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Formel 1: Wie Michael Schumacher die vergangenen 30 Jahre prägte

Michael Schumacher als Ferrari-Fahrer
Michael Schumacher bejubelt hier den Sieg beim Rennen in Magny-Cours.Bild: Imago Images / Andreas Beil
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Formel 1: Der Kämpfer – wie prägend Michael Schumacher in den letzten 30 Jahren war

27.12.2023, 16:2929.12.2023, 14:48
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Michael Schumacher. Allein der Name sorgt bei mir für die schönsten Erinnerungen meiner Kindheit und Jugend. Die unzähligen Überholmanöver. Der Schumi-Finger, den es bei fast jeder Siegerehrung gab, welche dann mit der deutschen und der italienischen Hymne abgerundet wurde. Die zahlreichen Sonntage, an denen ich um 14 Uhr nicht mit meinen Jungs auf den "Spieli" gehen konnte, um zu kicken. Ich musste "meinen" Schumi angucken.

Er brach Rekorde, die jahrelang als uneinholbar galten, wurde erster Fahrer, der sieben Weltmeistertitel sammelte, und war mit 91 Rennsiegen der erfolgreichste Pilot in der Königsklasse des Motorsports, bis ihn Lewis Hamilton 2020 überholte.

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Doch seit rund einem Jahrzehnt ist es still um Schumacher. Auf den Tag genau vor zehn Jahren, am 29. Dezember 2013, verunglückte Schumacher beim Skifahren in Méribel. Er erlitt schwere Kopfverletzungen. Seitdem schirmt ihn seine Familie ab. Wenig ist über seinen Gesundheitszustand bekannt.

Zu seinem 50. Geburtstag 2019 veröffentlichten seine Frau und die gemeinsamen Kinder ein Statement. Die Fans könnten sicher sein, dass "alles Menschenmögliche" gemacht werde, um Schumacher zu helfen. Beendet wurde das Zitat mit dem Wunsch nach Verständnis dafür, dass die Gesundheit des Rekordweltmeisters "in der Privatsphäre" belassen werde.

Formel 1: Michael Schumacher als ambitionierter und schlagfertiger Siegertyp

Für mich ist das absolut fein. Egal, wie es ihm geht: Für die Familie ist es schon schwer genug, wie die Netflix-Doku 2021 bereits zeigte. Ich will gar nicht wissen, wie es ihm geht. Ich will ihn in Erinnerung behalten, wie er für mich immer war.

Der unbesiegbare, immer fröhliche Gewinnertyp, der dem verrückt gekleideten RTL-Reporter Kai Ebel kurz vor Rennstart einen Spruch drückt oder mit roter Perücke seine Weltmeisterschaft feiert.

Sepang, Kuala Lumpur, Malaysia. 20-22 October 2000. Michael Schumacher Ferrari celebrates on the podium after winning the Grand Prix and the constructors World Championship, WM, Weltmeisterschaft for  ...
Michael Schumacher feiert 2000 seinen ersten Fahrer- und Konstrukteurs-Titel mit Ferrari.Bild: Imago images / Motorsport Images

Für mich war Schumacher mehr als nur ein außergewöhnlicher Sportler. Er war Idol, Vorbild und in gewisser Weise auch Freund. Gerade in seinen erfolgreichen Ferrari-Jahren zwischen 2000 und 2004 feierte ich jeden Sieg. Er gewann 48 von 85 Rennen in diesem Zeitraum.

Auch in der souveränsten Saison 2004, als er bei 13 Wochenenden ganz oben auf dem Podium stand, hatte ich mir den Wecker gestellt, um das Australien-Rennen am Sonntagmorgen um 4 Uhr zu gucken. Mit Kakao und Bettwäsche auf der Couch der Eltern. Der Frühschoppen meines 12-jährigen Ichs halt. Als meine Eltern aufstanden, wehte meine Schumacher-Fahne schon vor meinem Fenster.

Auf der Goldenen Hochzeit eines Verwandten war meine erste Frage, ob es einen Fernseher gibt, um Schumi zu gucken. Leider wurde dieses Familienfest für mich kein Highlight.

Formel 1: Michael Schumacher mit Licht und Schatten

So verrückt ich nach Schumacher auch war: Bei einem Konkurrenzkampf konnte er sich nicht durchsetzen. Bei der Namensgebung meines Hasen. Die Wahl war damals zwischen Schumi und dem Vornamen meines damaligen Lieblingsfußballers. Am Ende hieß mein Zwergkaninchen Carsten. Aber das ist eine ganz andere Geschichte.

Gewann Schumacher teilweise auch mit – rückblickend betrachtet – fragwürdigen Tricks, verteidigte ich ihn in meinem Tunnelblick. 1994 war ich zu jung, um den Crash zwischen ihm und Damon Hill zu sehen, durch den sich Schumi seinen ersten WM-Titel sicherte. Trotzdem gab es genug andere Aktionen, die ich verteidigte: Na und?! Dann muss Rubens Barrichello eben quasi auf der Ziellinie stehen bleiben, um Schumacher 2002 in Österreich den Sieg zu schenken. Schließlich ist Schumi ja der bessere.

Wie unsportlich und ungerecht das war, wollte ich mit zehn Jahren nicht wahrhaben. Gleichzeitig verfluchte ich Fahrer, die es wagten, Schumi hinter sich zu lassen, egal ob fair oder unfair.

Mein erstes Feindbild war der Finne Mika Häkkinnen. Er wagte es doch tatsächlich, 1998 und 1999 Weltmeister zu werden und auch Anfang der 2000er das Leben für Schumacher schwer zu machen.

Später wurde es Fernando Alonso. Der Spanier gewann 2003 seinen ersten Grand Prix im Renault. Besonders in Erinnerung ist mir das Rennen 2005 in Imola geblieben. Schumi startete von Platz 14, arbeitete sich bis auf den zweiten Platz vor. Dann verzweifelte er über zwölf Runden am Spanier, kam letztlich 0,2 Sekunden hinter ihm ins Ziel. Damals für mich ein handfester Skandal. Fahrerische Klasse für alle Experten. Und der Anfang einer Wachablösung, die zu diesem Zeitpunkt noch nicht zu ahnen war.

Später in dem Jahr schnappte sich Alonso die Fahrermeisterschaft, genauso wie in der Saison danach. Schumi machte Schluss. Vorerst. Nach der Saison 2006 beendete er seine Karriere. Oder besser gesagt: Er pausierte sie. Immer wieder gab es Gerüchte, er könne doch zurückkehren. Genährt durch mehr oder weniger heimliche Testfahrten in den Jahren danach, die aber immer wieder an die Öffentlichkeit kamen.

Kurz vor Weihnachten 2009 platzte dann die große Bombe: Schumi kommt zurück. Für mich hätte es in diesem Jahr wohl kein größeres Weihnachtsgeschenk geben können. Die Tatsache, dass er nicht für Ferrari, sondern für Mercedes fahren würde, war mir völlig wurscht.

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Michael Schumacher (r.) mit dem damaligen Red-Bull-Piloten Sebastian Vettel.Bild: dpa / Jens Büttner

Am Ende waren die drei Mercedes-Jahre aber alles andere als erfolgreich. Schumacher fuhr meist hinterher, meine Euphorie war gebrochen und ich erinnerte mich lieber an die erfolgreiche Ferrari-Zeit rund zehn Jahre zuvor zurück.

Trotzdem gab es auch bei den Silberpfeilen Highlights: Die Pole Position 2012 in Monaco, von der er wegen einer Strafversetzung aber nicht starten durfte. Der einzige Podiumsplatz 2012 in Valencia. Das packende Kanada-Rennen 2011, bei dem er knapp am Podium vorbeiraste und nur wegen 0,3 Sekunden den dritten Platz verpasste.

Am Ende habe ich mir immer versucht einzureden, dass Schumacher mit seiner Arbeit bei Mercedes den Grundstein für die Erfolge von Lewis Hamilton und Nico Rosberg gelegt hat. Zwischen 2014 und 2020 ging jeder Titel an Mercedes. Es kann kein Zufall sein, dass Schumi bis 2012 an der Entwicklung des Silberpfeils mitgewirkt hat.

Formel 1: Was auch viele Jahre nach Schumachers Erfolgen bleibt

Und so schließt sich der Kreis. Auch wenn Schumacher mittlerweile von der Bildfläche verschwunden ist, hat er seine Spuren hinterlassen. Wenn ich mich mit Freunden über die Formel-1-Zeit mit Schumi unterhalte, bekommen sie so glasige Augen, wie die Perlen am Glas aus dem berühmten Krombacher-Einspieler vor und nach den Formel-1-Werbepausen auf RTL.

Schumacher hat vielen Menschen gezeigt, was es heißt, fokussiert und diszipliniert zu gewinnen. Er hat aber – zumindest im späteren Verlauf seiner Karriere – auch Größe gezeigt. Nach den verlorenen Weltmeisterschaften 2005 und 2006 gratulierte er Alonso artig, obwohl er zu diesem Zeitpunkt wusste, dass er seine letzte Chance vertan hatte.

Er kämpfte bis zum Schluss in jedem Auto um jeden Meter und jede Sekunde. Deshalb kann man ihn und seiner Familie nur an die Worte erinnern, die er selbst 2007 sagte: "Ich habe immer daran geglaubt, dass man nie aufgeben sollte. Man sollte immer kämpfen, selbst, wenn es nur eine kleine Chance gibt."

Keep fighting, Michael.

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