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Gary Neville bestritt 85 Länderspiele für England, inzwischen arbeitet er als Experte bei ITV.Bild: www.imago-images.de / shutterstock
WM 2022

WM 2022: TV-Experte Gary Neville schockiert mit krassem Gastarbeiter-Vergleich in Katar

19.12.2022, 16:2719.12.2022, 17:09

Nach und nach wächst in Deutschland das öffentliche Bewusstsein für die mieserablen Arbeitsbedingungen in Sozialberufen, wie beim Pflegepersonal. Nicht besser sind die Zustände im Gesundheitswesen des Vereinigten Königreichs. Forderungen nach einer Gesundheitsreform sind daher in Großbritannien aktuell in der Mode.

Fußball-Kommentator Gary Neville hat es mit einem Appell an die britische Regierung nun aber wohl etwas zu weit getrieben. Er hatte während der ITV-Berichterstattung zum WM-Finale die Arbeitsbedingungen von Pflegepersonal im Vereinigten Königreich mit den Zuständen verglichen, unter denen Gastarbeitende in Katar zu leiden haben.

Auf Twitter startete er damit eine heftige Diskussion. Mehrere Abgeornete der Konservativen Partei sowie die Boulevardpresse verurteilten den Vergleich scharf.

Gary Neville wirft britischer Regierung "Dämonisierung" des Pflegepersonals vor

"Wir sollten niedrige Löhne verabscheuen, wir sollten schlechte Unterkünfte und Arbeitsbedingungen verabscheuen", begann Neville seine Ansage live im Fernsehen. Wie schon viele TV-Experten vor ihm schien er in erster Linie das Regime in Katar zu verurteilen. "Das können wir niemals akzeptieren, nicht in dieser Region und in keiner anderen Region."

"Und es ist erwähnenswert, dass wir [in England] auch eine Regierung haben, die Bahnarbeiter, Krankenwagenfahrer und das Pflegepersonal dämonisiert", zog er dann den Bogen zur Situation daheim. "Wir können den Leuten nicht irgendwelche Almosen zum Arbeiten bezahlen. Wir können die Leute nicht in Wohnungen unterbringen, die unappetitlich und ekelerregend sind", reizte er den Vergleich weiter aus.

"Das sollte [in Katar] nicht passieren, wo Wohlstand herrscht", schloss Neville seinen Appell an die Regierung. "Aber es sollte auch nicht in unserem Land passieren, wo das Pflegepersonal um jedes Pfund oder zwei kämpfen müssen."

"Grotesk": Politiker und Boulevardpresse verurteilen Nevilles Vergleich

Damit startete Neville eine heftige Debatte. Während weder Politiker noch Presse die Zustände bei der NHS (staatliches Gesundheitssystem) verteidigen wollten, schien ihnen der Vergleich mit den Gastarbeitenden in Katar zu krass.

"Es ist mehr als lächerlich, dass Gary Neville von ITV die Freigabe bekommt ein großes Sport-Ereignis auf diese Art zu politisieren", beschwerte sich beispielsweise der Abgeordnete Simon Clarke. Der Konservative bezeichnete den Vergleich als "grotesk", auch der ehemalige Tory-Boss Iain Duncan Smith fand die Gegenüberstellung "unfassbar".

Bei Katar handle es sich um "ein Land, dass Schwule dämonisiert, Wagenladungen an Gastarbeitende reinbringt und exekutiert und ihnen einen Hungerlohn bezahlt", wird Smith von der "Daily Mail" zitiert. Die Zustände dort "zu vergleichen mit einem demokratischen Land, wo Ordnung herrscht und Menschenrechte gelten – damit hat er [Gary Neville] seine Position missbraucht."

Auch die Boulevardpresse echauffierte sich am Montag über Nevilles Vergleich. "Wut über Nevilles Ausbruch über UK-Regierung", titelte beispielsweise die "Daily Mail" am Montag.

Auf Twitter wurden die Aussagen der ManUnited-Legende derweil heiß diskutiert. "Ich dachte er wird für seine Fußball-Expertise bezahlt", wundert sich ein Twitter-User. Immer wieder wird Neville dabei vorgeworfen, als TV-Experte zuvor die Kritik an WM-Gastgeber Katar untergaben zu haben. Der vom Abgeordneten Clark ge-retweetete Post beschuldigte Neville sogar ein "bezahlter Entschuldiger für Katar" zu sein.

Andere Twitter-User sprangen Neville dagegen zur Seite. "Er zwingt Fußball-Fans die Wahrheit zu hören", schreibt "An Average Brit". Viele freuten sich zudem, dass Neville mit seinen Aussagen auf die ungeliebte Tory-Regierung eindrischt.

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