Matthias Schweighöfer feiert mit seinem Netflix-Film "Army of Thieves" große Erfolge – folgt nun der große Hollywood-Durchbruch?
Matthias Schweighöfer feiert mit seinem Netflix-Film "Army of Thieves" große Erfolge – folgt nun der große Hollywood-Durchbruch? Stanislav honzik/netflix
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Oscar-Erfolg für Netflix-Film: Matthias Schweighöfer erobert Hollywood – es gibt aber auch Stolpersteine

29.03.2022, 12:19

Am 27. März fand die 94. Verleihung der Academy Awards im Dolby Theatre in Los Angeles statt. Als großer Favorit galt dieses Jahr der Film "The Power of the Dog" mit zwölf Nominierungen, doch die Netflix-Produktion entpuppte sich schließlich als großer Verlierer, denn am Ende gewann nur Regisseurin Jane Campion einen Oscar in der Kategorie "Beste Regie". Der Sieger des Abends war das Science-Fiction-Epos "Dune" – insgesamt gab es sechs Preise für das Werk von Denis Villeneuve.

Dieses Jahr durften sich auch einige Deutsche über einen Goldjungen freuen: Hans Zimmer wurde für seine Arbeit für den Film "Dune" in der Sparte "Beste Filmmusik" ausgezeichnet. Und auch Matthias Schweighöfer hatte Grund zur Freude: Der Film "Army of the Dead" von Zack Snyder gewann in der neuen Kategorie "#OscarsFanFavorite", in der die User auf Twitter über den Gewinner bestimmen konnten.

Aber auch ansonsten ist der 41-Jährige aktuell in Hollywood ziemlich erfolgreich: Mit dem Prequel zu dem Zack-Snyder-Film "Army of Thieves", bei dem er Regie führte und die Hauptrolle spielte, landete er einen internationalen Hit. Und nun hat er sogar eine Rolle in dem neuen Film von Christopher Nolan "Oppenheimer" ergattert. Es gibt also mehrere Gründe, die Karriere von Matthias Schweighöfer einmal genauer unter die Lupe zu nehmen.

Diese Schwierigkeiten haben deutsche Schauspieler in Hollywood

Watson sprach mit zwei Filmexperten über den Schauspieler aus Mecklenburg-Vorpommern und seine Chancen in Hollywood. Emanuel Pavel ist Filmkritiker und Schauspiel-Coach und hat bereits zahlreiche Interviews mit Oscar-Gewinnern wie Leonardo DiCaprio, Angelina Jolie und Meryl Streep geführt. Dr. Markus Leniger ist Filmexperte und Studienleiter der Katholischen Akademie Schwerte. Außerdem wurde er in die Ökumenische Jury auf der diesjährigen Berlinale berufen.

Bevor die beiden auf Matthias Schweighöfer zu sprechen kommen, erklären sie gegenüber watson, warum es für deutsche Schauspieler schwierig ist, im US-amerikanischen Filmmarkt Fuß zu fassen. Der erste Grund ist simpel: Es gibt bereits genug englischsprachige Schauspieler, die mit dem Traum nach Hollywood gehen, ein Star zu werden. Der Markt ist also im Grunde übersättigt. Warum sollte man also deutsche Schauspieler nehmen, merkt Emanuel Pavel an und führt aus:

"Dafür müssten deutsche Stars besser sein, als die internationale Konkurrenz. Sind die deutschen Schauspieler so außergewöhnlich gut, dass sie akzentfrei ihre internationalen Kollegen an die Wand spielen? Da sind vermutliche alle internationalen Schauspieler im Vorteil, die aus Ländern kommen, in denen die englische Sprache so dominant ist, dass sie schon früh akzentfrei Englisch sprechen."
Emanuel Pavel ist Filmkriker und Schauspiel-Coach.
Emanuel Pavel ist Filmkriker und Schauspiel-Coach.privat
Dr. Markus Leniger, Filmexperte und Studienleiter der Katholischen Akademie Schwerte, gehört dieses Jahr der Ökumenischen Jury an.
Dr. Markus Leniger, Filmexperte und Studienleiter der Katholischen Akademie Schwerte, gehört dieses Jahr der Ökumenischen Jury an.null / Hans Juergen Landes

Es gibt aber noch einen weiteren Grund: "Nach wie vor werden deutsche Schauspieler für deutsch-kulturelle Rollen gebraucht. Und da gibt der US-Markt nun mal nicht so viel her. Verständlicherweise haben große US-Studios kein Interesse daran, jährlich einen Haufen Nazi- oder Stasi-Filme zu produzieren."

Matthias Schweighöfer: Sein Charisma hat ihm geholfen

Wie hat es nun aber Matthias Schweighöfer geschafft, dass ihn die US-amerikanische Filmbranche wahrgenommen hat? Er könnte unter anderem von dem vorherrschenden Trend profitiert haben, dass viele Serien und Filme auf Streaming-Portalen laufen, die international konsumiert werden. 2016 entwickelte er für Amazon mit "You Are Wanted" die erste deutsche Serie für den Streaming-Dienst. "Army of the Dead" und "Army of Thieves" liefen auf Netflix. Dr. Markus Leniger bewertet diesen Umstand folgendermaßen:

"Der Goldstandard visuellen Erzählens wird nicht mehr ausschließlich von den großen Studios gesetzt, sondern von Netflix und Co. Die Auswirkungen sind noch nicht voll abzusehen, schon jetzt ist aber klar, dass sich die Rezeptionsgewohnheiten grundlegend verändern. Durch die schiere Masse an Serienproduktionen auf höchstem technischen Level ist es grundsätzlich leichter geworden für deutsche Darsteller, einen Fuß in diesen internationalen Markt zu bekommen."

Emanuel Pavel nennt einen anderen, individuellen Faktor für den Erfolg von Matthias Schweighöfer: Er sei als deutscher Schauspieler so charismatisch, dass Hollywood-Autoren eine beliebige Rolle extra "deutsch" anlegen würden, damit Matthias diese spielen könne. "Damit knackt er das Problem das alle anderen haben: Er vereint die beiden Rollen-Kategorien. Normale Rollen werden extra deutsch eingefärbt. Das ist der Jackpot für jeden Schauspieler, wenn Autoren sich nach ihnen richten, und nicht andersrum", ist sich der Journalist sicher. So würden Rollen entstehen, die wirklich in Erinnerung blieben und weitere Türen öffneten.

"Im Netflix-Film 'Army of the Dead' hat Regisseur Zack Snyder Schweighöfers Potential erkannt, und gleich einen weiteren Film ermöglicht, bei dem Matthias Schweighöfer nicht nur die Hauptrolle gespielt hat, sondern auch selbst Regie führen konnte. ('Army of Thieves')", führt Pavel weiter aus. Schweighöfer habe damit eine Nische gefunden, in der er wunderbar funktioniere:

"Als der etwas schräge, witzige und liebenswerte Deutsche. Statt seinen Akzent zu verstecken, nutzt er ihn. Damit macht er eine sonst eher gewöhnliche Rolle noch deutlich interessanter."

Nach seinen beiden Netflix-Filmen wird Schweighöfer dank Nolans Film "Oppenheimer" bald auf der großen Leinwand zu sehen sein. Auch darin sieht Pavel eine große Chance für den Schauspieler: "Sein aktuelles Engagement in dem Film 'Oppenheimer' von Christopher Nolan wird höchstwahrscheinlich eine ernste Rolle sein, also nicht zu seinem aktuellen Image passen. Gleichzeitig hat er damit die Chance wirklich Bandbreite zu zeigen und dann eine langfristige, erfolgreiche Karriere in Hollywood aufzubauen."

Hat Matthias Schweighöfer Oscar-Potenzial? Filmexperte hat Bedenken

Dr. Markus Leniger ist da etwas skeptischer. Er ist der Meinung, dass Matthias Schweighöfer nicht die Chance habe, mittelfristig für Rollen in den großen Produktionen engagiert zu werden:

"Große Preise (Oscar) sind meines Erachtens vorerst nicht zu erwarten. In den US-Produktionen fehlt ihm noch eine Hauptrolle oder eine wichtige Nebenrolle und im deutschen Kino, das für den Oscar für den 'besten internationalen Film' (auch nur alle Jubeljahre mal) in Frage kommt, spielt Schweighöfer auch keine Rollen."

Gleichzeitig fügt er allerdings hinzu: "Aber durch seinen Fleiß, seinen Humor, seine Offenheit, kann er sich sicher in einer Position als Supporting Actor mit 'german Touch' am Markt positionieren. Im Nolan-Film, soweit mir das bekannt ist, ist es ja auch wohl eine Nebenrolle. Aber daraus lässt sich weitere Bekanntheit generieren." Er sieht Schweighöfer vor allem weiter in Netflix-Produktionen.

So schlägt sich Matthias Schweighöfer im US-TV

Für seinen Film "Army of Thieves" tingelte Matthias Schweighöfer vor Kurzem auch durch diverse US-Sendungen und war unter anderem in den Shows von Jimmy Fallon und Kelly Clarkson zu Gast. Eine weitere Chance für den Schauspieler, sich einer breiten Masse in den USA vorzustellen. Die Wichtigkeit dieser Auftritte unterstreicht auch Markus Leniger: "Auftritte in Late-Night-Shows gehören zum Vermarktungsgeschäft. Insofern kann jeder Auftritt (wenn er nicht total versemmelt wird) nur hilfreich sein."

Und Emanuel Pavel ist der Meinung, dass Schweighöfer diese Aufgabe bravourös gemeistert hat:

"Bei seinen Auftritten in Talkshows, wie bei Jimmy Fallon, unterstreicht er sein Image, er ist sympathisch, selbstironisch, kann über sich lachen und hat etwas leicht Schräges, das in Erinnerung bleibt."

Er baue sich gerade als Marke auf – "und genau so charismatische Stars suchen sie in Hollywood", so Pavel. Voll des Lobes ist auch Leniger:

"Schweighöfer macht seine Sache exzellent. Humor, Selbstironie, Einblicke in seine Herkunft, Spontanität."

Matthias Schweighöfer: Ist seine DDR-Herkunft von Vorteil?

Zum Schluss stellt Dr. Markus Leniger noch eine interessante Theorie auf, warum gerade Matthias Schweighöfer Erfolg in Hollywood haben könnte: seine Herkunft. Dass Schweighöfer 1981 in der damaligen DDR geboren wurde, könnte in seinen Augen ein entscheidender Erfolgsfaktor sein. Seine Theorie begründet er so:

"Als die Mauer fällt ist er noch nicht so alt, dass er große Verlustgefühle (Beruf, Strukturen, Rundumbetreuung im soz. Staat) entwickelt. Vielmehr nimmt er den Wandel als Chance, mit Neugier, Spielfreude, kindlicher Entdeckerlust an. Die US-amerikanische Leitkultur saugt er auf."

Daher habe er auch bei seinen deutschen Filmaktivitäten keine Berührungsängste zu Klamauk und Mainstream, ergänzte er und fügt hinzu: "Dieser Aufbruchsgeist kann ihm in den USA, dem Land der Pioniere, in dem man sich immer wieder neu erfindet und in dem man vom Staat nichts erwartet, nur hilfreich sein."

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