Elke Heidenreich urteilt mit der Gnadenlosigkeit des Alters.
Elke Heidenreich urteilt mit der Gnadenlosigkeit des Alters.
bild: screenshot zdf

Heidenreich über Sarah-Lee Heinrich bei "Lanz": "Ein Mädchen, das nicht genug nachdenkt"

13.10.2021, 06:5213.10.2021, 06:53
dirk krampitz

Die Regierungskrise in Österreich, die Koalitionsverhandlungen in Deutschland und die alten Tweets von Sarah-Lee Heinrich – Markus Lanz legt mit dieser Ausgabe seiner Talkshow einen breiten Themen-Spagat hin. Folgende Gäste begrüßt er im Studio:

  • Elke Heidenreich, Autorin
  • Jürgen Trittin, Grüner Bundestagsabgeordneter
  • Kai Wegner, Landesvorsitzender der CDU Berlin
  • Florian Klenk, Chefredakteur des "Falter"
Florian Klenk gibt einen Einblick in die politische Situation in Österreich.
Florian Klenk gibt einen Einblick in die politische Situation in Österreich.
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Abrechnung mit Sebastian Kurz

Der Wiener Journalist Florian Klenk gibt eine amüsante Einschätzung des Skandals um den zurückgetretenen österreichischen Bundeskanzler Sebastian Kurz. Er soll sich 2016, damals noch Außenminister, positive Umfragen gekauft haben und durch geschaltete Anzeigen eine wohlmeinende Berichterstattung für Steuergeld gesichert haben, um Kanzler zu werden. "Karotten für die Braven und Entzug für die anderen", nennt der Chefredakteur des "Falter" Kurz' Umgang mit den Medien. Sein Blatt sei übrigens leer ausgegangen.

"Das ist doch überall so möglich – hier auch", schaltet sich Autorin Elke Heidenreich in die Diskussion ein. Aber sie befindet auch über Österreich. "Es ist immer Operette, es ist immer lustig bei euch – trotz allen Elends."

Kai Wegner (CDU) hofft auf die Erneuerung seiner Partei.
Kai Wegner (CDU) hofft auf die Erneuerung seiner Partei.
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Weniger heiter sieht es für den Berliner CDU-Politiker Kai Wegner aus, nach dem schlechten Abschneiden seiner Partei. "Wir haben eine Menge zu tun", gibt er zu. Und auch, dass die Sticheleien von Markus Söder gegen Armin Laschet während des Wahlkampfes "alles andere als hilfreich" waren. Wie die Erneuerung der CDU klappen soll? "Auch mal auf die Basis hören", eine Mitgliederbefragung findet er sinnvoll.

Die Union am Boden

"Ich sehe überhaupt keine Programm mehr, ich sehe nur noch Machterhalt", findet hingegen Elke Heidenreich. Wer soll da die mögliche Erneuerung ankurbeln?

"Philipp Amthor ist jetzt schon älter als ich – und ich bin 80."
Elke Heidenreich

Da übertreibt Heidenreich. Sie ist erst 78 Jahre alt. Aber sie hat sich in Rage geredet. "Durch Angela Merkels Strahlkraft ist alles liegen geblieben." Und Markus Söder sei ein "ruchloser Mensch", die CDU solle sich von der CSU trennen.

Jürgen Trittin (Grüne) versucht sich in Schadensbegrenzung für seine Partei.
Jürgen Trittin (Grüne) versucht sich in Schadensbegrenzung für seine Partei.
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Ganz andere Sorgen hat Grünen-Politiker Jürgen Trittin. Er soll Einblicke in die Koalitionsverhandlungen geben als Teil des erweiterten Sondierungsteams für eine Ampel. Viel erzählen will er aber nicht. "Man weiß nicht, ob man zu einem Ergebnis kommt", aber es sei schon das Ziel, zu einem Ergebnis zu kommen.

Markus Lanz greift nochmal die Diskussion auf, dass sich im grünen Sondierungsteam keine Abgeordneten mit Migrationsgeschichte wie etwa Cem Özdemir oder Omid Nouripour finden. "Cem" sei im erweiterten Team wie auch er selbst, entgegnet Trittin und er habe nicht den Eindruck, dass "sie die ganze Zeit greinend durch die Gegend laufen". Aber Lanz hat da andere Informationen. "Die haben so einen Hals – das weiß ich."

Redet frei von der Leber weg: Autorin Elke Heidenreich.
Redet frei von der Leber weg: Autorin Elke Heidenreich.
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Das ist der Punkt, an dem Autorin und Literaturkritikerin Elke Heidenreich endgültig die Sendung an sich reißt. "Bis Politiker etwas zugeben, da hat man Arbeit", ermuntert sie Lanz in seiner Vermutung, wonach es bei den Grünen ganz schön brodelt. Und das tut es ja auch wegen Sarah-Lee Heinrich, frisch gewählte Sprecherin der Grünen Jugend, die gerade einen Shitstorm erlebt wegen alter Tweets, die sie mit 14 abgesetzt hat.

Trittin nimmt Sarah-Lee Heinrich in Schutz

Unter anderem hatte sie einen Post mit "heil" unterzeichnet. "Das, was sie in jungen Jahren geschrieben hat, ist unerträglich – das hat sie selber gesagt. Das macht es nicht ungeschehen, aber ich finde, es ist eine Form des Umgangs", verteidigt sie ihr Parteifreund Jürgen Trittin. Und wenn sie von einer "ekligen weißen Mehrheitsgesellschaft" spreche, sei das eben ihre Erfahrung. Er selbst hätte diese Worte nicht gewählt, aber er verstehe, "dass jemand der Kragen platzt."

Elke Heidenreich hingegen versteht das überhaupt nicht. "Was sind alle immer alle beleidigt?", wettert die Autorin. Und dann kritisiert sie Heinrich hart, nachdem Lanz einen Ausschnitt einer Gesprächsrunde eingespielt hat, in der die junge Politikerin nicht immer druckreif formuliert: "Sie hat keine Sprache, sie kann gar nicht sprechen", urteilt die Literaturkritikerin übertrieben hart und liefert auch gleich eine Mutmaßung als Erklärung mit: "Weil sie nicht liest." Als Sprecherin der Grünen Jugend müsse sie "erstmal lernen zu formulieren".

"Ich habe das Gefühl, dass sie ein Mädchen ist, das nicht genug nachdenkt."
Elke Heidenreich

Heidenreich teilt gegen junge Grünen-Politikerin aus

Heidenreichs geht noch weiter. Sie stellt in den Raum, dass Heinrich vor allem wegen der Quote an ihren Posten gekommen sei. Das ist ein ziemlicher dreister Vorwurf. Aber man hat den Eindruck, dass da keine Agenda hinter steht, sondern eher eine großmütterliche Besorgtheit und generelle Verdrossenheit. Sie versteht auch nicht, warum viele Menschen mit Migrationsgeschichte gereizt auf Fragen nach ihrer Herkunft reagieren. "Wenn einer so aussieht wie sie, frage ich natürlich: Wo kommst du her, wo kommen Sie her?" Das zeige Interesse. "Ich finde das keine diskriminierende Frage." Sie werde das im Ägyptenurlaub ja auch gefragt.

"Ich möchte dass wir wieder zu einer Art Normalität zurückfinden, dass bei uns nicht in jedem Satz jedes Wort auf die Goldwaage gelegt wird." Auch gendern ist für sie nichts. "Wenn es einer macht, ist es gut, aber ich mache es nicht." Und die Autorin ist natürlich auch gegen politisch korrekte Anpassungen in Büchern, das finde sie "schrecklich." Man könne Kindern sehr gut erklären, dass man früher einmal "N*könig" geschrieben habe, das heute aber nicht mehr ginge. "Aber ein fertiges Kunstwerk ist ein fertiges Kunstwerk, da wird nicht daran herumgefummelt. Es ist alles etwas hysterisch geworden."

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