Ihr Vater wurde als Vormund abgesetzt: Nun kann Britney Spears wieder ein selbstbestimmteres Leben führen.
Ihr Vater wurde als Vormund abgesetzt: Nun kann Britney Spears wieder ein selbstbestimmteres Leben führen.Bild: imago images / imago stock&people
Analyse

Britney Spears ist endlich frei: So wäre der Vormundschaftsstreit in Deutschland abgelaufen

12.11.2021, 12:1913.11.2021, 10:38

Der Fall Britney Spears ist entschieden! Am 12. November war ein neuer Termin für eine Anhörung angesetzt worden. Dabei sollte entschieden werden, ob die Sängerin weiter unter Vormundschaft bleiben soll. Seit 2008 war Britney Spears' Vater, Jamie Spears, der Vormund der Sängerin. Danach übten Jodie Montgomery und John Zabel diese Rolle aus: Montgomery war Britneys persönlicher Vormund und der zertifizierte Wirtschaftsprüfer Zabel hatte die Kontrolle über die Finanzen der Sängerin.

Diese Aufteilung ist jedoch nicht mehr gültig. Am Freitag wurde entschieden, dass Britney Spears nicht mehr unter Vormundschaft steht. Nach 13 Jahren ist die Sängerin damit endlich wieder ein freier Mensch. Wie mehrere US-Medien wie unter anderem "Variety" berichten, hob Richterin Brenda Penny alle Auflagen der Vormundschaft auf. Sie erklärte bei der Urteilsverkündung:

"Mit dem heutigen Tag wird die Vormundschaft über die Person und das Vermögen von Britney Jean Spears beendet."

Aus diesem Anlass blickt watson auf die wichtigsten Stationen im Vormundschaftsstreit Spears vs. Spears zurück. Außerdem vergleicht watson die Lage von Britney Spears mit der Rechtssituation in Deutschland: Wie wird das Thema Vormundschaft hierzulande gehandhabt? Könnte eine Person in Deutschland wie Britney Spears jahrelang gegen ihren Willen unter Vormundschaft gestellt werden? Und welche Möglichkeiten hat eine Person, sich gegen eine Vormundschaft zu wehren?

So kam es zur Vormundschaft von Britney Spears

Alles nimmt im Februar 2007 seinen Lauf: Während Britney Spears von Paparazzi verfolgt wird, lässt sie sich zu einer recht extrem wirkenden Aktion hinreißen. Vor den Augen der Fotografen-Meute rasiert sich die damals 25-Jährige in einem Friseursalon in Los Angeles eigenständig eine Glatze. Danach attackierte sie mit einem Regenschirm das Auto eines Paparazzo. Die Fotos davon gehen um die Welt. Ein Jahr später erleidet die Sängerin einen weiteren Zusammenbruch und wird ins Krankenhaus eingeliefert. Daraufhin stellen ihre Eltern Jamie und Lynne Spears einen Antrag auf Vormundschaft, dieser wird bewilligt.

Damit hat der Vater von Britney das Sagen über ihre Finanzen und darf bestimmen, was mit seiner Tochter passiert. Er darf zum Beispiel medizinische Entscheidungen treffen. Britney selbst bekommt einen Anwalt zur Seite gestellt, der das Gericht für sie ausgesucht hat: Samuel D. Ingham III.. Trotzdem muss sie die Kosten für ihren Rechtsbeistand selber bezahlen und auch die Kosten für den Anwalt ihres Vaters übernehmen.

Jamie Spears übernimmt 2008 die Vormundschaft über seine Tochter Britney Spears.
Jamie Spears übernimmt 2008 die Vormundschaft über seine Tochter Britney Spears.Bild: dpa

Auch in Deutschland kann für eine volljährige Person aufgrund einer psychischen Erkrankung oder wenn die Person aufgrund einer Behinderung nicht mehr mit Alltagssituationen zurecht kommt, eine Betreuung eingerichtet werden, erklärt Anwalt Volker Gerloff gegenüber watson. Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang, dass man in Deutschland aber nicht von einer Vormundschaft spricht:

"Wichtig ist dabei, dass eine Betreuung grundsätzlich nicht gegen den Willen der betroffenen Person eingerichtet werden darf. Etwas anderes gilt nur, wenn die Person keinen eigenen freien Willen mehr bilden kann."

Er stellt außerdem klar, dass die Betreuung keine Entmündigung darstelle. "Das zuständige Gericht hat daher für jeden Einzelfall individuell zu prüfen, welche konkreten Angelegenheiten die betroffene Person nicht mehr allein bewältigen kann."

Britney Spears verliert das Sorgerecht

Britney Spears ist jedoch nicht nur nicht mehr mündig. 2007 verliert sie auch das Sorgerecht für ihre beiden Söhne Jayden und Sean an ihren Ex-Mann Kevin Federline, mit dem sie von 2004 bis 2007 verheiratet war. Britney bekommt lediglich ein Besuchsrecht zugesprochen. Als sie unter Vormundschaft gestellt wird, sind ihre Kinder zwei und ein Jahr alt. Wie muss es für die beiden gewesen sein, zu erleben, wie ihre Mutter entmündigt wird? Dazu sagte Kinderpsychologe Thilo Hartmann gegenüber watson:

"Wenn Kinder noch klein sind, nehmen sie diese rechtlichen Kategorien nicht wahr. Die Kinder sind meist nicht in der Lage, die Defizite ihrer Eltern einzuordnen. Kinder haben keinen objektiven Vergleich, wie es in anderen Familien aussieht, es ist halt so wie es ist."

Es sei aber wichtig, dass die Erwachsenen die Kinder vor der Realität schützen, die sie noch nicht verarbeiten können, betonte er zusätzlich und erklärte weiter: "Ältere Kinder und Jugendliche können auch damit umgehen, dass ihrer Eltern nicht perfekt und allmächtig sind, aber sie brauchen oft Unterstützung dabei, die Erkrankung der Eltern auf eine Art in das eigene Selbstbild zu integrieren, dass der Selbstwert nicht darunter leidet."

Britney Spears kämpft gegen die Vormundschaft ihres Vaters

In den kommenden Jahren wird selten über die Vormundschaft von Britney Spears berichtet – erst im September 2019 kommt wieder neuer Schwung in den Fall. Als Auslöser für das erneute Interesse lassen sich zwei Dinge benennen: Zum einen formiert sich die #FreeBritney-Bewegung. Diese kommt zustande, als in dem Podcast "Britney's Gram" die Behauptung aufgestellt wird, die Sängerin würde gegen ihren Willen in einer Psychiatrie gefangen gehalten.

Darüber hinaus fällt Jamie Spears als Britneys Vormund aufgrund gesundheitlicher Probleme aus. Statt Jamie übernimmt Jodie Montgomery, eine staatlich geprüfte professionelle Vormundschaftsverwalterin, vorläufig die Betreuung der Sängerin – ihr Vater ist jedoch nach wie vor für ihre Finanzen zuständig. Und nun meldet sich auch Britney selbst zu Wort: Sie will nicht, dass ihr Vater wieder als ihr Vormund eingesetzt wird, sie wünscht sich, dass weiterhin Montgomery dieses Amt ausführt.

Fans von Britney Spears wollen Freiheit für die Sängerin.
Fans von Britney Spears wollen Freiheit für die Sängerin.Bild: imago images / Ringo Chiu

Auch die Kontrolle über ihre Finanzen soll ihrem Vater entzogen und an eine Treuhänder-Firma übergeben werden. Das Gericht geht jedoch nur zum Teil auf die Wünsche von Spears ein. Zwar wird die Vormundschaft von Montgomery bis September 2021 verlängert, ihr Vater hat aber weiter das Sagen über ihre Finanzen. Welche Möglichkeiten hätte Britney Spears als deutsche Staatsbürgerin, um sich der Kontrolle ihres Vaters zu entziehen? Dazu Volker Gerloff gegenüber watson:

"Wenn die betroffene Person die Beendigung der Betreuung wünscht und einen freien Willen bilden und äußern kann, dann ist die Betreuung unverzüglich zu beenden."

Unerheblich sei in diesem Zusammenhang, ob das Gericht, Angehörige oder andere die Betreuung für sinnvoll halten, denn: "Jede Person hat das Recht, ihr Leben nach den eigenen Vorstellungen zu gestalten, selbst wenn das für viele andere einer Selbstschädigung gleichkommt." Wie später bekannt wird, geht Britney Spears schon seit 2014 gegen die Vormundschaft ihres Vaters vor. Das belegen Berichte einer gerichtlichen Anhörung, die der "New York Times" vorliegen.

"Ich will mein Leben zurück"

Der 23. Juni 2021 markiert in diesem Streit einen wichtigen Tag: Endlich darf Britney Spears eine persönliche Erklärung vor Gericht ablegen. In ihrer Stellungnahme offenbart sie, welche Verbote ihr Vater ihr auferlegt hat. Sogar über ihre Beziehung hatte sie keine Kontrolle:

"Ich möchte in der Lage sein, zu heiraten und ein Baby zu bekommen. Mir wurde gesagt, dass ich jetzt, wo ich unter Vormundschaft stehe, nicht in der Lage bin, zu heiraten oder ein Baby zu bekommen. Ich will mein Leben zurück."

Sie habe trage eine Spirale, die sie habe herausnehmen wollen, aber ihr Team erlaube ihr nicht zum Arzt zu gehen, so ihre Anklage, denn: "Sie wollen nicht, dass ich Kinder bekommen – keine weiteren Kinder." Eine solche Kontrolle, die so sehr in das Privatleben eingreift, wäre in Deutschland laut Gerloff nicht möglich:

"Wenn es um eine betreute Person geht, die ihren freien Willen äußern kann, dann darf die Betreuungsperson nichts unternehmen, was diesem freien Willen zuwiderläuft."

Auch hier gilt: Das Recht auf ein selbstbestimmtes Leben steht über allem anderen. Ausnahme wäre eine sogenannter Einwilligungsvorbehalt. Diese tritt zum Beispiel in Kraft, wenn eine betreute Person ihr ganzes Vermögen für Glücksspiel ausgibt, dann könnte eine Betreuungsperson das Geld zuteilen "und jede Geldverfügung steht unter dem Vorbehalt der Einwilligung durch die Betreuungsperson."

Jamie Spears legt seine Vormundschaft ab

Im Juli 2021 kann Britney Spears einen kleinen Erfolg verbuchen: Ihr bisheriger Anwalt Samuel Ingham III. legt sein Mandat nieder und will die inzwischen 39-Jährige nicht mehr vertreten. Britney darf sich zum ersten Mal selbst einen Anwalt aussuchen und ihre Wahl fällt auf den Strafverteidiger Mathew S. Rosengar. Eine seiner ersten Amtshandlungen besteht darin, dass er einen Antrag stellt, in dem er das Gericht bittet, die Vormundschaft von Jamie Spears zu beenden – dieser Antrag wird jedoch abgelehnt.

Anschließend kommt es zu einer überraschenden Wende: Jamie Spears selbst erklärt, dass er die Vormundschaft über seine Tochter beenden möchte. Daraufhin beantragt Britneys Anwalt, den Vater seiner Mandantin aus der Position ihres Finanz-Vormunds zu entheben. Stattdessen soll ein temporärer Vormund für die Finanzen bestimmt werden, bis Britney endgültig nicht mehr unter Vormundschaft steht. Diese Position soll der Buchhalter John Zabel übernehmen. Jodi Montgomery, Britneys persönlicher Vormund, stimmt diesem Vorhaben zu.

Britney Spears gewinnt 2021 im Vormundschaftsstreit gegen ihren Vater.
Britney Spears gewinnt 2021 im Vormundschaftsstreit gegen ihren Vater. Bild: ap / Chris Pizzello

Am 29. September 2021 ist es dann offiziell: Jamie Spears wird nach 13 Jahren aus seiner Rolle als Vormund seiner Tochter enthoben und John Zabel wird vorübergehend als ihr Vormund für Finanzen eingesetzt. Anschließend melden sich beide Parteien zu dieser Entscheidung. Britney lässt über ihren Anwalt verlauten:

"Sie ist sehr glücklich. Wir sind alle sehr glücklich."

Dieses Urteil sei außerdem nicht nur ein großer Sieg für seine Mandantin, sondern auch ein großer Sieg für die Gerechtigkeit, fügt er hinzu. Auch Jamie lässt über seine Anwältin ein Statement veröffentlichen. Darin heißt es: "Herr Spears liebt seine Tochter Britney bedingungslos. 13 Jahre lang hat er versucht, das zu tun, was in ihrem besten Interesse ist, sei es als Vormund oder als Vater."

Wie geht es für Britney Spears weiter?

Nach diesem Meilenstein gibt es auch direkt eine große Veränderung in Britneys Leben. Ihr Freund Sam Asghari, mit dem sie seit 2016 zusammen ist, hält um ihre Hand an. Stolz verkündet die "Toxic"-Sängerin ihre Verlobung anschließend auf Instagram: "Ich kann es verdammt nochmal nicht glauben." Dazu hält sie glücklich ihren Verlobungsring in die Kamera. Nun erfüllt sich bald vielleicht auch Britneys Traum von weiteren Kindern.

Aber was ist mit Britneys Söhnen – wird sich nun, da sie nicht mehr unter der Kontrolle ihres Vaters steht, auch etwas an der Sorgerechtsvereinbarung mit Kevin Federline ändern? Wohl eher nicht. Federlines Anwalt sagt in diesem Zusammenhang gegenüber "TMZ", dass in Bezug auf die Sorgerechtsvereinbarung keine Veränderungen geplant seien, da angeblich keine der beteiligten Parteien Probleme mit der derzeitigen Situation haben soll. Deshalb soll die Regelung bestehen bleiben.

Ist diese Entscheidung aber auch wirklich im Sinne von Britney Spears und ihren Kindern oder könnte ihre Beziehung dadurch leiden? Kinderpsychologe Thilo Hartmann gibt in diesem Zusammenhang gegenüber watson Entwarnung:

"Wenn die Kinder älter werden, ändern sich auch die Bedürfnisse und die Fähigkeit auf die Bedürfnisbefriedigung längere Zeit zu warten. Bei älteren Kindern und Jugendlichen hat also auch der Elternteil gute Chancen auf eine gute Beziehung zu den Kindern, bei dem die Kinder nicht dauerhaft leben."

Dabei sei allerdings wichtig, dass beide "Elternteile die Beziehung der Kinder zum anderen Elternteil unterstützen und mögliche Probleme auf Elternebene nicht über die Kinder ausgetragen werden."

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