Unterhaltung
Stefan Raab beim Founders Festival Bits & Pretzels im ICM. M

Stefan Raab hat sich zurückgezogen, aber hinter den Kameras ist er weiter aktiv. Sein neues Projekt: die Show "Täglich frisch geröstet". Bild: imago stock&people / Future Image

Analyse

"Täglich frisch geröstet": Neue Stefan-Raab-Show wird zum Reinfall

Stefan Raab mag im Unterhaltungsfernsehen zwar nicht mehr persönlich vor die Kamera treten, im Hintergrund zieht er aber immer noch gerne die Fäden. Sein neues Projekt "Täglich frisch geröstet" folgt den Regeln einer klassischen Late-Night-Show und das Studio sieht auch genau danach aus, obwohl die Sendung bei TVNow montags und mittwochs schon um 20.15 Uhr zum Abruf bereitsteht. Gute Unterhaltung ist jedoch leider Fehlanzeige.

Das grobe Konzept: Ein Prominenter, der nicht von Haus aus Moderator ist, führt durch die Sendung und lässt seine Leistung von einem anderen Prominenten – dem Roaster – bewerten. Sowohl der Gastgeber als auch sein Kritiker wechseln von Show zu Show. Bereits die erste Ausgabe mit Ralf Moeller und Olaf Schubert wirkt wie ein Eingeständnis auf der Meta-Ebene: Sorry, ein Typ wie Raab wächst nun mal nicht auf Bäumen, aber wir nehmen's mit Humor.

"Täglich frisch geröstet": Stefan Raabs TV-Universum wächst

Die Produzenten des Formats können und wollen es auch gar nicht verschleiern: Den eigentlichen Star bekommen wir überhaupt nicht zu sehen. Vielmehr sitzt er in der Regie und "frisst Chips". "FameMaker", wo Raab als Produzent fungierte, wurde zuletzt ganz ähnlich beworben. Nur war es da noch Popcorn gewesen, das die "TV Total"-Legende mampfte. Fans können sich also freuen über Querverweise wie im Superheldenkino. Und für eine ganze Generation von Zuschauern ist Raab ja nach wie vor genau das: ein Superheld des Fernsehens.

Ralf Moeller ist der erste Moderator von

Ralf Moeller ist der erste Moderator von "Täglich frisch geröstet" Bild: TVNOW/Willi Weber

Ralf Moeller, der als erster durch "Täglich frisch geröstet" führt, obliegt es erst einmal, den Ablauf zu erklären. Darauf folgt ein Abschnitt, der allenfalls als Versuch von Stand-up-Comedy durchgeht. Der ehemalige Bodybuilder arbeitet sich an Trump und dem Coronavirus ab. Die Witze sind so flach, dass es beinahe schmerzt, Schuberts kritische Einwürfe allerdings auch nicht viel origineller. Schon bald freut man sich, dass das Ganze nur 42 Minuten dauert. Eine Kostprobe:

"Amerika hat den fiesen Virus besiegt. Donald ist abgewählt."

Moeller moderiert genauso wie er schauspielert: denkbar hölzern. Ihm daraus wirklich einen Vorwurf zu machen, erscheint müßig. Erträglich bleibt "Täglich frisch geröstet" am Ende des Tages vor allem aufgrund seiner Fähigkeit zur Selbstironie. Von "Gladiator" bis "Hai-Alarm auf Mallorca" wird Moellers Karriere mal mehr, mal weniger liebevoll durch den Kakao gezogen und der Star zieht einfach mit. Dafür gibt es immerhin Sympathiepunkte.

Olaf Schubert, Ralf M?ller (r.)  Die Verwendung des sendungsbezogenen Materials ist nur mit dem Hinweis und Verlinkung auf TVNOW gestattet.

"Täglich frisch geröstet" startet mit Olaf Schubert und Ralf Moeller. Bild: TVNOW/Willi Weber

Ralf Moeller in "Täglich frisch geröstet": Wenn Selbstironie nicht genügt

An der Stelle werden aber auch bereits in der ersten Show die Grenzen von "Täglich frisch geröstet" aufgezeigt: Überraschungen sind eben wohl doch nur selten zu erwarten, wenn Stars ihre Komfortzone verlassen und dann vor einem großen Publikum abliefern sollen. Auf seine ganz eigene Art ist Moeller natürlich schon ein Entertainer. Das Zeug, durch so eine Sendung zu führen, hat er deshalb aber noch lange nicht.

Laut Stefan Raab soll "Täglich frisch geröstet" übrigens "Promis von ihrer Selbstüberschätzung überzeugen". Einen solch entlarvenden Charakter bleibt zumindest die Ralf Moeller-Ausgabe definitiv ebenso schuldig. Denn gleichwohl man dem gebürtigen Recklinghausener manches vorwerfen kann, gehört Arroganz absolut nicht dazu. Unter diesem Gesichtspunkt könnte zum Beispiel jedoch die noch kommende Folge mit Mario Basler als Moderator umso interessanter werden.

Evelyn Burdecki rettet "Täglich frisch geröstet"... ein bisschen

Wenigstens gibt es zwischendurch ein wenig Entlastung für den liebenswert überforderten Ralf Moeller, denn auch die eingespielten Formate "Blind Date Band" und "Burdeckipedia" wollen uns bespaßen – mit durchwachsenem Erfolg. Zwischendurch gesellt sich dann auch noch Olaf Schubert zu ihm aufs Sofa.

Bei "Blind Date Band" stellt Lutz van der Horst in einem Musikgeschäft eine Laien-Band für den Reggae-Künstler Gentleman zusammen, der später mit den Ausgewählten einen seiner eigenen Hits performt. Die offenkundige Devise dabei: Wer einen Ton aus einem Instrument herausbekommt, ist auch potentiell geeignet für die Teilnahme.

Olaf Schubert bewertet Ralf Moeller in

Olaf Schubert bewertet die Leistung von Ralf Moeller in "Täglich frisch geröstet". Bild: TVNOW/Willi Weber

Entsprechend wenig läuft später zusammen, was Gentlemen locker hinnimmt. Auch hier gilt: Das Erwartbare ist nur selten lustig.

Ein kleines Highlight hat "Täglich frisch geröstet" aber noch in der Hinterhand. In "Burdeckipedia" nämlich darf Trash-TV-Sternchen Evelyn Burdecki ihr Wissen und noch mehr Nichtwissen über Sankt Martin zur Schau stellen. Das ist einfach zu charmant und knuffig, um nicht mindestens zu Schmunzeln.

"Ja, also, Sankt Martin ist der Mensch mit den Pferden."

So sind wir am Ende der Sendung einigermaßen versöhnt. Jetzt muss Olaf Schubert nur noch die Leistung von Ralf Moeller in den Kategorien "Stand Up", "Talk" und "Star Appeal" beurteilen. Zwölf Punkte springen unterm Strich heraus, darunter satte zehn für "Star Appeal". Damit wird Moeller gut leben können. Die Luft nach oben füllt in den kommenden Folgen ja vielleicht doch noch jemand anderes aus.

Bis dahin bleibt die Gewissheit: Stefan Raab ist hinter den Kulissen bei Weitem nicht so effektiv wie auf der Bühne. Auch "Täglich frisch geröstet" überzeugt uns nicht ansatzweise vom Gegenteil.

(ju)

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