Sport

Kroos denken, klein wird's von alleine – die watson-Spielanalyse

Das war kein Freistoß – das war Kroos!

Mit einem Wort: Kroos.

In letzter Sekunde ließ er, um es mit den Worten von Thomas Müller zu sagen, "die Schmetterlinge fliegen".  Nun ja. Vor dem Spiel sah das dann doch irgendwie anders aus. Um die deutsche Fußballnationalmannschaft herrschte eine Stimmung wie in der Union. Untergang pur.

Gegen Mexiko hatten die Deutschen nur Anspruch, aber keine Mittel.

Doch unmittelbar vor Anpfiff konnten die Vorzeichen besser nicht sein. 

Es orakelte:

Wer Basler gegen sich hat, braucht keinen Motivationstrainer.
Das Mikrowellen-Orakel hielt dagegen.

Unterstützung kam nicht nur aus der Küche, sondern auch von GANZ oben:

Seit er Deutschland wiedervereint hat, ein treuer Fan:

Aber zum Spiel:

Im Vergleich zur Auftaktniederlage gegen Mexiko ließ Löw Özil, Khedira und Plattenhardt auf der Bank, Hummels musste passen. Dafür standen Hector, Rüdiger, Rudy und Reus in der Startelf.

Die entscheidenden Fragen aber waren andere:

1. Würde Mats Hummels endlich sein Buch auslesen können?

Wir erinnern uns: Am Tag vor dem Schwedenspiel sahen wir einen nachdenklichen Abwehrhünen mit Strohhut, der am schwarzen Meer entlang spazierte, mit einem Buch unter dem Arm. "100 Gramm Wodka."

Offiziell spielte Hummels nicht, weil er Nacken hatte. Doch wer die Bilder vom Spaziergänger Hummels in Sotschi gesehen hatte, konnte nur zu einem Schluss kommen: Er brauchte schlicht Zeit. Zum Lesen.

Anpfiff. Endlich.

Achtung! 3,2,1... Ikea-Witz:

Billy, Stehlampe, Sofa – das deutsche Team als Ikea-Möbel

Bereits in den ersten Minuten des Spiels wurde klar: "Die tiefen Läufe von Timo Werner sind gefragt." (Tom Bartels)

Dann die erste Großchance der deutschen Mannschaft. Reus, Draxler. Und die Erkenntnis: Läuft.

Sah auch Ralf Stegner so:

Doch der Schwede kam und konterte. Und auf der Bank las Hummels Özil vor: "Diesmal bewegen sich die Gardinen nicht."

Dann die 25. Minute. Ein blutender Rudy lag am Boden. Graues Engelshaar huschte durchs Bild. Team-Arzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt kniete neben Rudys Nase und machte die Auswechselgeste.

Überall Blut. Und Tom Bartels kommentierte aus dem Off: "Hoffentlich hat er sich dabei nicht verletzt."

Der Bruch im Spiel

Und dann das: 31. Minute. Ein Ball flog in den deutschen Strafraum. Ein Schwede pflückte ihn mit der Brust. Und traf. 1:0.

Und Hummels las: "Über den Zuckerrübenfeldern der Riedlandschaft steigt langsam die Sonne auf und taucht alles in ein helles Orange. Der Himmel ist sattblau und wolkenlos. Wann habe ich meine Mutter zum letzten Mal weinen sehen?"

Manch einer erinnerte sich an Wagner:

Andere an Sané:

Und wieder andere an die gute alte Zeit:

Gündogan kam für Rudy. Doch Deutschland spielte immer noch schlecht. Und ein Gefühl machte sich breit. Dieses Gefühl, wenn du aus welchen Gründen auch immer allein auf einer Party bist, zum Handy greifst und einen Anruf simulierst. So standen sie da, die Kroos' und Kimmichs. Anrufe simulierend. Hilfe suchend. Allein.

Und keine Sonne über Sotschi. 

Das Beste an der ersten Halbzeit. Der Pfiff.

Christoph Metzelder gab dann die entscheidenden Tipps

Ob es wirklich so war – wir können es nur hoffen. Jogi Löw kam aus der Kabine und brachte Mario Gomez mit. Eine Halbzeit blieb. 45 lausige Minuten. Eine Höllenfrist, ein Ultimatum, das selbst Seehofer nicht stellen würde.

Aber im Dark-Room waren sie auf Zack:

Nur Hummels blieb ganz vertieft: "Ich lehne mich zurück und genieße meinen Pfannkuchen. Ein Junge läuft aufgedreht über den Platz, direkt in einen Pulk pickender Tauben hinein. Ihre Mahlzeit endet in aufgescheuchtem Durcheinander."

Erst Stille. Und dann das!

"Spürnase" Reus traff ins schwedische Tor.

Alle waren wieder wach.

Plötzlich. Ging. Wieder. Was.

Und auch Ralf Stegner war nicht mehr allein:

Schweden betonierte die eigene Hälfte. Deutschland passte sich schwindelig.

Und dann war da ja noch wer...

Und in ganz Deutschland schickten Menschen Menschen zum Getränkeholen...

Doch dann trat Kroos in der letzten Minute der Nachspielzeit zum Freistoß an.

Oder um den watson-Liveticker zu zitieren: 95. Spielminute: ToooooooooooorKrooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooos!

Fanden nicht alle gut...

"Wir" schon. Ein Freistoß wie ein später Caspar David Friedrich. Ein Affront gegen den Raum, aber gerade so in der Zeit. 

Sah auch die Statistik so:

Plötzlich wollte es jeder gewusst haben.

Plötzlich wollte es jeder gewesen sein.

Und noch schöner als der Sieg. Das watson-Mikrowellenorakel ungeschlagen. Mal wieder!

Bonusmaterial:

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Video: watson/Toni Lukic, Lia Haubner, Marius Notter

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