Die Mainz-Profis Jean-Philippe Mateta, Moussa Niakhaté, Kunde Malong und Robin Quaison (v.l.n.r.).
Die Mainz-Profis Jean-Philippe Mateta, Moussa Niakhaté, Kunde Malong und Robin Quaison (v.l.n.r.).
Bild: imago sportfotodienst / Martin Hoffmann

"Für diese Aktion liebe ich euch!": Joko feiert Mainz 05 für Statement gegen Rassismus

10.06.2020, 09:57

Normalerweise kämpfe man beim FSV Mainz 05 leidenschaftlich um jedes Mitglied und bedaure Kündigungen. Doch in diesem Fall sei es genau umgekehrt: Der Klub freue sich vielmehr über die Kündigung einer Mitgliedschaft.

Der Bundesligist hat am Montag ein rassistisches Kündigungsschreiben eines Mitglieds, dem zu viele dunkelhäutige Profis in der Mannschaft spielen, in einer Mitteilung öffentlich gemacht. Damit setzte der Klub aus der Landeshauptstadt von Rheinland-Pfalz ein deutliches Statement und positioniert sich klar gegen Rassismus.

Mainz 05: Mitglied hatte den Eindruck, dass es beim Afrika-Cup sei, anstatt in der Bundesliga – er sei aber "auf keinen Fall" rassistisch veranlagt

Das nicht namentlich genannte Mitglied hatte sich laut dem Schreiben beklagt: "Ich kann mich mit diesem Verein (Profifußball) schon seit Monaten nicht mehr identifizieren! Mittlerweile bekomme ich den Eindruck vermittelt, dass ich beim Africa-Cup bin, anstatt in der deutschen Bundesliga." Er sei "auf keinen Fall" rassistisch veranlagt. "Aber wenn seit Wochen in der Startformation neun (!!!) dunkelhäutige Spieler auflaufen und deutschen Talenten kaum noch eine Chance gegeben wird, dann ist das nicht mehr mein über die Jahre liebgewonnener Verein."

Der Bundesligist erklärte dem mittlerweile Ex-Mitglied, welches sich "verbittet" Rassist zu sein, die Sache mit dem Rassismus in seinem Statement nochmal anzusehen: "Rassismus beginnt da, wo rassistische Gedanken geäußert werden, nicht nur, wenn sich jemand selbst als Rassist bezeichnet – was in den seltensten Fällen vorkommt"

Zum Haareraufen.
Zum Haareraufen.
screenshot: mainz05.de

Mainz 05 rechnet mit Ex-Mitglied ab: "Wir freuen uns vielmehr über ihre Kündigung"

Die Mainzer machten außerdem deutlich, dass bei ihnen Hautfarbe oder andere gruppenbezogene Merkmale von Menschen schlicht keine Rolle spielen würden: "Für uns zählt nur, dass jemand Mensch ist und unsere Werte teilt. Solche Menschen heißen wir in unserer Gemeinschaft gerne willkommen. Aus diesem Grunde freuen wir uns vielmehr über Ihre Kündigung, da Ihre Begründung offenbart, dass Sie nicht die Wertebasis besitzen, die unseren Verein auszeichnet", heißt es weiter. Im Übrigen seien zwei der neun vom Ex-Mitglied gemeinten Spieler, der deutsche U21-Nationalspieler Ridle Baku und der Luxemburger Leandro Barreiro, beim FSV Mainz ausgebildet worden und damit sehr wohl Talente aus dem eigenen Nachwuchs, wie der Klub betont.

Mainz 05 verweist auch auf seine Vereinssatzung: Der FSV biete Kindern, Jugendlichen, Erwachsenen und Menschen mit Behinderung unabhängig von Geschlecht, Abstammung, Hautfarbe, Herkunft, Glauben, sozialer Stellung oder sexueller Identität eine sportliche Heimat.

Dazu stellten die Mainzer ein Foto, wie die Profis Moussa Niakhaté und Kunde Malong nach dem Sieg in Frankfurt am Spielfeldrand knien und damit ein Zeichen gegen Rassismus setzen. #BlackLivesMatter.

Joko offenbart in seiner Insta-Story: "Seit heute bin ich auch Fan von Mainz 05"

Das Statement der Mainzer sorgte in den sozialen Medien für viel Applaus. Am Dienstagmorgen meldete sich auch ProSieben-Moderator Joko Winterscheidt bei Instagram zu Wort: "Guten Morgen zusammen, lese gerade, was der 1. FSV Mainz 05 einem Ex-Mitglied geschrieben hat. Dieser Mensch tritt aus dem Verein aus, weil er das Gefühl habe, beim Afrika-Cup, aber nicht in der Bundesliga zu sein. Ich bin mit Haut und Haaren Fan meiner Borussia (Mönchengladbach, Anm.). Aber seit heute bin ich auch Fan von Mainz 05", schreibt er in seiner Story.

Moderator Joko Winterscheidt.
Moderator Joko Winterscheidt.
Bild: imago images/ Future Image

Und weiter:

"Für diese Aktion liebe ich euch!!! Danke!!! KEIN PLATZ FÜR RASSISTEN!"
Joko Winterscheidt auf Instagram.
screenshot: instagram/officiallyjoko

Mainzer Profis wie der Schwede Robin Quaison oder der Franzose Moussa Niakhaté dankten in ihren Insta-Stories dem Klub für das klare Statement. Union Berlins Anthony Ujah – der Nigerianer spielte zwei Jahre für die Rheinhessen – schrieb: "Ich bin stolz darauf, euer Trikot getragen zu haben."

Moussa Niakhaté:

instagram/moussa_nkt21

Robin Quaison:

instagram/quaison

Anthony Ujah:

instagram/ujah21

(as/mit Material von dpa)

"30.000 Zuschauer als Sitzschalen verkleidet" – so wurde das El Plastico gefeiert

RB Leipzig gegen TSG Hoffenheim. Der Tabellenvierte gegen den Tabellenachten. An einem Montagabend. Die überhaupt erst siebte Begegnung dieser beiden Teams lockte immerhin noch um die 33.000 Zuschauer in die Leipziger Arena.

Während die Zuschauer im Stadion ein von Taktik geprägtes 1:1 zu sehen bekamen, bestachen die Fans der anderen Vereine mit Schadenfreude über das als "El Plastico" verschriene Duell.

Und weil wir Schadenfreude lieben, wollen wir euch diese natürlich nicht vorenthalten.

(bn)

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