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Anett Sattler moderiert für MagentaTV die Spiele der WM aus dem Studio in Ismaning.Bild: imago / thomas vonier
WM 2022

WM-Moderatorin Anett Sattler spricht über ihre Erlebnisse in Katar, das DFB-Team und ihre Ziele

15.11.2022, 12:01

Anett Sattler begleitet die WM 2022 in Katar als Moderatorin. Die 39-Jährige steht für MagentaTV vor der Kamera – und nur dort sind wirklich alle Partien der Weltmeisterschaft zu sehen.

Im Interview mit watson spricht Anett Sattler über den WM-Gastgeber, den Spagat zwischen Sport und Politik, ihre Erlebnisse in Katar, ruhige Nächte in der stressigsten Zeit des Jahres und den Vergleich mit ARD und ZDF.

"Ich sagte dem Fahrer, wo wir hinwollen. Er ist nicht losgefahren."
Anett Sattler über ihre Katar-Erfahrung

watson: Anett, du begleitest als Moderatorin die WM in Katar. Wie groß ist die Nervosität vor solch einem Mega-Event?

Anett Sattler: Ich sitze nicht seit Wochen zu Hause und zähle die Tage, bis es losgeht. Wir haben mit der 3. Liga und dem Basketball bei MagentaSport noch jede Menge zu tun gehabt. Insofern kommt man gar nicht dazu, früh aufgeregt zu sein. Nichtsdestotrotz ist die WM seit fast einem Jahr dauerpräsent, weil die Entscheidung, an dieser WM in irgendeiner Form teilzunehmen, von Diskussionen begleitet wird. Deshalb setze ich mich schon sehr lange mit diesem Turnier auseinander.

Wie sieht das bei dir konkret aus?

Ich denke darüber nach, wie ich bei diesem Turnier meinem journalistischen Anspruch gerecht werden kann. Wir wissen alle: Es geht dieses Mal nicht nur um den Sport, sondern um so viel mehr. Gerade wir Medienschaffende haben eine große Verantwortung, der wir uns bewusst sein müssen.

Was habt ihr euch konkret vorgenommen?

Wir haben bei MagentaTV den großen Vorteil, dass wir unendlich viel Sendefläche haben. Wir können von morgens bis abends Content produzieren. Und das werden wir tun. Wenn Johannes B. Kerner zum ersten Spiel der Deutschen im Studio steht, wird natürlich der Sport im Mittelpunkt stehen. Aber es wird auch um das große Ganze gehen.

Wir haben darüber hinaus Formate, in denen wir die nicht-sportlichen Themen noch viel mehr beleuchten können. Ich moderiere zum Beispiel im Wechsel mit Sascha Bandermann das "Warm-up" vor den Spielen, da wird es auch um Politisches und Kulturelles gehen. Magenta TV hat eine sehr umfangreiche Doku produziert, die vor allem das Thema Menschenrechte und die Situation der LGBTQ+-Community beleuchtet.

Grundsätzlich haben wir uns vorgenommen, nicht meinungsbildend zu berichten. Sondern den Zuschauer:innen ein großes Potpourri an Meinungen und Fakten an die Hand zu geben, um sich selbst ein Bild zu machen, wie man diese WM findet.

"Ich bin vor allem gespannt, wer sich wie auch mal traut etwas zu sagen oder sich zu positionieren."

Gibt es von der Telekom, der MagentaTV gehört, Vorgaben, was ihr tun dürft und was nicht?

Nein, absolut nicht. Die Telekom sagt: "Ihr seid die Journalisten." Wir haben völlig freie Hand.

Du warst 2015 in Katar, um über die Handball-WM zu berichten. Wie hast du das Land erlebt?

Ich will ehrlich sein: Ich bin damals sehr naiv rangegangen. Vielleicht kann man das mit dem Alter begründen, vielleicht aber auch damit, dass man damals noch nicht so viel über das Land Katar wusste. Da hat sich dank der Aufmerksamkeit durch die Fußball-WM viel verändert. Insofern war ich damals vor allem neugierig auf das Turnier, das Land und die Kultur. Alles andere habe ich erst vor Ort durch persönliche Erfahrungen wahrgenommen.

Kannst du ein Beispiel nennen?

Im Gedächtnis ist mir eine Taxifahrt geblieben. Zwei männliche Kollegen und ich sind eingestiegen. Ich sagte dem Fahrer, wo wir hinwollen. Er ist nicht losgefahren. Also habe ich ihm nochmal gesagt, wo wir hinwollen. Er hat mich einfach ignoriert. Erst, als einer meiner Kollegen sagte, wo es hingeht, sind wir gestartet. Und beim Bezahlen war’s die gleiche Situation. Der Fahrer hat von mir kein Geld angenommen.

Darf man deiner Meinung nach unter moralischen Gesichtspunkten über dieses Turnier überhaupt berichten?

Ich sage ganz klar: ja, man muss sogar. Die Vergabe war ein Fehler, der nicht mehr rückgängig gemacht werden kann. Aber sie hat dazu geführt, dass danach viel genauer hingeschaut wurde. Plötzlich spricht die Welt über Dinge, die vorher kein Thema waren. Ich zitiere gerne die Kollegen Joko und Klaas, die gerade eine beispiellose Aufklärungsarbeit zur Revolution im Iran leisten. Die haben in ihrem Video dazu sinngemäß gesagt: "Aufmerksamkeit macht Verbrechen sichtbar. Und Aufmerksamkeit macht Druck und hält diesen aufrecht." Wenn wir nicht berichten würden, würde nichts besser werden. Wegschauen hilft niemandem vor Ort.

Lass uns übers Sportliche sprechen: Was erwartest du von diesem Turnier?

Das ist eine absolute Wundertüte. Für mich ist für die deutsche Nationalmannschaft alles drin, vom Vorrunden-Aus bis zum Titel. In diesem Jahr fehlt die Vorbereitung. Das kann gut oder schlecht sein, aber da haben zumindest alle die gleichen Voraussetzungen. Spannend finde ich vor allem das Thema Fitness. Diese WM findet nicht zum Ende der Saison statt, sondern im November, wo man theoretisch noch mehr Power haben sollte und mitten im Spielfluss ist. Ich bin gespannt, wie sich das auswirkt.

"Leon Goretzka hat das zuletzt ziemlich gut gemacht."

Erschweren die späten Nominierungen für dich auch die Vorbereitung?

Durchaus. Ich habe versucht, mich einfach so breit wie möglich aufzustellen. Die konkrete Vorbereitung beginnt dann erst am Tag vor den entsprechenden Spielen. Wir werden natürlich versorgt mit Statistiken und Info-Mappen, aber gerade bei Partien von weniger bekannten Mannschaften ist da natürlich viel Vorbereitung nötig.

Gibt es Spielertypen, auf die du besonders gespannt bist?

Die Frage würde ich in diesem Jahr loslösen vom Sportlichen und aufs Menschliche schauen – ich bin vor allem gespannt, wer sich wie auch mal traut etwas zu sagen oder sich zu positionieren. Leon Goretzka hat das zuletzt ziemlich gut gemacht.

Die WM ist für dich als Moderatorin sicherlich spannend, aber auch anstrengend. Wie hart wird die Zeit werden?

Die Tage werden lang. Man steht ja nicht nur vor der Kamera, sondern bereitet sich davor und danach auf die nächste Show vor. Arbeiten, schlafen, essen – viel mehr wird man in diesen vier Wochen nicht machen. Aber das ist auch völlig okay, man hat eh keinen Raum im Kopf für andere Dinge. Schlafen werde ich allerdings vermutlich besser, weil wir in Ismaning unser Studio haben – und zu Hause habe ich ja ein dreijähriges Kind. Die Nächte werden also ruhiger werden … (lacht)

Fußball - und dann? Welche Sportart schaust du noch gern?

Zum Abschluss noch eine Frage zur Konkurrenz: MagentaTV zeigt alle Spiele – sehr viele sind aber auch bei ARD und ZDF zu sehen. Es wirkt wie David gegen Goliath. Auf der einen Seite die großen Öffentlich-Rechtlichen, auf der anderen ihr. Wie blickst du auf dieses journalistische Duell?

Ich empfinde das nicht als Konkurrenzsituation. Ich lebe seit Jahren sehr gut damit, nur darauf zu schauen, was ich beeinflussen kann. Das sind die Inhalte von MagentaTV. Ich bin allerdings überzeugt: Wir haben einen großen Vorteil – bei uns ist die Sendezeit nicht begrenzt. Wenn etwas Krasses passiert, senden wir eben länger und müssen nicht an den Tatort abgeben. Zudem bieten wir drei Kanäle parallel an – einmal das Spiel, einmal den Taktik-Feed, einmal den Social-Media-Stream. Diese Möglichkeit der Vielfalt und unterschiedlichen Ansprache wollen wir nutzen. Und am Ende kann der Konsument entscheiden, wo er Fußball schauen möchte.

So lief der WM-Tag: Niederlande im Viertelfinale – Argentinien zieht nach
Die WM erlebt ihren 14. Turniertag. Hier erfährst du alles, was du über die heutigen Spiele wissen musst.

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