Youtuber Ron Bielecki in seinem Element: Im Club mit jeder Menge Alkohol.
Youtuber Ron Bielecki in seinem Element: Im Club mit jeder Menge Alkohol.Bild: Screenshot / Instagram / ronbielecki
Analyse

Ron Bielecki führt Suff-Lifestyle fort: Sucht-Experte mit eindeutiger Warnung

14.06.2022, 17:4015.06.2022, 11:41

Ron Bielecki ist aufgrund eines Ausraster nach einem Rammstein-Konzert nach wie vor in aller Munde. Aus dem Berliner Olympiastadion, wo das Event stattfand, wurde der Youtuber herausgeschmissen. Kurze Zeit später startete er einen Instagram-Livestream, in dem er sichtlich betrunken einen Security-Mitarbeiter unter anderem als "Geringverdiener" bezeichnete und ihn bedrohte.

Danach folgte zunächst ein halbherziges schriftliches Statement. Er habe an dem Abend "zwei bis drei Bier zu viel intus" gehabt und habe niemanden außer den Sicherheits-Mitarbeiter beleidigen wollen. Schon vor dem Stream entbrannte in seinen Kommentaren jedoch ein regelrechter Shitstorm. Fans und Youtube-Kollegen zeigten sich von seinem Verhalten entsetzt, Influencer wie Udo Bönstrup oder MontanaBlack legten ihm eine Therapie nahe.

Der Grund: Ron Bielecki ist auf Social Media berüchtigt dafür, von einer Party zur nächsten zu tingeln, sein Vermögen zu verprassen und vor allem Alkohol zu trinken. Er wurde durch die sogenannte "Tornado-Trinktechnik" berühmt, die zur Challenge wurde. Dabei wird der Inhalt einer Bierflasche herumgewirbelt und dann geext. Bieleckis Content beschränkt sich mittlerweile nur noch auf die genannten Themen: saufen, feiern, auskatern und dann alles wieder von vorne.

Fans sorgen sich schon länger wegen seines Konsums um die Gesundheit des einstigen Fitness-Youtubers. Viele gehen bei ihm bereits von einer Alkoholabhängigkeit aus. Watson sprach zu diesem Thema mit dem Suchtmediziner Dr. med. Andreas Jähne, der das Alkoholabhängigkeitspotenzial des Netz-Stars einschätzte und auch auf die Frage einging, inwiefern der Konsum verherrlichende Content Bieleckis schädlich für seine zumeist junge Zielgruppe sein kann.

Zweifel an Ron Bieleckis Lebensstil bleiben

Mittlerweile gibt es ein ausführlicheres Statement des Youtubers zu dem Pöbel-Vorfall beim Rammstein-Konzert, in dem er sich aufrichtig für sein Verhalten entschuldigt. Er sagt in dem fast vierminütigen Instagram-Video: "Ich weiß, dass mein Benehmen an diesem Tag von A bis Z komplett beschissen war." Und weiter: "Es tut mir leid, dass ihr mich so erleben musstet. Ich hatte einen emotionalen Ausbruch, den ich nicht kontrollieren konnte."

Für verbale Entgleisungen und Beleidigungen entschuldigte er sich außerdem, mit dem Ausdruck "Geringverdiener" habe er auf ein Meme angespielt. Er selbst sei dankbar dafür, was seine Fans ihm ermöglichen. Den Aspekt, dass sich Fans und Kollegen um seine Gesundheit sorgen, verstehe er dennoch nicht:

"Ich finde es sehr nett, dass sich sehr viele Leute um mich sorgen und um meine Gesundheit. Ich kann euch nur sagen: Ich habe auch ein normales Leben."

Der Suff-Ausraster vom Pfingstwochenende kann sicherlich schnell vergessen werden. Allerdings wurde auch von Ron nach dem Livestream gefordert, seinen Content und vor allem seinen Lebensstil zu überdenken. Dass Bielecki dieses ernste Thema in seinem Video lapidar abtut, stellt sicherlich viele Fans nicht zufrieden. Fakt ist: Rons Videos erscheinen auf Youtube normalerweise im Wochentakt, mehrere Tage umfassen die Vlogs zumeist, an den Abenden wird stets getrunken.

Suchtmediziner diagnostiziert Bielecki noch keine Alkoholabhängigkeit

Zunächst sollte es im Gespräch mit Dr. med. Andreas Jähne darum gehen, ob man Ron Bielecki bereits eine beginnende Alkoholsucht aus der Ferne attestieren könnte. Jähne erwähnte dazu eine Empfehlung der WHO für einen risikoarmen Konsum: "Bei Männern sind es 24 Gramm Alkohol pro Tag, das entspricht zweimal 0,3 Litern Bier." Da scheint Bielecki eindeutig mit seinem Konsum darüber zu liegen, wodurch ein "riskanter Konsum" vorliegt.

Dr. med. Andreas Jähne ist ärztlicher Direktor und Chefarzt der Oberberg Fachklinik Rhein-Jura und der Oberberg Tagesklinik Lörrach, sowie Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie.
Dr. med. Andreas Jähne ist ärztlicher Direktor und Chefarzt der Oberberg Fachklinik Rhein-Jura und der Oberberg Tagesklinik Lörrach, sowie Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie.Bild: www.oberbergkliniken.de

"Mehr als fünf Getränke zu einer Gelegenheit bezeichnen wir als 'binge drinking'. Aber auch das hat per se noch nichts mit Abhängigkeit zu tun", stellte Jähne weiterhin klar und führte die für eine medizinische Diagnose einer Abhängigkeit zugrundeliegenden Kriterien auf:

  • 1. Entwicklung einer Toleranz, der Körper verträgt mehr, die Dosis steigt, weil die Wirkung nachlässt.
  • 2. Entzugssymptome bei Nicht-Konsum.
  • 3. Kontrollverlust, also nicht mehr aufhören können und immer weitertrinken. Oder Unfähigkeit zur Abstinenz.
  • 4. Fortgesetzter Konsum, obwohl klar ist, dass es nachteilige körperliche oder soziale Folgen hat.
  • 5. Das Trinken nicht aus Genuss, sondern wie gegen inneren Zwang.
  • 6. Das Vernachlässigen von anderen Aufgaben, Freizeitgestaltung, berufliche Tätigkeit, Familienaufgaben wegen des Konsums.

Für eine Alkoholabhängigkeits-Diagnose müssten drei dieser sechs Punkte erfüllt sein – und die sieht Jähne bei dem Youtuber (noch) nicht:

"Was davon bei Ron Bielecki erfüllt ist, ist anhand der Schilderung nicht ad hoc einzuschätzen. Er scheint zumindest eine Toleranz zu haben. Auch eine Form von Kontrollverlust könnte gegeben sein. Das würde aber nicht für eine Abhängigkeitsdiagnose reichen. Um das abklären zu können, bräuchte man eine intensivere Untersuchung mit ihm."

Auch der betrunkene Ausraster von Ron Bielecki nach dem Rammstein-Konzert sei noch kein Anzeichen eines Kontrollverlusts, sondern vielmehr Ausdruck von Enthemmung: "Das bedeutet, dass durch den Konsum die Kontrolle über Affekte und Impulse verloren geht, dass jemand ausrastet und reizbar ist. Eine Wirkung des Alkohols ist die Hemmung der sozialen Kontrolle. Das passiert bereits ohne, dass eine Abhängigkeit vorliegt", erklärte Jähne weiter.

Schwere körperliche Folgen sind auch bei Bielecki in Zukunft erwartbar

Dennoch ergeben sich auch aus diesen Alkoholmengen auf lange Sicht schwere körperliche Folgen. Jähne führte aus: "Die gesundheitlichen Folgen sind vielfältig, von Leberschäden, über Magen-Darm-Probleme, eine Schädigung der Nerven, auch das Herz kann Schaden nehmen. Bei jahrelangem Konsum kann es auch zu Blutungen aus dem Magen-Darm-Bereich kommen und das Gehirn kann Schaden nehmen. Und schließlich kann sich eine Abhängigkeit entwickeln, bei der der Körper ohne Alkohol nicht mehr auskommt. Es kann zu epileptischen Krampfanfällen bei Nichtkonsum kommen."

Wann diese Folgeerkrankungen entstehen, sei individuell verschieden und abhängig davon, wie lange und wie viel konsumiert wurde. Es sei aber "eine Frage der Zeit, bis medizinische Komplikationen" auch bei Bielecki auftreten:

"Unbedenklich sind die Alkoholmengen in Bieleckis Fall nicht, das muss man wirklich so sagen. Je früher das beendet wird, desto besser."

Auch wenn Kollegen ihm zu einer Therapie raten, bevor das Schlimmste eintritt, müsse der Patient selbst aber immer voll und ganz hinter der Entscheidung stehen, seinen Lebensstil ändern zu wollen. Übrigens würde das nicht automatisch bedeuten, dass Bielecki für den Rest seines Lebens abstinent leben müsste: "In frühen Stadien kann durchaus über Konsumbegrenzung gesprochen werden. Betroffene, die noch nicht in abhängigem Maße konsumieren, können die Konsummenge oder Konsumtage reduzieren", erklärte Jähne.

Aber: "Für Menschen, die die Kontrolle über den Konsum verloren haben und diesen nicht mehr stoppen können, führt an der Abstinenz oft kein Weg vorbei", erläuterte der Suchtmediziner weiter. Dieses Stadium habe Bielecki aber wohl noch nicht erreicht.

Suchtexperte sicher: Bieleckis Videos vermitteln gefährlichen Eindruck

Auch wenn Bieleckis Konsumverhalten noch nicht auf eine Alkoholsucht hinweist, so schätzt der Experte sein ungewöhnliches Berufsbild (trinken, dafür gefeiert werden und Geld damit verdienen) als äußerst riskant ein:

"Medizinisch gesehen ist es ein gefährlicher Beruf. Ich als Suchtmediziner finde es bedenklich, Menschen zum Konsum anzuhalten, bzw. sich selbst durch den Konsum in eine medizinische Gefahr zu bringen."

Und damit sprach Jähne auch schon einen wichtigen Aspekt an der Karriere Bieleckis an, für den der Youtuber weiterhin in der Kritik stehen wird. Es sei bereits geplant, dass er eine eigene Biersorte auf den Markt bringt, mit der die Fans besonders gut "Tornados entzünden" könnten, so wie es Ron stets auch tut. Dabei geht es um das Exen von Bier, was einen zusätzlich riskanten Alkoholkonsum darstellt.

Auch wenn sich Ron gegen eine Vorbildrolle wehrt, so erkannte Jähne doch eine gewisse Gefahr für seine Zielgruppe. So sei es für Jugendliche nicht einfach, einen gesunden Umgang mit Alkohol zu erlernen, Präventionsinitiativen seien deswegen besonders wichtig:

"Jungen Leuten sollte man einen verantwortungsvollen Umgang mit Alkohol propagieren. Alkohol gehört in unserer Gesellschaft zum Alltag mit dazu und ist auch gesellschaftlich akzeptiert. Für junge Leute ist es schon auch eine Herausforderung, einen gesunden und gesellschaftlich akzeptierten Alkoholkonsum zu erlernen."

Genau bei dieser Herausforderung helfe Bielecki nicht: "Junge Leute erleben auch, dass sie ernsthafte Probleme bekommen, wenn sie übermäßig trinken. Sie werden ausgegrenzt, machen sich lächerlich, sind auf Partys nicht mehr dabei oder finden nicht mehr nach Hause. Hier setzen Präventions-Initiativen an." Im Gegensatz dazu zeigt der Youtuber nur die positiven Aspekte des Alkoholkonsums und vernachlässigt die schädlichen Konsequenzen: "Bielecki stellt den Alkohol sehr einseitig, positiv und auch verharmlosend dar und geht nicht auf die negativen Konsequenzen ein. Und das ist bedenklich", urteilte Jähne.

Kater-Sequenzen finden in Bieleckis Vlogs wenig Raum und wenn, dann gönnt er sich am nächsten Morgen gern auch recht früh ein Kontergetränk, wie beispielsweise nach dem Rammstein-Konzert. Das Bier am Tag danach dokumentierte er in seiner Instagram-Story: "Das ist eine Art Selbstmedikation zur Linderung der Probleme bei Abstinenz, also quasi die Bekämpfung von Entzugssymptomen. Hier müsste man sagen, jetzt ist es definitiv Zeit, aufzuhören", kommentierte Jähne diese Praktik schlussendlich doch sehr eindeutig.

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