Gastgeber Mario Barth
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Empörungscomedy: Mario Barth hat mal wieder was aufgedeckt... Sebastian Drüen/rtl

Analyse

"Mario Barth deckt auf..." – oder: zum Wutbürger in 3 Schritten

Am Mittwochabend suchte RTL-Comedian Mario Barth zur besten Sendezeit mal wieder nach Steuergeldverschwendungen. In "Mario Barth deckt auf..." betreibt der Comedian mit seinen "Spürnasen" eine "investigative Comedyshow" – und strickt dabei ein simples Empörungsmuster.

Zahlen-Jonglage, bis dem Zuschauer unwohl wird

Barth jonglierte einen bunten Zahlen-Mix durch die Sendung: Für den Zuschauer war kaum nachzuvollziehen, was stimmte, was nicht, was überhaupt relevant war. Wichtig war für Barth offenbar vor allem, seinen Zuschauern zu vermitteln, dass "die Politik" nicht genug tut und dass "da oben" etwas nicht stimmt.

Nur ein Beispiel für die fragwürdigen Informationen, die Barth in seiner Sendung so preisgab: Barth erklärte am Mittwochabend, dass der Einrichtungskonzern Ikea im Jahr 2014 in Deutschland rund 60 Millionen Euro an eine niederländische Lizenzfirma des Konzerns abgeführt hätte, um seinen in Deutschland zu versteuernden Gewinn kleinzurechnen. Woher diese Zahl stammt, sagte Barth nicht.

(v.l.) Gastgeber Mario Barth, Alexander Herrmann, Joachim Llambi, Britta Heidemann
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Sebastian Drüen/rtl

Wie viel Geld Ikea Deutschland im Jahr 2014 an Lizenzgebühren an die niederländische Holding überwies, lässt sich jedoch selbst errechnen. Bekannt ist, dass das Unternehmen drei Prozent seines Jahresumsatzes an Lizenzgebühren in die Niederlande überweist. ("Süddeutsche Zeitung")

2014 setzte Ikea in Deutschland 4,12 Milliarden Euro um – daher kann man von 123,6 Millionen Euro Lizenzgebühren ausgehen. Ein Lizenztrick mit Folgen: Einer Studie der Europäischen Grünen aus dem Jahr 2016 ist beispielsweise zu entnehmen, dass dem deutschen Staat im Jahr 2014 wiederum durch die Steuertricks der Schweden rund 35 Millionen Euro entgangen sein dürften.

Alles Zahlen, die Barth nicht nennt. Aber darum geht's ihm auch nicht – der RTL-Comedian will seinen Zuschauern vor allem vermitteln, dass in Deutschland etwas nicht stimmt. Leidtragender natürlich: der Privatfernseh-Zuschauer.

Barth erklärte in der Sendung empört: "Kitas werden auch in Ihrer Stadt nicht gebaut, weil Großkonzerne sich weigern, Steuern zu zahlen."

Nach der Empörung folgt die Lächerlichmachung

Die beschriebene Steuer-Ungerechtigkeit servierte Barth seinen RTL-Zuschauern mundgerecht mit einer ordentlichen Prise Stammtisch: "Aber wehe, du als Kleiner: Vergisst 'ne Quittung einzureichen, bist im Gefängnis. Schabam! Für Millionen Jahre... Die nicht." Damit waren die Großkonzerne gemeint.

Die ganz Großen sind für die vermeintlich kleinen Promis von RTL ohnehin der große Feind: Sternekoch Alexander Herrmann beschäftigte sich in der Sendung mit einem "heißen, asozialen Süppchen dieser Verbrecher" – gemeint waren die Umsatzsteuerkarussell-Betrügereien von Großkonzernen.

Stammtisch können nicht nur Barth und Herrmann, sondern auch Joachim Llambi: Der aus "Let's Dance" bekannte RTL-Star tänzelte für Barth in der Sendung am Mittwochabend durch seine Heimatstadt Duisburg, um sich über die angeblich diversen Verfehlungen der dortigen Stadtverwaltung zu beömmeln.

"Verballermanntour 2019" nannte Llambi das und holte sich dazu besorgte Bürger vor die Kamera, für die die Zustände in ihrer Stadt – natürlich – "zum Heulen" waren.

Joachim Llambi, Gastgeber Mario Barth (r.)
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Llambi und Barth ballern: Alles für den Knalleffekt. Sebastian Drüen/rtl

Llambi kalauerte sich durch den Beitrag: "Blindgängersuche? Da hätten die nur mal 500 Meter weiter gehen müssen: Da sitzen genug Blindgänger im Duisburger Rathaus." In einem Beitrag über eine Straße in Berlin-Kreuzberg äffte Barth später einen Anwohner nach, der eine "Begegnungszone" in der Straße anders als Barth ganz sinnvoll fand.

Bild

Der motorisierte Verkehr wird beruhigt, Fußgänger und Fahrradfahrer sollen Vorrang haben: Sogenannte "Begegnungszone" in der Bergmannstraße in Berlin-Kreuzberg. Bild: imago images / tagesspiegel / kitty kleist-heinrich

Mit Llambi feuerte Barth später mit einer Kanone auf eine Wand aus Geldscheinen, um die angebliche Verschwendung von Steuergeldern zu demonstrieren.

Bumm, krach – der Effekt war da.

Viel Frust und ein Wut-Aufruf an die Politik

Am Ende eines jeden Beitrags kommen Barth und seine "Spürnasen" zu demselben Ergebnis: "Da müssen wir was tun", "Tun sie was!", "Es ist wirklich nicht zu fassen", "Aber die Politik tut ja nix". Für Barth ist klar: In der Regierungsverantwortung säßen vor allem inkompetente Menschen, die "immer noch auf ein Fax warten".

Alexander Herrmann, Gastgeber Mario Barth
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Sebastian Drüen/rtl

Der RTL-Comedian erklärt in seiner Sendung, dass durch seine Recherchen schon viele Milliarden vor der Verschwendung gerettet worden seien. Beispiele nennt er nicht.

Zuletzt sahen mehr als 2,8 Millionen Menschen Barths "Empörungscomedy". Die dürften nun sauer und schlecht informiert sein.

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