Auf RTL will der Comedian Mario Barth brisante Themen aufdecken. Das gelingt ihm nicht immer.
Auf RTL will der Comedian Mario Barth brisante Themen aufdecken. Das gelingt ihm nicht immer.
Sebastian drüen/tvnow
Analyse

Mario Barth rechnet das Elektroauto kaputt – ein Versagen in 3 Akten

23.10.2019, 20:58

"Wir wissen's nicht, wir konnten nicht recherchieren", erklärte Mario Barth im ersten Einspieler seiner RTL-Sendung am vergangenen Mittwoch zur besten Sendezeit gleich einmal zu Beginn.

Ein Eingeständnis, das sich durch seine TV-Recherchen zur Elektromobilität zog.

  • Dem Comedian in "Mario Barth deckt auf" ging es um die Ökobilanz von Elektroautos.
  • Das Team der RTL-Sendung ließ Barth jedoch gleich eine Reihe von Ungenauigkeiten oder Halbwahrheiten in seiner "Investigativen Comedyshow" verkünden.

Mario Barth und der Diesel – ein Rechen-Missverständnis

Schon zu Beginn der Sendung wurde klar: Barth war nicht begeistert von den E-Autos, denn die würden mit "Milliarden an Steuergelder" subventioniert werden – und der Diesel laut Barth nicht mehr.

Hier lohnte es sich gleich, auf die Fakten zu blicken: In einem noch nicht beschlossenen Vorschlag des Verkehrsministeriums steht nämlich, dass man die Kaufprämie auf Elektroautos erhöhen will – bis 2023 sind hier laut Papier zusätzliche Gelder von 2,6 Milliarden Euro und bis 2030 von 3,6 Milliarden Euro notwendig.

Ebenso ausgebaut werden soll die Ladeinfrastruktur. Seit 2016 subventionieren Bund und Hersteller bereits den Kauf der meisten Elektroautos und Pkw mit Brennstoffzelle. Der Fördertopf ist allerdings mit 1,2 Milliarden Euro gedeckelt. Und die Hälfte der Förderung übernehmen die Hersteller. Für die Förderung der Ladeinfrastruktur stellte die Bundesregierung zunächst von 2017 bis 2020 300 Millionen Euro bereit.

Zum Vergleich: Der von Barth in der Sendung so gefeierte Diesel-Treibstoff wird seit Jahren in Deutschland von der Bundesregierung verbilligt – jedoch nicht über Subventionen, sondern über einen niedrigeren Steuersatz. Pro Jahr verzichtet die Bundesregierung durch den niedrigeren Steuersatz auf den Diesel-Treibstoff auf rund 9,5 Milliarden Euro.

In der "FAZ" wird vorgerechnet, dass dem Fiskus von 1990 bis 2016 auf diesem Weg stolze 254 Milliarden Euro entgingen.

Die Höhe dieser deutlich höheren Summen erwähnt der Comedian nicht – und so muss es auf den Barth-Fan vor dem Fernseher wohl gleich so wirken, als würde diesen E-Autos jede Menge Geld hinterhergeworfen werden.

Barth verliert auf der IAA den Überblick

Barth besuchte für seine Sendung "Mario Barth deckt auf..." in der Folge die Auto-Messe IAA, um mit den Herstellern über E-Autos zu sprechen. Zu Beginn des Beitrags legt Barth der Politik in den Mund, dass die Batterien von Elektro-Autos "nie kaputtgehen" würden. Von wem diese Äußerung stammt, sagte Barth nicht. Wir haben auch keinen Politiker gefunden, der sich zu so einer Äußerung hinreißen ließ.

Am Stand von Volkswagen erklärte Barth: "VW hat eine Karte und die heißt Elektromobilität." Bei Volkswagen gehe es auf der Messe lediglich um E-Mobilität. Barth hat sich wohl nicht besonders gut umgeschaut: An dem Stand waren laut "Bild" bei der Messe im Spätsommer eine ganze Reihe von Autos ausgestellt: 23 E-Autos, 19 Wagen mit Verbrennungsmotor.

Man könnte hier auch grob überschlagen von "Fifty:Fifty" sprechen – oder im Talkshow-Deutsch von einem "Energiemix". Aber das hätte Barth nicht so ganz ins Programm gepasst.

Barth sucht sich die Experten aus, die ihm gut passen

Als Nächstes war der Teufel los bei RTL. Nicht sprichwörtlich, sondern nur Dieter Teufel. Der Forscher ist Leiter des Umwelt- und Prognose-Instituts aus Heidelberg. Teufel ist bislang hauptsächlich dann in Erscheinung getreten, wenn es darum ging, das E-Auto zu verteufeln.

Teufel wiederholte in der Sendung seinen bereits mehrfach geäußerten Standpunkt, wonach E-Autos unter Umständen für mehr CO2-Emissionen verantwortlich seien als ein herkömmlicher Verbrennungsmotor. Er begründet dies mit der CO2-intensiven Herstellung der Batterien und der Möglichkeit, dass die E-Autos dann später mit nicht-umweltfreundlichem Strom fahren könnten.

Die Wirklichkeit ist komplizierter – und unter Idealbedingungen deutlich positiver für das Elektroauto. Das Wirtschaftsinstitut Ifo kam im Frühjahr zu einer ähnlichen Bewertung wie Teufel, nur um etwa von der "Wirtschaftswoche" bescheinigt zu bekommen, dass das Ifo-Ergebnis "in krasser Weise so gut wie allen seriösen, internationalen Studien der vergangenen Monate" widerspreche.

Im "Spiegel" kam man in einer neuen Analyse später zu dem Schluss, dass ein aktuelles Elektroauto, wie der Tesla 3, unter Idealbedingungen auf einen CO2-Ausstoß von nur noch 31 Gramm pro Kilometer kommt – zum Vergleich: Ein Diesel-betriebener Mercedes C220 d bringt bei einem Kilometer rund 141 Gramm in die Luft.

Das erwähnte Barth nicht. Einen Umweltexperten, der eine andere Auffassung als Teufel vertritt, brachte der Comedian nicht in seiner Sendung unter.

Zur Problematik der Ladeinfrastruktur holte sich Barth dann nicht einen Verkehrspolitiker oder Wissenschaftler in die Sendung, sondern den Berliner Autoverkäufer Dirk Steeger, mit dem Barth offenbar schon seit Jahren eine Duz-Freundschaft unterhält.

Matthias Achim Teichert, ein Branchen-Experte und Mitgründer der Beratungsfirma #Fortschritt, bekannte in der Sendung zwar, dass Deutschlands Verkehrszukunft nicht ausschließlich aus Elektroautos bestehen würde. Und erklärte, dass die E-Autos für das Land keine Option – für den Verkehr in Großstädten aber denkbar seien. Das war für Barth aber unspannend.

Der Comedian erklärte später, dass er keine anderen Gesprächspartner für seine Sendung gefunden habe. Weder aus Politik noch Automobilindustrie.

Wenig überraschendes Fazit: Barth ging es nicht um Recherche, sondern um Gags

Barth machte in seiner Sendung durchaus auch auf einige ernstzunehmende Problematiken der E-Mobilität aufmerksam: Etwa auf das Problem der Kinderarbeit im Kongo, wo Minderjährige in Minen das Metall für die Batterien der E-Autos erbuddeln müssen. Oder darauf, dass auch tatsächlich Ökostrom in die E-Autos fließen sollte.

Im Gespräch mit seinen "Spürnasen" sprach Barth über die Problematik: "Habt ihr ein E-Auto?" "Spürnase" Ingo Appelt erklärte: "Ne, ich hab 'nen Elektro-Grill." Um dann weiter in ein Bühnenprogramm über seine jüngste Grillplatz-Erfahrung abzudriften.

Appelt und seine Kollegen schimpften später noch über die Bundeswehr, über die Wohnungsnot oder Stadtplanung. Ach, es gibt viele Probleme in Deutschland – man müsste sich nur ernsthaft damit beschäftigen.

(mit dpa)

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