 Place Final 1500m Fre ...
Florian Wellbrock gewann bei den Olympischen Spielen in Tokio Gold und Bronze. Bild: imago images / Laci Perenyi
Olympia 2024

Schwimm-Star Florian Wellbrock über Olympia, Urlaub und einsame Momente

Noch dauert es ein wenig, bis die Olympischen Spiele in Paris beginnen. Watson hat bei Deutschlands Top-Athlet:innen nachgefragt, wie die Vorbereitung läuft Heute: Schwimmstar Florian Wellbrock.
13.07.2023, 14:4308.04.2024, 09:55
Mehr «Sport»

Hinweis der Redaktion: Dieses Interview wurde im Juli 2023 veröffentlicht. Kurz vor Olympia 2024 erscheint es an dieser Stelle aktualisiert erneut.

Watson: Florian, deine Frau Sarah, ebenfalls jahrelang Leistungsschwimmerin, hat aus gesundheitlichen Gründen ihren Rücktritt bekannt gegeben. Kamen dir da ähnliche Gedanken?

Florian Wellbrock: Nein, auf keinen Fall. Ich habe den Prozess begleitet und bin ihr natürlich zur Seite gestanden. Ich habe gemerkt, dass mir die Trainingslager und Wettkampfreisen hier und da etwas schwerer fallen, da ich mich nach meiner Frau sehne. Das ist schon ungewohnt, aber ich blühe in dem, was ich aktuell machen kann, total auf. Ich werde dem Schwimmsport noch lange erhalten bleiben.

Olympiasieger Schwimmer Florian Wellbrock mit Freundin und Bronzemedaillengewinnerin Sarah K�hler - Empfang der Teilnehmer an den Olympischen Spielen in Tokio im Rathaus in Magdeburg *** Olympic champ ...
Florian und Sarah Wellbrock mit ihren Olympia-Medaillen 2021. Bild: imago images / Christian Schroedter

Dein Stern ging in der breiten Öffentlichkeit vor allem bei den Olympischen Spielen in Tokio 2021 auf, als du Gold und Bronze gewonnen hattest. Seit wann hast du Paris im Kopf?

Das ist für mich vergangenes Jahr noch gar nicht so präsent gewesen. Es war zwar durch die Ticketvergabe wieder ein Thema, aber gedanklich noch relativ weit weg – es standen noch so viele Trainingslager und Trainingskilometer an, dass ich daran noch nicht dachte.

Neu: dein Watson-Update
Jetzt nur auf Instagram: dein watson-Update! Hier findest du unseren Broadcast-Channel, in dem wir dich mit den watson-Highlights versorgen. Und zwar nur einmal pro Tag – kein Spam und kein Blabla, versprochen! Probiert es jetzt aus. Und folgt uns natürlich gerne hier auch auf Instagram.

Sondern erstmal an einen Urlaub nach der WM?

Genau. Es ist einfach enorm wichtig, dass der Körper sich gerade wieder erholen kann und man genug Kraft für die Saison tankt.

Kannst du im Urlaub gut abschalten?

Bei drei Wochen Urlaub denke ich mir nach anderthalb Wochen, dass es langsam wieder losgehen könnte (lacht). Ich weiß aber auch, dass es für den Körper und den Kopf wichtig ist, auch mal länger die Füße stillzuhalten. Ich bin mit meinem Hund aber sowieso viel unterwegs und in Bewegung. Nur rumliegen und nichts tun, das kann ich nicht.

Also überwiegt nach dem letzten Wettkampf stets die Freude auf die Rückkehr ins Training.

Ich habe viel Spaß an diesem Trainingsprozess und fühle mich in der Trainingsgruppe in Magdeburg sehr wohl. Das ist für mich ein Stück Ersatzfamilie.

Teil der Trainingsgruppe ist auch Mychailo Romantschuk, der in Tokio auch Silber und Bronze gewann und einer deiner ärgsten Konkurrenten ist. Hast du dir von ihm etwas abgeschaut oder er von dir?

Weder noch, dafür sind wir zu unterschiedlich. Aber es ist natürlich ein wahnsinniger Vorteil, mit ihm zu trainieren und macht unheimlich viel Spaß. Ich denke, dass das in der Vorbereitung hilft und geholfen hat.

"Wenn ich sage, dass ich der Anführer bin, steigt mir mein Trainer aufs Dach."
Schwimmstar Florian Wellbrock

Absolviert ihr auch die Olympia-Vorbereitung gemeinsam?

Die Gruppe bleibt so bestehen. Wir fühlen uns super wohl und das Training in der Gruppe funktioniert sehr gut.

Wie definierst du deine Rolle in der Gruppe?

Wenn ich sage, dass ich der Anführer bin, steigt mir mein Trainer aufs Dach (lacht). Aber was die Athleten betrifft, denke ich schon, dass ich eine kleine Leader-Rolle eingenommen habe. Wenn irgendwo Probleme oder Fragen auftauchen, wenden sich einige Sportler zuerst an mich, weil sie wissen, dass ich viel Erfahrung habe. Aber ich fühle mich in der Rolle wohl und bin froh, wenn ich unterstützen oder helfen kann.

Hattest du am Anfang Probleme, diese Position anzunehmen?

Schon ein bisschen. Nach Olympia in Tokio gab es bei uns einen kleinen Umbruch, gerade als jemand wie Franziska Hentke aufgehört hat. Sie war morgens als Erste da, ging als Letzte, arbeitete unheimlich diszipliniert und war ein Aushängeschild für den Verband und die Gruppe. Als sie weg war, hat man gemerkt, dass die Gruppe ganz intuitiv jemand Neues sucht. In diese Rolle bin ich dann ein bisschen gestolpert.

Besonders durch die Erfolge bei den Weltmeisterschaften und Olympia bist in der Öffentlichkeit zum deutschen Schwimmstar aufgestiegen.

Ich merke das natürlich: Wenn es um den Schwimmsport geht, wird als Erstes nach meiner Meinung gefragt. Es ist auch irgendwo eine Auszeichnung für meine Leistungen, da das auch von außen kommt. Wenn die Leute mich so anerkennen und ich so wertgeschätzt werde, macht mich das natürlich stolz.

Das Interesse an deiner Person war samt TV-Auftritten enorm. Was würde passieren, wenn du bei den Olympischen Spielen erneut eine Medaille gewinnen würdest?

Ich hoffe, dass es nochmal ein bisschen größere Wellen schlagen würde. Grundsätzlich hoffe ich auf normale olympische Spiele.

Wie meinst du das?

2016 in Rio war alles im olympischen Dorf katastrophal geregelt. 2021 war ohne die ganzen Zuschauer total merkwürdig und ich denke, dass sich viele Sportler nach normalen Olympischen Spielen mit Publikum vor Ort sehnen. Das würde unabhängig von meiner Sportart für noch mehr Aufmerksamkeit für die Erfolge aller Athleten sorgen.

Weiterhin gibt es Debatten, ob russische und belarussische Athleten bei den Spielen teilnehmen dürfen.

Das ist nach wie vor einfach schwierig. IOC und die Dachverbände der Sportarten haben eine Entscheidung getroffen und sich bewusst dagegen ausgesprochen. Politisch hat sich an der aktuellen Situation nichts geändert, daher finde ich diese neuen Debatten schwierig und verstehe nicht, woher das kommt.

Formel 1 in Ungarn: Lando Norris und Oscar Piastri sticheln gegen Fahrer-Kollegen

Für McLaren könnte die Ausgangslage vor dem F1-Rennen in Budapest nicht besser sein: Lando Norris startet von der Pole-Position, sein Teamkollege Oscar Piastri vom Platz dahinter.

Zur Story