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Gesundheitsminister Jens Spahn wünscht sich zu Weihnachten ein gesellschaftliches "Runterkommen". bild: screebshot ard

Spahn bei Maischberger: "Können uns alle zu Hause einschließen, aber das ist ja kein Leben"

dirk Krampitz

Das erklärte Ziel hieß, Weihnachten relativ normal feiern zu können. Eigentlich hatten sich Bund und Länder geeinigt, die Corona-Maßnahmen über Weihnachten und Silvester zu lockern. Doch angesichts der weiterhin hohen Infektionszahlen und eines neuen Höchststands von 590 Toten pro Tag, stehen die Erleichterungen zur Debatte. Erste Bundesländer sind zurückgerudert. Ein harter Lockdown wird allgemein erwartet, die Impfung aber auch. Im Bundestag hielt Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) eine ungewohnt emotionale Rede.

Bei der letzten Ausgabe von "Maischberger. Die Woche" im Jahr 2020 diskutierten:

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Tagesthemen-Moderator Ingo Zamperoni ist gegen eine Impfpflicht. bild: Screenshot ard

Die Gewinner des Jahres sind für Tagesthemen-Moderator Ingo Zamperoni die Impfstoff-Entwickler der Firma "Biontech". Für eine Impfpflicht sei er nicht, dass würde nur Misstrauen säen, Impfgegner würde man bei entsprechend hoher Akzeptanz-Quote eben "mitschleppen". Angela Merkels Rede heute im Bundestag ("Wenn wir jetzt vor Weihnachten zu viele Kontakte haben und anschließend es das letzte Weihnachten mit den Großeltern war, dann werden wir etwas versäumt haben.") sei die "emotionale Keule" gewesen. Zamperoni sei für einen harten Lockdown, auch wenn der erste mit drei Kindern schon "nicht leicht" gewesen sei.

"Das Virus kennt kein Heiligabend und kein Silvester. Wenn wir das nicht härter angehen, werden wir uns weiter voranschieben ins Jahr."

Ingo Zamperoni

Darum lieber jetzt und konsequent, findet Zamperoni.

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Sandra Maischberger (re.) mit ihren Kommentatoren Peter Zudecick, Dagmar Rosenfeld und Ingo Zamperoni (v. li.). bild: screenshot ard

Altenheime als "Hotspot des Sterbens"

Für Dagmar Rosenfeld, Chefredakteurin von "Die Welt", ist SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach als Pandemie-Erklärer und Talkshow-Dauergast der Gewinner des Jahres. Bei Markus Lanz sei er sogar so oft zu Gast, dass man überlegen könne, "ob Lanz und Lauterbach zusammen einen Haushalt ergeben", bemerkt sie ironisch. Kritisch sehe sie, dass die "Alten- und Pflegeheime Hotspots des Sterbens" seien – noch immer wie auch am Anfang der Pandemie. In Tübingen habe man unter dem ansonsten umstrittenen Bürgermeister Boris Palmer (Grüne) mit Schnelltests auf Kosten der Stadt und Altentaxis zum Sozialtarif die Infektionen in Pflegeheimen und bei alten Menschen eingedämmt.

Der Journalist Peter Zudeick hat sich einen Ruf erarbeitet mit seinen satirischen Wochenrückblicken. Und so ist sein Gewinner des Jahres auch nicht ganz ernst gemeint: Der Glühwein sei "vom Menetekel des schlechtes Geschmacks zum Topthema" geworden.

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Jens Spahn mag auch Glühwein. Aber erst nächstes Jahr wieder. bild: Screenshot ard

Dass die einen am Glühweinstand stehen und die anderen auf der Intensivstation schwitzen, sei "keine gute Arbeitsteilung", findet Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU), als er zugeschaltet ist. Ob er sich denn nicht an den Glühweinstand sehne, will Sandra Maischberger wissen. "Ich verstehe das sehr, sehr gut menschlich. Zurück an den Glüchweinstand möchte auch ich gerne." Aber ein Jahr müsse man das jetzt mal ohne schaffen.

Jeden Morgen gleich nach dem Aufstehen zwischen 6.00 und 7.00 Uhr sehe er die Todeszahlen und finde sie "betrüblich". Zurzeit hätten wir in Deutschland "das Schlechteste von allem" versammelt: Zu hohe Todeszahlen, zu viele belegte Intensivbetten und der Lockdown sei mit 30-40 Milliarden an Kosten für die Hilfen im November und Dezember auch "sehr, sehr teuer". Außerdem gebe es eine "Ermüdung" bei der Bevölkerung gegenüber den Maßnahmen, aber nur eine "Seitwärtsbewegung" und kein Sinken bei den Infektionszahlen. Darum sollten wir zu Weihnachten mal "insgesamt als Gesellschaft runterkommen, mal zwei Wochen dem Virus so gut wie keine Chance geben". So umschreibt Spahn also seinen Wunsch nach einem harten Lockdown.

"Der Einzelhandel ist für sich kein großes Infektionsrisiko, aber das Geschehen drum herum", also in Bus und Bahn sieht Spahn die Risiken. Tests könnten helfen, aber eben die Pandemie nicht eleminieren.

"Kein Test bringt das Risiko auf null und kein Hygienekonzept bringt das Risiko auf null. Wir können uns alle zu Hause einschließen, aber das ist ja kein Leben."

Jens Spahn

Dass das eigentlich mehr nach einem emotionalen Argument gegen den Lockdown klingt, geht im Eifer des Gesprächs unter. Doch Spahn rechnet noch im Dezember 2020 mit der Zulassung des "Biontech"-Impfstoffs in Europa sowie der anderen Impfstoffe etwas später. "Wenn all die Zulassungen kommen, können wir spätestens im 3. Quartal jedem in Deutschland ein Impfangebot machen."

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Virologin Melanie Brinkmann findet, Deutschland hat seien Vorsprung verspielt. bild: screebshot ard

Virologin Melanie Brinkmann hat mehr die Gegenwart als die Zukunft im Blick. Es sei "der falsche Blick, auf die leeren Intensivbetten zu schauen", sie würden sie zu schnell füllen. Schon im Sommer wurde das ihrer Meinung nach falsch diskutiert. "Und nun stehen wir da mit diesem Scherbenhaufen." Und das gelte nicht nur für die Corona-Situation. "Wir haben über die letzten Jahrzehnte die Gesundheitsämter – unser Gesundheitssystem – kaputt gespart." Zu wenige Leute würden dort arbeiten und das auch noch mit Fax-Geräten statt digital. Deutschland sei gut durch die erste Welle gekommen, aber das ist nun vorbei. "Deutschland hat die Vorreiterrolle schon verloren in Europa", findet die Virologin.

"Die Infektionszahlen sind einfach zu hoch. Diese wischi-waschi-Strategie, die wir gerade fahren, ist einfach nicht richtig. Am besten würden wir alle zu Hause bleiben ab heute. Je härter der Lockdown ist, desto wirksamer ist er auch. Halbherzigkeit ist keine gute Idee, wir müssen dem Virus einen auf den Deckel geben.“

Melanie Brinkmann

Der strikte Lockdown über Weihnachten und die Jahreswende sei eine "pragmatische Lösung", es gebe sowieso Schulferien, viele Firmen hätten Betriebsferien.

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Siemens-Chef Joe Kaeser sieht Corona als "größte Krise in Friedenszeiten". bild: screebshot ard

Siemens-Chef Joe Kaeser sollte eigentlich über Donald Trump sprechen, aber es bleibt bei einigen Sätzen über ein Treffen im Jahr 2018. Wichtiger ist sowohl Sandra Maischberger als auch Kaeser Corona.

"Wenn wir nur ein Wirtschaftswachstumsproblem hätten in diesem Jahr, wäre ich froh. Wir erleben die größte Krise in Friedenszeiten seit dem Zweiten Weltkrieg!"

Joe Kaeser

Der Manager hat Sorgen, dass aus dieser wirtschaftlichen Krise auch eine gesellschaftliche wird. Man müsse jetzt "als Gesellschaft zusammenstehen".

Wie das klappt, werden wir in den kommenden Wochen sehen. Und Maischberger wird es möglicherweise auch diskutieren in ihrer ersten Sendung nach der Weihnachtspause am 13. Januar.

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